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Willkommen in der „Smart City“ Bad Homburg

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Von: Sabine Münstermann

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Digitale Behördengänge: In Bad Homburg sind bereits 110 städtische Dienstleistungen online verfügbar. Weitere sollen folgen.
Digitale Behördengänge: In Bad Homburg sind bereits 110 städtische Dienstleistungen online verfügbar. Weitere sollen folgen. © Panda Security/obs

Von der Verwaltung über die Kur- und Kongreß-GmbH bis hin zum Betriebshof und den Stadtwerken: Der gesamte Homburger "Stadtkonzern" soll smarter werden.

Bad Homburg -Behördengänge sind lästig. Vor allem solche, in denen man sich zuerst mal als der, der man ist, persönlich legitimieren muss. Wäre es nicht wunderbar, wenn das Ganze digital möglich wäre, man sich mithin über eine App und eine Online-Funktion seines Personalausweises authentifizieren könnte? Wer denkt, das sei Zukunftsmusik, der irrt. Denn tatsächlich ist seit einem Jahr die eID-Karte mit Online-Ausweisfunktion für Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union eingeführt. "Das Ganze funktioniert ein bisschen wie der digitale Impfpass", erklärt Marius Müller (31), im Rathaus für den Bereich E-Government, also elektronische Verwaltung, zuständig.

Die eID-Karte mit besagter Online-Ausweisfunktion ist aus der Perspektive einer elektronischen Verwaltung nur der Anfang. Die Bürger sollen künftig in die Lage versetzt werden, ein "Servicekonto für Behördengänge" zu errichten. "Das wäre wie ein Amazon-Konto. Man hinterlegt einmal die Daten und ist so registriert - und sämtliche Behördengänge werden vereinfacht, denn sie finden digital statt", so Müller. Und genau da soll's mit dem Bad Homburger Rathaus auch hingehen: "Unser Ziel ist es, alle Verwaltungsleistungen, vom Antrag bis zur Bewilligung, als volldigitalisierte Prozesse anzubieten."

Tatsächlich sind bereits 110 der 200 städtischen Dienstleistungen online verfügbar, etwa der Anwohnerparkausweis oder die Gewerbeanmeldung - "es findet sie nur keiner"", sagt Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) mit kritischem Hinweis auf die aktuelle Homepage der Stadt. Die deswegen auch demnächst komplett erneuert wird. Der Relaunch zählt ebenfalls zum Strategie-Punkt "Digitalisierung der Verwaltung". Hintergrund ist das "Onlinezugangsgesetz" (OZG), das alle Kommunen dazu verpflichtet, ihre Leistungen bis Ende 2022 auch digital anzubieten. Für die Kurstadt ist die digitale Verwaltung aber mehr als nur eine gesetzliche Vorgabe. Sie ist eine von drei Säulen, der von den Stadtverordneten beschlossenen Digitalisierungs-Strategie der gesamten Stadt. Säule zwei ist der Bereich "Smart City", Säule drei der Bereich "Arbeitsplatz Zukunft" - Stichwort mobiles Arbeiten für die 1000 Mitarbeitenden der Stadtverwaltung, zu jeder Zeit und von jedem Ort aus.

Wlan im Stadtbus, Ausbau von Ladesäulen

Klingt technisch? Klar, IT-Technologie, die steckt natürlich hinter allem. Aber im Prinzip geht es darum, "transparente und moderne Verwaltungsprozesse zu ermöglichen, behördeninterne Prozesse zu verschlanken und vor allem, eine schnelle, einfache und sichere Online-Interaktion zwischen den Bürgerinnen und Bürgern und der Verwaltung zu gewährleisten", sagt Hetjes.

Und weil ein solcher Prozess Struktur braucht und jemanden, der sich drum kümmert, dass die Sache läuft, hat die Stadt die Stelle eines "Chief Digital Officer" (CDO) geschaffen. Inne hat die Position Michaela Peschk-Aschenbrenner (41), die alle Digitalisierungsprojekte der Stadt koordiniert. Denn natürlich geht es beim, wie OB Hetjes es nennt, "Stadtkonzern" nicht nur ums Rathaus, sondern eben auch um die Kur- und Kongreß-GmbH, den Betriebshof und die Stadtwerke. Sie alle sollen ja digitaler werden. Das fängt an bei der elektronischen e-Akte als Basis für effizientere, papierlose Verwaltungsabläufe, umfasst aber auch den Ausbau von e-Ladesäulen, von denen es derzeit 18 gibt.

Nicht jede Digitalisierung ist für den Bürger sofort verständlich. Im Bereich "Smart City" klingt's noch wenig konkret, wenn Peschk-Aschenbrenner sagt, dass den Bad Homburgern bis Ende 2027 "integrierte, barrierefreie und flächendeckende Services angeboten werden sollen" und die Stadt "effizienter, technologisch fortschrittlicher, grüner und sozial inklusiver gestaltet werden soll". Aber wenn die Chief Digital Officer sagt, dass man an einem Konzept für den Glasfaserausbau im Stadtgebiet arbeite und mit dem Ausbau in Dornholzhausen demnächst begonnen werde, es in allen Bussen freies Wlan geben soll, es um intelligente Verkehrsfluss-Steuerung geht und um intelligentes Energiemanagement oder es über ein "StadtNavi" möglich sein wird, sich klimaneutral durch Homburg zu bewegen, dann dürfte man sich auch als Bürger oder Unternehmer für die Sache begeistern. Und um die geht es OB Hetjes ja, denn: "Beim Thema Standortvorteil wird es künftig nicht mehr nur um traditionelle Faktoren wie Straßenbau und Kita-Angebot gehen, sondern auch darum, welchen Digitalisierungs-Grad die Stadt und ihre Verwaltung haben."

Michaela Peschk-Aschenbrenner, Chief Digital Officer der Stadt Bad Homburg.
Michaela Peschk-Aschenbrenner, Chief Digital Officer der Stadt Bad Homburg. © sbm
Marius Müller, Leiter des städtischen Produktbereichs E-Government in Bad Homburg.
Marius Müller, Leiter des städtischen Produktbereichs E-Government in Bad Homburg. © sbm

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