Youn erweist sich als würdiger „Vertreter“

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Einen Auftritt, der es in sich hatte, bot die Kammerphilharmonie Amadé unter Leitung von Frieder Obstfeld am Freitag in der Schlosskirche.

Ein strahlender Aufstieg im ersten D-Dur-Dreiklang der Sinfonie Nr. 44 von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791) markierte klar, frisch, transparent sogleich die Qualität des gesamten Konzerts, das die Zuhörer am Freitag in der Reihe der Schlosskonzerte erwartete. Die vorwiegend jungen Musiker zeichneten sich durch hohe Virtuosität, makelloses Zusammenspiel und absolute Klangreinheit aus. Frieder Obstfeld, dem die Transparenz des Klangs nebst beseeltem Ton höchste Anliegen sind, formte mit sparsamen Bewegungen seine Vorstellung, sein Orchester folgte ihm brillant.

Die erste der vier D-Dur-Sinfonien, Köchelverzeichnis 81, die Mozart auf seiner ersten Italienreise 1770 in Rom komponierte, war auch für Albert Einstein – selbst virtuoser Geiger – besonders reiz- und geistvoll. Nach dem frisch bewegten Allegro gab es ein lyrisches Andante, durchzogen von melancholischen Seufzern, gefolgt von einem sehr schnellen Allegro mit Anklängen an Jagdmotive.

Anatol Ugorski war als Solist am Flügel für Mozarts Klavierkonzert Nr. 9 Es-Dur KV271 erwartet. Kurzfristig musste er wegen Krankheit absagen, wurde jedoch von William Youn – aus früheren Konzerten den Zuhörern bestens bekannt – besonders würdig vertreten. Mit wunderbar weichem Anschlag spielte er die perlenden Läufe, liebevoll und gleichzeitig intensiv formte er die Melodiebögen; sein Spiel besticht durch unprätentiöse Hingabe an die Musik.

Dieses 1777 komponierte Klavierkonzert, von Mozartforscher Einstein als „Eroica Mozarts“ bezeichnet, mochte mit den neuen Ansätzen, die der Komponist mit besonders anspruchsvollem technischem Niveau und Dramatik verfolgte, der erste Schritt gewesen sein hin zu einer neuen Periode seines Schaffens. 1778 schrieb der 22-Jährige auf der Rückreise von Paris nach Salzburg an den Vater, er wolle fortan kein Violinist mehr im Orchester sein, sondern vom Klavier aus dirigieren.

Das Rondo für Klavier und Orchester A-Dur KV 386, ebenfalls von Mozart, gehörte bis dato nicht zu Youns Repertoire, doch innerhalb von zwei Wochen erarbeitete sich der Meisterpianist das Werk so, dass er auch damit helle Begeisterung auslöste. Mozart schrieb über dieses und die anderen Klavierwerke der frühen Wiener Zeit an den Vater: „Die Concerten sind eben das Mittelding zwischen zu schwer und zu leicht. Hie und da können auch Kenner allein Satisfaction erhalten, doch so, dass die Nichtkenner damit zufrieden sein müssen, ohne zu wissen warum.“ Fast hundert Jahre später schrieb Peter Iljitsch Tschaikowski (1840 – 1893) die Serenade für Streicher C-Dur op. 48, eine sehr ausdrucksstarke expressive Musik. Das Orchester musizierte noch einmal mit aller Kraft, Perfektion und Hingabe.

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