Bahnhof-Südseite

Wohnen zwischen den Welten

  • schließen

Ein Zuhause auf Zeit suchen offenbar viele in Bad Homburg. Vor allem Beschäftigte der großen Firmen im Gewerbegebiet sind es, die für Wochen ein Apartment im Boardinghouse beziehen. Wegen großer Nachfrage wird dieses jetzt erweitert. Davor entsteht ein neuer Platz.

Eichenparkett, petrolfarbene Wand, funktionale Gemütlichkeit wie beim schwedischen Möbelriesen – in den 41 Apartments des Boardinghouses an der Horexstraße kann sich jeder wohlfühlen. Leer bleiben sie selten: „Das Haus ist zu 120 Prozent ausgelastet – also stehen immer potenzielle Gäste auf der Warteliste“, erklärte Grundstückseigentümer Peter Kolb eine mathematische Unmöglichkeit. Und so schloss der Geschäftsführer des Projektentwicklers Kolb + Partner das Baufenster mit einem weiteren Gebäuderiegel, in dem bis Jahresende noch einmal 54 Apartments entstehen. Jetzt wurde Richtfest gefeiert.

Es sei der letzte Bauabschnitt, resümierte Kolb, der das 6000 Quadratmeter große Grundstück 2012 gekauft und zunächst das B+B-Hotel drauf errichtet hatte. Wegen der Konkurrenzsituation, auch für die alteingesessenen Hotels, sahen dies viele skeptisch. Heute können Kolb sowie B+B-Manager Andreas Schmücker über eine gute Auslastung frohlocken – der Preisgestaltung sei Dank. Deshalb bekommt das direkt an den Bahngleisen gelegene Hotel derzeit auch einen Anbau mit 30 Zimmern, die die bestehenden 84 ergänzen.

Es sind zwei Zielgruppen, die Kolbs Häuser frequentieren, beide sind in der Regel beruflich vorübergehend in Bad Homburg: Geschäftsreisende, die für zwei Tage eine Schulung in den wenige Schritte entfernten Firmen machen – sie gehen ins Hotel –, oder Personen, die für zwei, drei Monate ein Projekt in der Kurstadt betreuen. „Es sind Pendler, Geschäftsreisende oder auch Berufseinsteiger, die keine Wohnung wollen oder keine finden“, erklärt Jasmin Samiri, bei Kolb & Partner zuständig für die Boardinghäuser. „Sie suchen ein Zuhause auf Zeit.“

Die Kunden können zwischen verschiedenen Designs, Größen und Preisen wählen. Ein 60 Quadratmeter großes, bis zur Kaffeemaschine voll möbliertes Apartment kostet warm rund 1400 Euro im Monat. „Unsere Häuser sind auch eine Entlastung für den angespannten Wohnungsmarkt in Bad Homburg“, erklärt Kolb. Außerdem werde die Verkehrsbelastung in der Kurstadt verringert, weil die Gäste im Gewerbegebiet parken und in die Innenstadt laufen könnten.

Auch OB Alexander Hetjes (CDU) war zum Richtfest gekommen. „Dank diesem neuen Viertel können wir unsere Rechnungen zahlen“, sagte er. Wohnen sei auf diesen Grundstücken am Rande des Gewerbegebietes durch den B-Plan ausgeschlossen, aber in ihrer jetzigen Nutzung stünden diese Gebäude zum Wohnen auf Zeit an der richtigen Stelle – zwischen Gewerbe und Innenstadt. Wenn dann noch ein paar Häuser weiter das Uniqus-Bürogebäude (neben Dimension Data) stehe, sei das Viertel fertig. Keine Spur mehr von der einstigen „Dreckecke“ rund um den früheren Park-and-Ride-Platz südlich der Gleise.

Vor dem B+B-Hotel hat die Stadt noch einen kleinen Platz angelegt, der den Eingang zur Bahnhofs-Unterführung verschönern soll. Sobald es wärmer wird, soll er bepflanzt und am 8. Mai eingeweiht werden. Der öffentliche Platz wird nach Walter Lübke benannt, der von 1907 bis 1924 (Ober-) Bürgermeister der Kurstadt war. In diese Zeit sei auch die feierliche Eröffnung des Homburger Bahnhofs durch den Kaiser gefallen, so Hetjes – „es war der Ausgangspunkt dazu, was hier alles entstehen konnte“.

Das erweiterte Hotel soll im Oktober, das zweite Boardinghouse Anfang Dezember fertig sein. In Letzterem werden eher kleinere Apartments sein – so bekommt man mehr Kunden unter. Im bestehenden Haus sind die Wohnungen zwischen 30 und 70 Quadratmeter groß. Oft buchten die Firmen – allen voran Fresenius, Deutsche Leasing und Amadeus Germany – auch ganze Kontingente für ihre Mitarbeiter. Dann gibt es Firmenpreise.

Apropos Fresenius: Auch das Pharmaunternehmen baut auf seinem Gelände kräftig, wie gestern berichtet. Unser Foto zeigte allerdings nicht das Baufeld für das erwähnte Forschungsgebäude für Fresenius Medical Care, sondern kleinere Modernisierungs- und Erweiterungsarbeiten an der Produktionsstätte für Klinische Ernährung. Das „D15neo“ wird auf der anderen Seite des firmeneigenen Parkhauses mit 681 Stellplätzen, in Richtung TÜV, errichtet. Zudem entsteht an der Pappelallee ein großes neues Gebäude.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare