Zwei Könner ihres Fachs

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Liebhaber von Sopran und Romantik versammelten sich am Samstag zum zweiten Konzert des diesjährigen Lied- und Kammermusikfests in der Schlosskirche.

Ein glockenreiner Sopran klingt durch die Schlosskirche. Anna Lucia Richter reißt mit Gerold Huber am Klavier und ihrer Liedauswahl die Zuhörer zu wahren Begeisterungsstürmen hin. Die erste Hälfte des Konzerts ist Franz Schubert (1797-1828) gewidmet, der in seinem kurzen Leben neben zahlreichen Werken aller musikalischen Gattungen rund 600 Lieder komponierte. Manch einem Dichter verhalf er damit zum Nichtvergessen, von Goethe blieb ihm jedoch auch bei 57 Vertonungen die Anerkennung versagt. Die Lieder „Im Grünen“ (D 917) und „Viola“ (D 786) sind intensive Naturbeschreibungen und Erlebnisse, „Erster Verlust“ (D 226) beklagt die erste Liebe. Mit Strahlkraft und Charme neben großem Können gewinnt Anna Lucia Richter sofort die Herzen, in jedem Augenblick kommuniziert sie mit ihren Zuhörern, lockt sie so zu Aufmerksamkeit und vermittelt ganz direkt ihre eigene Freude beim Singen.

Als absolut gleichrangiger Partner zeigt sich Gerold Huber am Flügel. Einfühlsam, stets in Korrespondenz mit der Sängerin, virtuos Dramatik oder Innigkeit und Intensität unterstützend trägt er ihre Stimme mit seinem Spiel zu immer neuer Höchstleistung. Die geheimnisvolle Mignon in Goethes Wilhelm Meister zog den begeisterten Leser Franz Schubert unweigerlich in seinen Bann, schon die Verse im Roman wurden als wahre Gesänge beschrieben und von diversen Komponisten verarbeitet. „Nur wer die Sehnsucht kennt“ wurde allein von Schubert insgesamt sechs Mal vertont. „Heißt mich nicht reden“ und „So lasst mich scheinen“ folgt, berührend und innig dargeboten.

Hatte Schubert die durchkomponierte Liedform begründet, so zeichnete Hugo Wolf (1860-1903), einer der ganz großen Liedkomponisten des späten 19. Jahrhunderts seine Lieder durch besondere Ausdrucksstärke und Dramatik aus. „Frühlingsglocken“, „Er ist’s“, „Blumengruß“ und „Abendbilder“ (Texte von Reinick, Mörike, Goethe und Lenau) belegen dies sehr deutlich. Sängerin und Pianist musizieren in absoluter Übereinstimmung, leidenschaftlich, innig, intensiv, geben feinste Schattierungen und Klangnuancen in ganz breit angelegter Dynamik wieder. Die Begeisterung der Zuhörer ist ihnen nach jeder Darbietung sicher.

War Schubert ein früher Vertreter der Romantik, stand Wolf für Hoch- und Spätromantik, so ging Alban Berg (1885-1935) mit seinem Schaffen darüber hinaus. Er führte mit „Sieben frühe Lieder“ deutlich Richtung Neuzeit. Von Liebe ist hier die Rede, von Sehnsucht, Leidenschaft, Glück. Anna Lucia Richter und Gerold Huber, beide mit reichlich nationalen und internationalen Erfolgen gekrönt, bieten noch einmal ihr ganzes Können auf und begeistern restlos.

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