Stadt und DRV führen Gespräche

Wohnanlage Am Wingertsberg verwahrlost

  • Marc Kolbe
    VonMarc Kolbe
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Die Rentenversicherung lässt ihre Wohnanlage am Wingertsberg verkommen. Für die Anwohner hat dieses Vorgehen Methode, sie werden als Faustpfand benutzt.

Mitte vergangenen Jahres setzte die Deutsche Rentenversicherung (DRV) die Mieten für ihre Wohnanlage am Wingerstberg um 15 Prozent nach oben. Als Gegenleistung dafür erhielten die Mieter – nichts! Denn seit fast schon eineinhalb Jahren findet rund um die 116 Wohnungen so gut wie keine Grünpflege statt. Wer den Mietern dieser Tage einen Besuch abstattet, fühlt sich wie in einem Dschungel. Die Beete – ungepflegt und voll Unkraut. Die Rasenflächen – vielerorts nicht mehr als solche erkennbar. Erst nach einer Anfrage der Taunus Zeitung hat man wohl in aller Eile Arbeiter losgeschickt, die zumindest dafür sorgen sollen, dass der Anschein gewahrt bleibt.

Die TZ wollte von der Rentenversicherung wissen: Wie ist der aktuelle Stand der Verhandlungen mit der Stadt Bad Homburg? Warum werden die Außenanlagen der angeschlossenen Wohnungen und die Wohnblöcke selbst nicht mehr gepflegt? Wie lässt sich die Vernachlässigung der Anlage mit der Mieterhöhung aus dem vergangenen Jahr in Einklang bringen? Besteht nicht die Sorge, dass die verwahrloste Wohnsiedlung auch das Ansehen der benachbarten Klinik schädigt?

Die Antworten der DRV düften den Mietern am Wingertsberg nicht viel Hoffnung machen. „Die Stadt Bad Homburg und die DRV Bund befinden sich im Dialog über eine nachhaltige Lösung für den Standort, die die berechtigten Mieterinteressen berücksichtigen soll“, so Sprecher Dirk von der Heide. Die Außenanlagen der Klinik und der Personalwohnhäuser würden regelmäßig von den Mitarbeitern der Klinik und einer externen Firma gepflegt. Wegen der langen Trockenperiode und dem anschließenden starken Regen seien die Grünpflanzen in jüngster Zeit förmlich explodiert. Von der Heide: „Die notwendigen Grünarbeiten erfolgen in den nächsten Tagen.“ Ein gepflegtes Erscheinungsbild sei der DRV wichtig.

Diese Erfahrung haben die Mieter nicht gemacht. „Früher war das hier eine gepflegte Wohnanlage“, sagt ein Mieter, doch seit rund eineinhalb Jahren tue sich fast nichts mehr. Eine Mieterin lässt uns auf ihre Terrasse, die von Unkraut umzingelt ist. „Wir hatten hier immer eine gepflegte Rasenfläche“, erzählt sie. Jetzt steht das Unkraut hüfthoch. Alle kennen sie Mieter, die bereits ausgezogen sind oder ausziehen wollen. Denn nicht nur die Außenanlagen seien ungepflegt, auch in die Wohnhäuser werde nichts mehr investiert. Etliche Fassaden seien schwarz vor Dreck und kaputte Fassadenelemente würden nicht ausgetauscht. Und auf Beschwerden vonseiten der Mieter würde die Klinikleitung einfach nicht reagieren. „Einigen Beschwerdeführern wurde gesagt, wenn es ihnen hier nicht gefällt, sollen sie doch ausziehen“, sagt ein weiterer Mieter. Doch den Gefallen werde er der DRV nicht machen. Kurzum: Die Mieter vom Wingertsberg fühlen sich veräppelt und im Stich gelassen.

Doch wie geht es generell mit den Wohnungen weiter? Die DRV ist angehalten, sich von ihren Wohnungen zu trennen. An den allermeisten Standorten ist der Verkauf bereits über die Bühne – in Bad Homburg jedoch nicht. Das Parlament hatte entschieden, die eingetragene Grunddienstbarkeit nicht zu löschen, ein Verkauf der Wohnungen war damit unmöglich.

Ende vergangenen Jahres hatten sich Vertreter der Stadt mit der DRV zusammengesetzt. Ein Ergebnis dieses Gesprächs war, dass die Stadt die Hochtaunusbau bat, die Wohnungen unter die Lupe zu nehmen – entweder zwecks Kauf oder Betreuung. Ein Gutachter der Hochtaunus war mittlerweile in der Wohnanlage, ein Gespräch zwischen dem Vorstand der Baugenossenschaft Bernd Arnold und OB Alexander Hetjes (CDU) soll demnächst stattfinden. In einem weiteren Schritt will sich der OB dann noch mal mit Vertretern der DRV zusammensetzen. Dann wird Hetjes wohl auch das eine oder andere Wort über den Zustand der Wohnanlage verlieren. Die DRV habe zwar angekündigt, ihre Leistungen zu reduzieren, „aber jetzt scheint die Pflege der Außenanlagen aus dem Ruder gelaufen zu sein. Das ist nicht hinnehmbar.“

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