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Bauherr Thomas Mayer vor der Rückansicht seines ungewöhnlichen Hauses in der Goethestraße, das von einem Wasserbecken umgeben ist. Ein ?wunderbares Wohnerlebnis? bietet das Domizil für ihn und seine Familie.

Wohnen im Wunder

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Spaziergänger reiben sich die Augen, wenn sie zum ersten Mal Thomas Mayers Neubau in der Goethestraße sehen. Der Bauherr erzählt, wie es sich wohnt hinter der geheimnisvollen weißen Fassade.

Wenn Thomas Mayer in seinem Wohnzimmer sitzt, fühlt er sich manchmal wie am Meer. Das Tänzeln von Wasser spiegelt sich an der Decke des Raumes, der sich über das gesamte Erdgeschoss erstreckt.

Das Haus, in dem Mayer mit Partnerin und drei Kindern (8, 11 und 13) seit vorigem Jahr wohnt, ist umgeben von einem Wasserbecken, das abends beleuchtet werden und in dem man auch schwimmen kann. „Hier zu leben ist wie Urlaub“, sagt der Homburger. „Ein wunderbares Wohnerlebnis.“

Manche Spaziergänger, die vom Philosophenweg um die Ecke in die Goethestraße biegen, trauen ihren Augen nicht, wenn sie die weiße Fassade sehen, die auch als Blickachsen-Skulptur durchgehen würde. Der verputzte Vorsatz lässt asymmetrische Fensterfronten frei, die sich über beide Stockwerke bis in den Spitzboden ziehen. Mayer freut sich, dass viel Licht reinkommt – anders als in seinem vorigen Haus.

Im Hardtwald gibt es zwei Lager, wie der Bauherr vernommen hat: „Entweder die Leute sagen ,wow‘ oder sie mögen es nicht. Aber es muss ja nicht jedem gefallen.“ So ungewöhnlich es von außen ist, so hell und geräumig ist das Haus von innen. Dabei mussten sich die beiden Architekten, die Mayer beauftragt hatte, an den strengen Hardtwald-Bebauungsplan halten: Firsthöhe, maximale Entfernung der Eckpunkte und Dachneigung waren definiert. „Also haben wir uns gefragt: Was ist nicht vorgegeben?“, erzählt Yvonne Dollega vom Wetzlarer Architektenbüro Gronych und Dollega.

Und das war offensichtlich eine Menge. Wer sagt, dass alle Wände im Lot sein müssen?

Das Gebäude ist oben breiter als unten – so kann Licht in den Keller fallen; oben hat man mehr Platz. „Reduktion bringt Großzügigkeit“, sagt Peter Gronych. Auch drinnen – oben, zwischen Flur und Bad – sind die Wände schräg: Mayer findet’s gut. Zum Glück gibt’s Waschbecken in allen erdenklichen Formen.

Dollega und Gronych haben Gegensätze in dem Neubau vereint: Roher Sichtbeton korrespondiert mit dem warmen Teak-Holz, mit dem von außen die Küche verkleidet ist; Holzscheite lagern in einem Rahmen aus rostig anmutendem Cortenstahl – umgeben vom alten Baumbestand des Hardtwaldes. Holzscheite auch im Haus, hier kombiniert mit einem supermodernen hängenden Kamin.

Eineinhalb Jahre haben Mayer und die beiden Architekten gemeinsam an dem ungewöhnlichen Haus getüftelt. „Ich wollte ein Unikat, und über die Homepage bin ich auf die Wetzlarer gestoßen“, erklärt Mayer. „Ich konnte mir anfangs nicht vorstellen, dass es wirklich so umgesetzt wird.“

Beim „Tag der Architektur“ am kommenden Wochenende dürfen die beiden Architekten zwei Tage lang Hausherren sein und Interessierte durchs Haus führen (siehe INFO). Möglicherweise bringt ihnen das Haus – außer dem Spaß am Kreieren – noch Ruhm: Es ist für die Shortlist des DAM-Preises für Architektur 2017 nominiert.

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