Ausschnitt aus einem 360-Grad-Panorama vom Rosskopf, Blick zum Feldberg, von Klaus Ohlenschläger.
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Ausschnitt aus einem 360-Grad-Panorama vom Rosskopf, Blick zum Feldberg, von Klaus Ohlenschläger.

Foto-Projekt

Wie der Taunus-Wald sich verändert hat

  • Anke Hillebrecht
    vonAnke Hillebrecht
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Der Bad Homburger Fotograf Klaus Ohlenschläger zeigt Panoramen des Klimawandels im Taunus-Wald. Zu sehen sind sie an der Fensterfront der Stadtbücherei. Die Aufnahmen sind schön und schockierend zugleich.

Bad Homburg -Es wird viel spaziert und gewandert, jetzt in Corona-Zeiten. Wenigstens mal in den Wald, sagt man sich, nimmt Kind, Kegel und die Thermoskanne mit. Doch der Wald, auch unser schöner Taunuswald, will "so gar nicht zur verklärten Erinnerung an den Wald als Ort unserer romantischen Sehnsüchte passen", erklärt Klaus Ohlenschläger.

Der Bad Homburger hat in einem aufwendigen Fotoprojekt die tiefgreifenden Veränderungen festgehalten, die der weltweite Klimawandel dem einst prächtigen Wald vor unserer Haustür angetan hat. Hitze, Trockenheit, Sturm und Schädlingsbefall haben dem Wald sehr zugesetzt. Großflächige Abholzungen der Fichtenbestände sind die Folge.

Diesen Wandel fokussiert Klaus Ohlenschläger in seinem Fotoprojekt, das durch Stipendien der Hessischen Kulturstiftung unterstützt wurde. Sie zeigen die Transformation eines Waldgebietes, Metapher für eine Natur in dramatischem Umbruch.

Seine Bilder sind von heute an bis 10. Juli in der Stadtbibliothek zu sehen. Zwar darf die Bücherei wegen der Pandemieverordnung keine Besucher empfangen. "Die Werke werden aber von außen zu sehen sein - in der rückseitigen Fensterfront der Bibliothek als temporäre Präsentation", berichtet der Künstler. Dorthin kommt man über die Waisenhausstraße oder rechts am Bibliotheksgebäude vorbei und dann den Gang links an den Wohnhäusern vorbei.

Die Bilder sind schön und zugleich schockierend: braungraue Wüsteneien mit Baumstümpfen: große kahle Flächen, auf denen einst Wald stand, jetzt Ebenen wie Schlachtfelder. Abgestorbene Baumkronen vor blauem Himmel, ein Stamm mit Farbmarkierungen, die sein baldiges Ende bezeugen. Riesige Stapel horizontaler Stämme, sauber angeordnet für den Abtransport. Und in Nahaufnahme das Verderben in aller Schönheit: das Muster der Borkenkäfergänge.

Ohlenschläger war von März 2020 bis Januar 2021 mit der Kamera im Hochtaunus unterwegs: rund um Feldberg und Sandplacken zwischen Fuchstanz, Altkönig und der Oberurseler Hohemark; im Wald um Bad Homburg, die Saalburg, Schmitten, Neu-Anspach, den Hessenpark. Es sind die Bilder, die man jetzt auf den Pandemiespaziergängen sah und sieht, mit oder ohne Schnee.

Der Bad Homburger Fotograf versteht seine Arbeiten als ästhetische Annäherung an den stetigen Wandel im Spannungsfeld zwischen Natur und Zivilisation. "Das Fotoprojekt fokussiert die Details. Das Schöne im Kleinen, so grausig es auch sein mag, lenkt den Blick auf den Zusammenhang", sagt er.

Das Projekt "Transformationen" ist als hybride Präsentation angelegt. Neben den Bildern befinden sich QR-Codes. Jeder Besucher kann so verlinkte 360°-Panoramaaufnahmen auf seinem eigenen Smartphone anzeigen. Diese breiten Panoramen "stellen die Bilder in einen größeren Zusammenhang, verdeutlichen das Ausmaß, zeigen die Totale." Die Aufnahmestandorte der Fotos und Panoramaaufnahmen sind ebenfalls verlinkt und können über "Google Maps" angezeigt werden.

Wenn die Bibliothek wieder öffnen darf, werden die Werke noch mal umgehängt. "Besondere Zeiten bedingen einen besonderen Einsatz", so Ohlenschläger. von Anke Hillebrecht

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