Der Andrang am Stand der Interessengemeinschaft Kirdorfer Feld war groß.
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Der Andrang am Stand der Interessengemeinschaft Kirdorfer Feld war groß.

Bad Homburger Erntedankmarkt lockt die Besucher in die Innenstadt

Würzig oder süß - der Herbst schmeckt lecker

Organisierende Bad Homburger Aktionsgemeinschaft will das neue Konzept des auf zwei Tage verteilten Erntedankmarkts mit verkaufsoffenem Sonntag beibehalten.

Bad Homburg -Klein, aber fein: Das Motto des Erntedankmarkts mit Freiluftgottesdienst und verkaufsoffenem Sonntag, den die Aktionsgemeinschaft am Wochenende in der Kurstadt veranstaltete, war Programm. Dass das beliebte Großereignis aufgrund der Pandemie auch in diesem Jahr nicht wie gewohnt würde stattfinden können, stand fest, doch dass das "Festchen", wie es eine Passantin formulierte, überhaupt organisiert werden konnte, dafür waren Beschicker wie Besucher dankbar. So auch Familie Sukric, die Dufthölzer vertreibt - Gerüche, die sich am Samstag mit jenen von bunten Seifen, allerlei Kräutern, frischen Gewürzen und deftiger Wurst mischen und ans Kurhaus locken. "Das ist unser erster Markt nach Corona. Gut, dass es wieder losgeht", sagt Iman Sukric, bevor sie das nächste Geschäft abwickelt: "Eine Tüte Papaya, bitte" - elf Stück für 20 Euro gehen an eine Kundin.

Erst vor drei Jahren habe man mit dem Handel begonnen, berichtet die junge Frankfurterin. Die Holzkugeln aus Spanien, die dort in verschiedene Aroma-Öle getaucht werden, sollen Wohnungen, WCs, Autos oder Schubladen mindestens ein Jahr lang beduften. "Lavendel und Zeder-Lavendel laufen am besten", so Sukric.

Und wer Dufthölzer erstanden hat, findet gleich nebenan die passenden Tellerchen - die handbemalte Keramik aus Tunesien zieht alle Blicke auf sich. Der Kurhausvorplatz ist wie die übrige Innenstadt sehr sehr gut besucht, die Bierzeltgarnituren und Stehtische im warmen Sonnenschein voll besetzt. Ein Mädchen im Buggy balanciert eine Pappschale mit Pommes auf ihrem Schoß, während ein Pärchen und eine Frau auf ihre Bratwurstbrötchen warten. "Wenigstens machen die hier ein paar Euro wegen dem Wetter", raunt ein Besucher seiner Begleiterin zu. Dann muss er lauter sprechen: "Bien & Blum" ziehen mit Tuba und Akkordeon vorbei, der artistisch-musikalische Walkact des Duos Die Laufmaschen. Und Daniela Daub und Beatrice Hutter verstehen es, ihrem Publikum ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern, egal in welchem Alter.

Standbetreiber und Besucher begeistert

Damit sich keine dicht gedrängten Mengen bilden, ist die Musik auch am Sonntag mobil - wie berichtet, konnten die Homburger heuer an beiden Wochenendtagen über ihren Erntedankmarkt flanieren, was die Veranstaltung entzerren sollte. Mit rund 25 Ständen waren es zwar weit weniger Aussteller als vor der Pandemie, als man schon mal aufs Vierfache kam, aber dass ein Teil der Stände wechselte, sorgte für Vielfalt. Wer vom Kurhaus aus weiter hoch lief, vorbei an Essig, Honig und Herbstblumen, fand auf dem Waisenhausplatz die Interessengemeinschaft Kirdorfer Feld (IKF), die an beiden Tagen mitmachte. Wie immer boten die Aktiven ihren frisch gepressten Süßen in Kanistern, haltbar gemachten Direktsaft, Secco und Fruchtaufstriche an. Der Verkauf laufe gut, freut sich IKF-Mitglied Susanne Gross am Samstagnachmittag. "Wir sind zufrieden. Ein paar Leute vermissen den Ausschank, aber den hätten wir mit den Corona-Auflagen nicht stemmen können", erklärt Gross.

Es sei ein gutes Apfeljahr mit saftigem Obst - wer jüngst durch die rund 160 Hektar umfassende jahrhundertealte Kulturlandschaft im Norden von Bad Homburg streifte, habe die Äpfel nicht suchen müssen. Auf den Obstwiesen hat der Verein in den vergangenen Wochen denn auch so viele Äpfel geschüttelt und gelesen, dass er bereits fünfmal keltern konnte. Gut 10 000 Liter Saft verzeichne man schon, sagt Bärbel Meyer und dann: "Wir brauchen Nachschub für morgen!" Bis zu 1500 Liter Süßer sollen am Samstag verkauft werden, am Sonntag noch mehr, hofft Meyer. Aus dem Rest wird im Eiskeller unter dem Kirdorfer Schwesternhaus Apfelwein.

Der Secco-Hype indes ebbe ab; dafür seien die Fruchtaufstriche der Renner, weiß die Kirdorferin, die sich seit vielen Jahren in der IKF engagiert: Apfel, aber vor allem auch Quitte, ebenfalls aus dem Kirdorfer Feld. Dass es 2021 überhaupt einen Erntedankmarkt gebe, darüber sei man glücklich. "Es sind ja schon viele Feste ausgefallen." Und es braucht Verkaufsgelegenheiten und damit Einnahmen, auf die die IKF nicht so einfach verzichten kann - schließlich wollen Maschinen zur Pflege der Bestände gekauft, gewartet und junge Bäume gepflanzt werden. Vom schicken Vereinsheim-Neubau am Usinger Weg ganz zu schweigen.

Auch bei der Aktionsgemeinschaft ist man am frühen Sonntagnachmittag glücklich. "Wir sind hochzufrieden", sagt Nina Grosser von der Geschäftsstelle. "Alles ist ein bisschen anders, kleiner, aber die Stimmung ist super und ganz entspannt - alle sind froh, dass mal wieder etwas stattfinden kann." Vorstand und Geschäftsstelle spielen laut Grosser mit dem Gedanken, den Erntedankmarkt, der traditionell nur sonntags in die Stadt lockte, als zweitägige Veranstaltung beizubehalten. Was zum neuen Konzept des Gewerbevereins passen würde, speziell die Samstage zu beleben, während es bei zwei verkaufsoffenen Sonntagen - Weinfest und eben Erntedank - bleiben soll. Man plane große Aktionen, verrät Grosser. "Die Kunden sollen wissen, dass man immer nach Bad Homburg fahren kann, weil immer etwas los ist."

Von Manuela Reimer

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