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Windhunde zeigen sich von ihrer besten Seite

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Marion Mages aus Bad Soden hat gleich zwei Hunde mitgebracht, die am Samstag bei der Windhund-Zuchtschau zu den besten ihrer Klasse gekürt werden: Sundward Faktor Set (links) und Empire of the Cloud konnten die Preisrichter überzeugen.
Marion Mages aus Bad Soden hat gleich zwei Hunde mitgebracht, die am Samstag bei der Windhund-Zuchtschau zu den besten ihrer Klasse gekürt werden: Sundward Faktor Set (links) und Empire of the Cloud konnten die Preisrichter überzeugen. © Caroline Holler

Bei der Zuchtschau stellen sich mehr als 180 Vierbeiner einer fachkundigen Bewertung.

Bad Homburg -Dass sie schnell sind, die schlanken Tiere, kann man ahnen, wenn man ihre langen Beine sieht. Und doch liegen die meisten Windhunde am Samstag sehr entspannt im Bad Homburger Jubiläumspark - weitgehend unberührt von dem Treiben um sie herum.

Denn auch wenn das traditionelle Hunderennen im Park in diesem Jahr ausfallen muss - Trockenheit und der damit einhergehende harte Boden bieten zu viele Risiken für Verletzungen an den Pfoten: Die Zuchtschau findet statt. Mehr als 180 Hunde haben mit ihren Besitzern aus ganz Deutschland den Weg in die Kurstadt gefunden, eine Veranstaltung, die nicht auch zuletzt dank Bad Homburgs Flair seit Jahrzehnten Renommee hat, wie Annette Löw, Vorsitzende des Windhund Vereins Offenbach, beschreibt.

Unter Federführung des Vereins erfolgt die Organisation der Ausstellung, die genauen Vorgaben folgt. Jede Rasse wird nach Alter und Geschlecht getrennt einem Richter vorgeführt, der ebenfalls für die jeweilige Gattung eine Prüfung absolvieren muss, bevor er bewerten darf.

Die Hunde müssen im DWZRV, dem deutschen Windhundzucht- und Rennverband, gemeldet sein und einen Stammbaum vorweisen. Dann werden die Rasse-Standards begutachtet, also Schönheit, Gang, Körperbau, Bemuskelung, Winkelung, Kopf und Nacken.

Entscheidung ist „eine Lebensaufgabe“

Sich für einen Windhund zu entscheiden, ist so etwas wie eine Lebensentscheidung, wie Annette Löw schmunzelnd formuliert. Die an sich sanften Tiere haben über Jahrtausende antrainierte Bedürfnisse, die der Besitzer für eine artgerechte Haltung erfüllen muss. Einst in den Wüsten des Orients für die Jagd, gemeinsam mit Pferd und Falke, ausgebildet, erreichen die Sprinter eine Geschwindigkeit von bis zu 70 Kilometern pro Stunde und können diese auch bis zu einem Kilometer halten. Damit sind sie nach dem Gepard das zweitschnellste Tier der Welt.

Auch der Jagdtrieb ist entsprechend ausgeprägt, regelmäßiger Auslauf und die Möglichkeit, beispielsweise in der Arena in Hünstetten einem imitierten Hasen nachzustellen, sind wichtig, um den Belangen der Tiere Rechnung zu tragen. Entlohnt wird die Fürsorge mit Loyalität, freundlichem Wesen und regelmäßigen Kuscheleinheiten. Denn auch wenn der Windhund nicht als klassischer Familienhund gilt, freut er sich über Nähe und Zuwendung. Ein gutes Dutzend verschiedener Windhund-Rassen gibt es, angefangen mit den kleinsten, den italienischen Windspielen, über den Afghanen, den schottischen Deerhound, die marokkanischen Sloughis, den persischen Saluki bis hin zum irischen Greyhound, dem schnellsten und größten Vertreter seiner Zunft. Bis zu 16 Jahre können die zarten Windspiele werden, die Großen etwa acht.

Drei Mal die Woche auf die Rennbahn

Die Begeisterung für die sanften Jäger zeigt sich in den drei Ringen, in denen die Vorführungen stattfinden. Herausgeputzt und für die Vorstellung trainiert absolvieren die Hunde ihr Programm im vertrauensvollen Zusammenspiel mit ihren Besitzern.

Die gut vernetzte Gemeinschaft der Windhund-Liebhaber fiebert mit, wenn es darum geht, wer es in den sogenannten Ehrenring schafft oder sogar „Best of Show“, also Tagessieger wird. Neben Urkunden und Schleifen winkt in Bad Homburg auch ein Laternchen, passend zum Fest, als Gewinn.

Bei den Afghanen sind gleich zwei Hunde von Marion Mages aus Bad Soden die Besten in ihrer Altersklasse. Sundward Faktor Set, Rufname Ada, und Empire of the Cloud, kurz Khalet, räumen die Preise ab. Nicht zuletzt auch dank ihres wunderschönen Fells, in dessen Pflege Mages einiges investiert. Fütterung spiele neben dem regelmäßigen, fachkundigen Baden und Bürsten eine entscheidende Rolle, wie die stolze Halterin erklärt. Mages wuchs bereits mit Windhunden auf, hat die Leidenschaft für die pfeilschnellen Läufer von ihrer Großmutter geerbt. Drei Mal pro Woche fährt sie nach Hünstetten zur Rennbahn, um den notwendigen Auslauf zu gewährleisten.

Marion Mages kuschelt bereits mit ihren beiden Siegern, während im Ring nebenan Eloise, ein hübsches Windspiel von Sigurd Rolfes aus Köln, vorgestellt wird. Trotz ihrer erst gut zwei Jahre meistert sie ihre Aufgabe hervorragend.

Was sicher nicht zuletzt auch an dem innigen Verhältnis zu ihrer Besitzerin liegt. Das ist immer wieder zu beobachten zwischen Hund und Herrchen an diesem Samstag im Park.

Verbundenheit, erwachsen aus Vertrauen, wird deutlich, wenn die Tiere geduldig in der Reihe ausharren und schließlich gemeinsam mit ihren Besitzern vor die Richter treten. Denn trotz aller notwendigen Hierarchie im Verhältnis ist es wahrscheinlich nicht zuletzt die uralte Freundschaft zwischen Mensch und Hund, die diese Beziehung so besonders macht.

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