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Professionelle Baumkletterer sichern die große Zeder im Schlosspark mit Seilen.

Bandagen gegen die Schwerkraft

Zedern im Bad Homburger Schlosspark werden mit Seilen gesichert

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Stahl- und Textilseile halten die ausladenden Äste der 200 Jahre alten Zedern vor dem Schloss stabil. Sieben Jahre ist es her, seitdem sie zuletzt gesichert worden waren. Jetzt wurden die prächtigen Bäume neu untersucht – und wie der Chef-Schlossgärtner sagt, sind sie top-vital.

Voller Zuversicht, dass dieses großartige Gewächs ewig währt, spazieren Besucher des Schlossparks unter den langen, gebogenen Ästen der größeren der beiden Zedern im Obergarten vor dem Schloss herum. Sie scheinen sich ein wenig gelüftet zu haben. Die Zweige unterliegen der Schwerkraft, und ihr Gewicht ist großenteils enorm. Jedes Jahr wachsen sie um etwa einen halben Meter. Bei den Stürmen des vergangenen Jahres hielt Chef-Schlossgärtner Peter Vornholt so manchmal den Atem an: Bruchgefahr. Aus Sorge um die Besucher, aber auch um die beiden Bäume wurden nun die Verseilungen der Äste neu justiert.

Mit dem Hubsteiger fuhren am Donnerstag und Freitag Baumkletterer hinauf in die Kronen der Zedern und überprüften gemeinsam mit Vornholt, ob alle Äste noch optimalen Halt haben. „Wir haben acht Verseilungen ausgetauscht und drei neue hinzugefügt“, erklärt Vornholt zeigt auf einen gebogenen Ast im vorderen Baum. Dieser wurde mit einem extra haltbaren Stahlseil unterstützt. Denn bei der Überprüfung merkten die Gärtner, dass der Ast oben einen Riss hat. Vornholt: „Wir hoffen, dass er nun Kallus, also eine Art Pflanzen-Grind, bildet und er sich dann erholt.“

15 bis 20 Meter lang sind die Seile, die vom äußeren Drittel der Äste bis in den Haupttrieb des vorderen Baums reichen. Der dicke Stamm verzweigt sich in knapp zehn dicke Triebe. Durch die Zugkraft hängt an den Seilen eine Last von jeweils bis zu fünf Tonnen. „Wir lassen immer ein wenig Spiel, damit sich die Äste im Wind gut bewegen können.“

Früher wurden ausschließlich Stahlseile verwendet, die im Ast verschraubt wurden. Doch die Wunden waren anfällig für Pilze. Dieses Risiko will man bei den 200 Jahre alten Zedern nicht eingehen: Hier nutzt man textile Bänder, die mit Bandagen aus Leder um den Ast geschlungen werden.

Die Äste wurden also tatsächlich etwas angehoben; Spaziergänger und die Besucher der Caféterrasse haben nun wieder „Kopffreiheit“. Vor allem aus der kleineren, hinteren Zeder wurde eine Menge Totholz herausgeholt. Dazu wurde kurzfristig die Schlossterrasse für Kaffeetrinker teilweise gesperrt.

Derzeit spenden die Zedern erholsamen Schatten. Unter den Zweigen ist es kühler als anderswo. „Wir wässern sie ständig“, erklärt der Chef-Schlossgärtner. Das reguliert eine PC-gesteuerte Anlage. So ist der Boden feucht und üppig grün, wie überhaupt sämtliche Wiesen im Obergarten grasgrün sind, ganz anders als die Felder rings um die Stadt. Auch im restlichen Park sind die Schlossgärtner wie nie mit Gießen beschäftigt. „Aber wir werden ein paar Wiesen aufgeben“, sagt Vornholt, will heißen, sich selbst überlassen.

Wasser hat die Schlösserverwaltung genug: Für die Unterhaltung des Gartenkunstwerks stehen ihr in einem eigenen Wasserwerk bei Oberstedten 50 000 Kubikmeter pro Jahr zu. „Dieses Jahr werden wir 30 000 davon brauchen“, berichtet Vornholt. Sonst sind es nur etwa 20 000.

Höchstes Augenmerk haben im Schlosspark die Bäume – viele von ihnen sind alt, nicht wenige exotisch. Nicht nur brauchen sie Wasser für das Laub, „es ist auch wichtig für die Spannung im Holz“, so Vornholt. Ist es zu trocken, können Äste abbrechen – vor allem beim Ahorn. Um dem vorzubeugen, bewässerten die Gärtner die Bäume schon im Frühjahr gut. „Davon zehren sie noch heute.“

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