Begleitend zur maßgeblich von Stefan Ohmeis (stehend) organisierten Ausstellung über Traditionsgaststätten im Stadtteil hat das Heimatmuseum Kirdorf im ersten Stock eine kleine Gaststube nachgebaut - das "Schobbestübbsche".
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Begleitend zur maßgeblich von Stefan Ohmeis (stehend) organisierten Ausstellung über Traditionsgaststätten im Stadtteil hat das Heimatmuseum Kirdorf im ersten Stock eine kleine Gaststube nachgebaut - das "Schobbestübbsche".

Bad Homburg: Eine kleine Gaststube im Kirdorfer Heimatmuseum

Willkommen im Kirdorfer Schobbestübbsche

  • Sabine Münstermann
    VonSabine Münstermann
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Am Kirchberg eröffnet nicht nur neue Ausstellung, sondern das Museum hat auch kleine Gaststätte im ersten Stock nachgebaut

Kirdorf -Den "grünen Baum", den kannte in Kirdorf früher jeder. Das war nämlich die 1827 eröffnete Gaststätte, die erst in den Händen von Inhaber Johannes Braun III. lag, später in denen vom in die Familie eingeheirateten Gottfried Ohmeis und später in denen der ebenfalls eingeheirateten Familie Werheim. Letztere "waren schräge Vögel", sagt Stefan Ohmeis vom Kirdorfer Heimatmuseum und lacht. Und weil insbesondere der Patron Valentin Wehrheim eben "so schräg" gewesen sei und merkwürdige Ansichten gehabt hätte, hätten ihm die Kirdorfer den Spitznamen "der Komische" verpasst. Und fortan ging man also nicht mehr in den "grünen Baum", sondern "zum Komischen". Dessen Sohn Georg wiederum fand das Ganze unter Marketingaspekten sogar ganz nützlich und machte mit dem Namen "Komische Schorsch" sogar Werbung für sich und seine Gaststätte.

Steckbriefe zu 12 Gasthäusern

Geschichten wie diese finden sich in der aktuellen Ausstellung "Traditionelle Gaststätten - Orte der Kommunikation, Entspannung und Unterhaltung", die das Kirdorfer Heimatmuseum von kommendem Sonntag, 31. Oktober, an zeigt, zuhauf. Kein Wunder: Das Ausstellungsteam, zu dem neben Stefan Ohmeis auch Birgit Schmidt, Cäcilia Hett, Regina Wagner, Ursula Stiehler, Ferdi Ernst und Vorsitzender Hans Leimeister gehören, hat auch monatelang gekramt, gewühlt und recherchiert, um Steckbriefe von insgesamt 12 Traditionsgaststätten in Kirdorf - die älteste nachweisbare, das Gasthaus "Zum Ochsen, das in der heutigen Grabengasse stand, wurde 1780 eröffnet - zu fertigen.

Diese Steckbriefe zieren jetzt die Wände im ersten Stock, zudem gibt es allerhand Schätzchen zu sehen, alte Bilder, Pokale, Vereinswimpel für den Stammtisch, Zigarrenschneider - und sogar Bierwärmer. "Kaum zu glauben und kurios, aber früher mochten viele Leute ihr Bier gar nicht kalt, deswegen gab's Bierwärmer, die man ins Glas hielt", sagt Ohmeis.

". . . und wer zu tief ins Glas schaute, der hatte danach nicht nur mit Magenproblemen, sondern auch mit denkwürdigen hygienischen Zuständen in den Gaststätten zu kämpfen, denn sanitäre Einrichtungen, wie wir sie heute kennen, die gab's damals ja noch nicht. In der Regel waren das Plumpsklos im Hof", sagt Vereinsmitglied Waldemar Wehrheim. Das Plumsklo an sich wäre ja kein Problem gewesen - "aber es ist durchaus vorgekommen, dass der eine oder andere dort sein Gebiss verlor, wenn er sich erleichtern musste", so Wehrheim weiter. Er selbst habe jedenfalls mal das Gebiss des Mannes der Nachbarin "gerettet", erinnert er sich lachend.

Wer in die Geschichte der Kirdorfer Gaststätten eintauchen möchte, braucht definitiv etwas Zeit, um alle Steckbriefe durchzulesen. Aber Zusatzgeschichten wie die von Waldemar Wehrheim, die gibt's natürlich nur mündlich - und zwar am Stammtisch. Den das Heimatmuseum im Nachbau einer kleinen Gaststube im ersten Stock aufgestellt hat. Was ein echter Clou ist. Denn das alte Mobiliar ist nicht nur zum Angucken, sondern tatsächlich auch zum daran-Platz-Nehmen gedacht.

Das heimliche Rathaus

Und natürlich gibt's auch Bewirtung im "Schobbestübbsche". Angeboten werden dort Apfelwein, Bier und Wasser - vor allem sollen dort die Ausstellung begleitende Veranstaltungen stattfinden. Geplant sind, so Ohmeis und Leimeister, unter anderem, Kaffeetrinken mit Riwwel- und Petzkuchen, Babbel-Nachmittage, Großkart-Spielen, Verkostungen von Apfelwein, Soleiern oder auch Fleischwurst.

"Wir haben uns gedacht, wir können doch keine Ausstellung über Gaststätten machen und dann nicht das entsprechende Ambiente vermitteln, also war schnell die Idee mit dem ,Schobbestübbsche' geboren", erklärt Ohmeis. Und blickt an der Theke hinter sich. Da hängt ein wunderbares Bild, auf dem in großen Lettern steht; "Kirdorfer Rathaus". Das hatten seinerzeit Handwerker gefertigt, die in der Gastwirtschaft der "Märtins Marie" in der Grabengasse 22 ein- und ausgingen und mit dem Schild ihrer Lieblingskneipe Respekt zollen wollten.

Die Gaststätte wurde von den Handwerkern und dem Rest der Kirdorfer Bevölkerung übrigens auch "Krawall" genannt, weil dort eben oft Krawall gemacht wurde. Das sich künstlich über irgendetwas Aufregen, das Streiten und Schreien gehörte dazu - um sich hinterher umso einträchtiger beim Bier wieder zu vertragen.

Die Ausstellung öffnet am Sonntag, 31. Oktober, und ist jeweils sonntags von 15 bis 17 Uhr im Heimatmuseum Kirdorf, Am Kirchberg 41 a, zu sehen. Im eigens für die Ausstellung eröffneten "Schobbestübbsche" werden regelmäßig Veranstaltungen angeboten, die derzeit allerdings noch nicht terminiert sind, aber rechtzeitig vorab bekanntgegeben werden. Wichtig: Im gesamten Museum gilt die 2G-Regel. Das Museum betreten darf also nur, wer geimpft oder genesen ist. Im Museum ist ein Mund-Nasen-Schutz zu tragen.

Weitere Infos im Netz unter www.museum-kirdorf.de.

Von Sabine Münstermann

Früher mochte so mancher sein Bier nicht kalt, sondern warm trinken. Und dafür gab's tatsächlich einen Bierwärmer.

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