Das ehemalige Sanatorium Dr. Goldschmidt wartet auf bessere Tage.
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Das ehemalige Sanatorium Dr. Goldschmidt wartet auf bessere Tage.

Diskussion um Bad Homburger Denkmal

Wird die Villa Goldschmidt in Bad Homburg ausreichend geschützt?

  • Harald Konopatzki
    VonHarald Konopatzki
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Nach dem Brand im ehemaligen Sanatorium gibt es deutliche Kritik an den Sicherheitsmaßnahmen. Die Stadt Bad Homburg sieht sich als nicht zuständig an, der Hochtaunuskreis als Eigentümer kündigt Überprüfung an.

Bad Homburg -Der Brand im ehemaligen Sanatorium Goldschmidt am vergangenen Samstag, bei dem die Feuerwehr mit einem Großaufgebot brennenden Müll im Inneren des denkmalgeschützten Gebäudes löschen musste, hat die Stadt aufgeschreckt.

"Trauerspiel um das ehemalige Sanatorium Goldschmidt beenden", fordert die BLB plakativ und sieht dabei auch die Stadt in der Pflicht. "Das Feuer hat wieder einmal deutlich gemacht,wie dringlich es ist ,die richtigen Maßnahmen zu ergreifen,um dieses Gebäude und sein Umfeld, Zeugnis ehemaligen jüdischen Lebens, nachhaltig zu schützen", sagt BLB-Vorsitzende Beate Fleige. Der immer wieder aufs Neue vorgebrachte Hinweis von Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU), es handele sich um eine Liegenschaft des Kreises, könne "nicht als Entschuldigung dienen" - zumal er ja auch im Kreistag sitze, dort also aktiv werden könnte. Sollten die im vergangenen Jahr vorgestellten Pläne noch aktuell sein und realisiert werden, komme ohnehin die Homburger Stadtplanung ins Spiel, so Fleige, denn der derzeit gültige Bebauungsplan wäre zu überarbeiten.

Auch Anwohner melden sich zu Wort, verweisen auf Schwächen an den Zäunen, die eine Einladung an ungebetene Gäste darstellten. In der Tat: Der rund ein Meter hohe Jägerzaun in der Unteren Terrassenstraße stellt kein nennenswertes Hindernis da. Besonders unsportliche Gäste finden einige Stellen, die noch leichter überklettert werden können.

So wendet sich Andreas von Gall, der für die FDP auch im Ortsbeirat sitzt, mit einem offenen Brief an die Spitzen von Stadt und Kreis. Ihm der Landrat in einem Schreiben vom April 2020 versichert, "dass der Kreis alles tut, um zu einem die Substanz des denkmalgeschützten Gebäudes zu erhalten und zum anderen die Pläne für eine Sanierung und angemessene Nutzung des gesamten Ensembles voranzubringen". Oberbürgermeister Hetjes habe ihm im gleichen Monat mitgeteilt, dass die Stadt sich ihrer "Aufgabe der Überprüfung denkmalschutzrechtlicher Erhaltungspflichten.. bewusst" sei. Von Gall regt an, dass sich die Verantwortlichen selbst ein Bild machen sollten. "Der jetzige Zustand lud und lädt gerade dazu ein, in das Grundstück aber auch in das Gebäude einzudringen. Unabhängig von der noch festzustellenden Brandursache ist das Gebäude nach wie vor einer erheblichen Gefährdung ausgesetzt." Das Ausbrechen eines Brandes im Dach sei für ihn nicht überraschend gekommen. "Um weitere Schäden zu verhindern, ist eine umgehende Reparatur der durch die Brandbekämpfung bedingten Schäden des Daches erforderlich."

Immer wieder ungebetene Gäste

Ingo Klöcker, ebenfalls Anwohner in direkter Nachbarschaft, pflichtet von Gall bei. "Unser Grundstück grenzt unmittelbar an das Gelände des ehemaligen Goldschmidt-Sanatoriums an. Aus eigener Beobachtung wissen wir daher, dass sich immer mal wieder auf dem Gelände und in den Gebäuden Jugendliche, insbesondere abends und nachts, aufhalten - aber immer wieder auch Fremde, die Gelände und Gebäude fotografieren oder anderweitig begehen und ausforschen."

Tatsächlich hat sich das alte Sanatorium einen Ruf als "Lost Place" erarbeitet. Im Internet gibt - ohne dass man in die Tiefe der Szene abtauchen muss - Fotos und sogar einen Film, in dem Drohnen-Aufnahmen mit Sequenzen vom Außenbereich und Bildern aus dem Inneren gemischt sind. Der Filmer, der nach eigenen Angaben aus einer Vordertaunus-Kommune kommt, betont, dass die Innenaufnahmen nicht von ihm stammen.

Auch auf einer anderen frei zugänglichen Seiten taucht das Sanatorium auf einer interaktiven Karte als lohnendes Ziel auf.

Pikant: Es gibt auch einen Tipp, wie man am besten ins Gebäude kommt - gepostet in dieser Woche, also nach dem Brand.

Beim Kreis betont man, dass man sich um die Absicherung kümmert: "Die Türen sind verschlossen, die Fenster zum Teil verbarrikadiert. Lichtschächte wurden zusätzlich gesichert, die Hausmeister kontrollieren permanent", zählt Kreissprecherin Andrea Nagell auf. Zusätzlich sei Sicherheitspersonal für nächtliche Kontrollen eingesetzt, um das denkmalgeschützte Gebäude regelmäßig zu kontrollieren. "Der Kreis wird - mit Beratung der Polizei - nun klären, wie ein solches Gebäude noch stärker gesichert werden kann", bilanziert Nagell.

Keine Handhabe, keine Zuständigkeit

Die Stadt hat offenbar keine Handhabe: "Für leerstehende Gebäude gibt es keine Brandschutzvorschriften", erklärt Stadtsprecher Marc Kolbe auf Nachfrage. Aus Sicht der Stadt, die die Zuständigkeit nicht bei sich sieht, sei das Gelände ausreichend gesichert, "aber es ist eben wie bei allen verlassenen Gebäuden: Wer rein will, kommt auch rein . . ."

Zur Zukunft sagt Kolbe: Wir würden uns freuen, wenn die Villa bald wieder nutzbar wäre. Dazu heißt es vom Kreis: "Stadt und Kreis bereiten gegenwärtig eine Konzeptvergabe vor. Nachfragen zur Einzelverwertung des denkmalgeschützten Bereiches (Villa und Nebenhaus) waren bisher nicht von Erfolg gekrönt", heißt es dazu. Im Homburger Rathaus sieht man das etwas anders: "Die Stadt hat ihren Teil beigetragen - jetzt liegt es am Kreis", sagt Kolbe mit Blick auf die im vergangenen Februar 2020 kommuniziere Idee für die künftige Nutzung.

Zu den genauen Ursachen und der Schadenshöhe gibt es übrigens keine neuen Erkenntnisse. Nagell: "Die Kriminalpolizei ist derzeit mit der Brandursachen-Ermittlung beschäftigt. Im Anschluss muss entschieden werden, was zu tun ist. Über die Schadenshöhe könnten wir derzeit also nur spekulieren, das hat keinen Sinn." von Harald Konopatzki

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