Direkt an den Brücken von Ostring und A 5 sprudelt Wasser in den Eschbach. Der Zulauf kommt aus der Kläranlage. Immer wieder gibt es Diskussionen darüber, wie sauber das Wasser ist. Foto: Reichwein
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Direkt an den Brücken von Ostring und A 5 sprudelt Wasser in den Eschbach. Der Zulauf kommt aus der Kläranlage. Immer wieder gibt es Diskussionen darüber, wie sauber das Wasser ist.

Magistrat soll Messwerte liefern

Wie sauber ist der Eschbach?

  • Harald Konopatzki
    vonHarald Konopatzki
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Im neuen Ausschuss für Klimaschutz und Umwelt nehmen die Grünen die Gewässerqualität in den Blick - Auch von Frankfurter Seite gibt es Redebedarf

Die Bad Homburger Grünen sind in Aufbruchstimmung: "Es geht voran", kommentieren sie die Schaffung des neuen Ausschusses für Klimaschutz und Umwelt und betonen angesichts der am kommenden Dienstag, 25. Mai, anstehenden ersten Arbeitssitzung: Ein wichtiger Punkt im grünen Wahlprogramm war der Gewässerschutz - und so gibt es in der ersten Sitzung einen Antrag, der einen Bericht über die Wasserqualität des Eschbachs im Bereich der Kläranlage einfordert. "Messungen können belegen, wie gut die Kläranlage reinigt und sind ein wichtiges Instrument, um zu erkennen, wie stark sie die Wasserqualität beeinträchtigt hat", heißt es in einer entsprechenden Mitteilung. Margit Courbeaux, umweltpolitische Sprecherin der Grünen, führt aus: "Diese Messwerte helfen uns auch, zu beurteilen, wie sich die geplante Erweiterung der Kläranlage am Eschbach auswirken wird beziehungsweise wie andere Belastungen Einfluss auf das Gewässer genommen haben. Mit diesen Erkenntnissen können wir nötigenfalls weitere Schritte zum Gewässerschutz in die Wege leiten." Deswegen solle der Magistrat unter anderem berichten, wo sich die Messstellen befinden, wer sie betreibt, auf welche Stoffe geprüft wird und wie oft gemessen wird. Auch solle die Stadt erläutern, ob es Auffälligkeiten im Vergleich zu anderen Kläranlagen gibt.

Die Wasserqualität des Eschbachs ist seit Jahren ein schwelender Konfliktpunkt zwischen Bad Homburg und der Frankfurt beziehungsweise den Eschbach-Anrainer-Stadtteilen - mit einem vorläufigen Höhepunkt 2017. Damals war ein Mann bei Nieder-Eschbach in den Bach gefallen und hatte sich dort mit einem multiresistenten Keim infiziert. Er starb später in der Uni-Klinik, der Fall sorgte bundesweit für Aufsehen. Die Frankfurter Ausgabe dieser Zeitung schrieb dazu: "Damit rückt ein Ort in den Fokus, der schon seit langem als potenzielle Keimschleuder gilt: die Kläranlage in Ober-Eschbach. ( . . . ) Bei Routinekontrollen vor und nach der Kläranlage stellt das Frankfurter Gesundheitsamt seit Jahren eine erhöhte Keimbelastung des Eschbachs fest. Vom Baden rät die Behörde ab." Nicht nur vom Baden - auch zur Bewässerung taugt das Wasser nur sehr bedingt. Auf Homburger Seite wies man die Darstellung damals übrigens zurück, dass der Keim über die Kläranlage in den Bach gelangt sei.

Trotzdem gab es seitdem regelmäßig Anträge und Anfragen, die sich um die Belastung des Baches drehen, zumal der Eschbach in das Landesprogramm "100 wilde Bäche" aufgenommen wurde, das vorsieht, dass bis 2023 100 hessische Bäche "modellhaft renaturiert werden".

Auch wenn schon länger klar ist, dass die Kläranlage Ober-Eschbach erneuert werden soll - 2017 war prognostiziert worden, dass ein neues Klärbecken bis 2021 gebaut wird - und die Arbeiten für die Kompletterneuerung 2022 tatsächlich beginnen könnten, gab es auf Frankfurter Seite immer wieder Redebedarf. Im August vergangenen Jahres erklärte der Frankfurter Magistrat, dass für den Herbst ein Gespräch zwischen den Betriebsleitern der Kläranlage Bad Homburg und der Stadtentwässerung Frankfurt geplant sei, auch wenn grundsätzlich die Regierungspräsidien für die Festsetzung der Reinigungsanforderungen für Kläranlagen zuständig seien und die Stadt Frankfurt nur beratend tätig sein könne. Diese Gespräche, so teilte die Stadt Bad Homburg auf Nachfrage mit, seien wegen der Corona-Pandemie noch nicht geführt worden, "sie werden aber weiter angestrebt", so Stadtsprecher Marc Kolbe, der betonte, dass die Kläranlage regelmäßig durch das Regierungspräsidium kontrolliert werde - ohne Beanstandungen.

Auch der Frankfurter Magistrat verwies im vergangenen Jahr darauf, dass die Zahl positiver Salmonellenbefunde am Eschbach rückläufig gewesen sei. "Salmonellen wurden hier in den letzten fünf Jahren nur zweimal im Ablauf der Kläranlage und einmal 1000 Meter nach der Kläranlage bei Harheim nachgewiesen." Dabei beziehen sich diese Zahlen jedoch auf den Zeitraum 2012 bis 2017.

In einer weiteren Stellungnahme vom Dezember 2020 erläutert der Magistrat der Nachbarstadt, dass das Frankfurter Gesundheitsamt die Oberflächengewässer seit vielen Jahren einmal pro Quartal hauptsächlich hinsichtlich der mikrobiologischen Belastungen überprüfe. Dabei werde an ausgewählten Probenahmestellen auch das Fließvolumen berechnet. Im Eschbach geschehe dies rund einen Kilometer hinter dem Zulauf der Kläranlage. "Ein Vergleich der Fließvolumina vor und hinter der Kläranlage ist uns nicht möglich", heißt es dazu. Jahreszeitliche Schwankungen beim Durchfluss seien nicht zu beobachten. In der Politik gibt es die Sorge, dass vor allem in den Sommermonaten nur noch Klärabwässer durch das Bachbett Richtung Nidda fließen. An der Probenahmestelle weise der Bach "nahezu konstant, das heißt unabhängig vom Fließvolumen, die gleiche Eignungsklasse 4 auf" - die schlechteste Eingruppierung. Im Bachabschnitt vor der Einleitung der Kläranlage hatte sich die Gewässerqualität in den vergangenen Jahren hingegen verbessert. Und auch die geplanten Renaturierungsmaßnahmen im Rahmen der 100 wilden Bäche erhöhen das Selbstreinigungsvermögen der Gewässer. Vorsorglich gibt der Frankfurter Magistrat jedoch zu bedenken: "Die Renaturierung eines Baches ist nicht gleichzusetzen mit einem Angebot im Bach zu baden." Deshalb appelliert der Magistrat "an das Wissen, die Vernunft der Eltern und ihre Fürsorgepflicht, sich über den Zustand der Gewässer zu informieren".

Der Eschbach ist laut dem Monitoring zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie schon auf Homburger Gebiet kein reiner Quell mehr. Der Haupt-Zufluss, der Dornbach, bekommt im Oberlauf zwar eine gute Gewässergüte bescheinigt, ab der Messstelle nahe der Gotenstraße ist die Qualität jedoch nur mäßig. Für Kleinlebewesen sind die Bedingungen "unbefriedigend" bis "schlecht", auch die Situation in Bezug auf die Kieselalgen ist in Gonzenheim und Eschbach "unbefriedigend".

Die mäßige Gewässerqualität behält das Gewässer auch nach dem Zusammenfluss mit dem Kirdorfer Bach zum Eschbach bei - bis zum Ortseingang von Harheim.

Der jetzt von den Homburger Grünen eingereichte Antrag sollte im Ausschuss gute Chancen haben. Denn das Stadtparlament hatte 2018 bereits einstimmig einen ähnlichen Antrag der Grünen angenommen. Demnach sollte der Magistrat dafür sorgen, "dass in regelmäßigen Abständen Proben aus den verschiedenen Bächen in Bad Homburg genommen werden und im Ausschuss für Bau, Planung und Umwelt darüber berichtet wird".

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