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Zwei Traditionsmarken kommen zusammen

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Von: Harald Konopatzki

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Großer Bahnhof bei der ersten Vorstellung: Reichs-Post-Bitter-Chef Stefan Alles und seine Frau Heike haben zusammen mit der Feuerwehr eine neue Posti-Edition herausgebracht. "Die Brandmeisterin" greift historische Verknüpfungen auf und wird von den modernen Feuerwehr-Frauen gekonnt in Szene gesetzt. Foto: Konopatzki
Großer Bahnhof bei der ersten Vorstellung: Reichs-Post-Bitter-Chef Stefan Alles und seine Frau Heike haben zusammen mit der Feuerwehr eine neue Posti-Edition herausgebracht. "Die Brandmeisterin" greift historische Verknüpfungen auf und wird von den modernen Feuerwehr-Frauen gekonnt in Szene gesetzt. Foto: Konopatzki © hko

Die Bad Homburger Feuerwehr bekommt mit "Die Brandmeisterin" eine eigene Posti-Edition - Viele historische Anknüpfungspunkte

Bad Homburg -Normalerweise ist es als dummer Spruch gemeint, wenn es heißt: Feuerwehr und Alkohol - das gehört zusammen. In einem besonderen und ganz konkreten Fall stimmt das aber tatsächlich, auch wenn die Bad Homburger Feuerwehren und Reichs-Post-Bitter auf den ersten Blick "nur" gemeinsam haben, dass sie als traditionsreiche Elemente der Stadt auf eine lange Erfolgsgeschichte zurückblicken können, die sehr gute Chancen hat, fortgeschrieben zu werden.

Doch es gibt weit mehr Gemeinsamkeiten, die in einer ungewöhnlichen Kooperation mündeten: der "Brandmeisterin", einer speziellen Posti-Linie, die das Zeug hat, zu einem Markenzeichen der Feuerwehr zu werden.

Zum "Durst-Löschen" ist die Brandmeisterin mit ihren 35 Prozent nicht geeignet. Wobei: Wer den Posti kennt, darf davon ausgehen, dass auch die Brandmeisterin Grundlage für spritzige Mischungen sein wird. Und durch das auffällige Design auch.

Anderthalb Jahre hatte ein kleiner Kreis, eingeweiht waren auch bei der Feuerwehr nur wenige, an dem Projekt gearbeitet. Dass es überhaupt zu dieser Idee kam, ist ausgerechnet Corona zu verdanken. Denn wenn es neben der Unsicherheit etwas in der Hochphase der Pandemie im Überfluss gab, dann Zeit, sich Gedanken zu machen.

So reiften die Ideen nach einem Gespräch zwischen dem Leiter der Bad Homburger Feuerwehr, Branddirektor Daniel Guischard, und "Posti-Chef" Stefan Alles, als Guischard sich über die Posti-Herstellung und die verschiedenen Editionen informierte, die durch die Lagerung in alten Fässern eine ganz besondere Note bekommen. "Whiskey-Fässer werden ausgebrannt, das Getränk bekommt dadurch später eine rauchige Note", erklärt Guischard. Der Küfer wiederum braucht beim Herstellen von Eichenfässern jede Menge Wasser, damit die Latten so durchnässt sind, dass sie das Feuer vertragen, mit dem sie biegsam genug werden, um sie mit Ringen zu einem Fass zu bändigen, weiß Fachmann Alles. "Wir haben Holz, Feuer, Rauch und Wasser - alles Dinge, die auch im Feuerwehrwesen eine Rolle spielen", sagt Guischard. Dies könne man doch gemeinsam aufgreifen . . . Der Ansatz war da, es folgte ein regelmäßiger Austausch. Im Sommer 2021 verfeinerte Stefan Alles das Verfahren und stimmte mit Guischard und Uwe Wolf, dem Vorsitzenden des Stadtkreisfeuerwehrverbands, die finale Geschmacksrichtung für die neue Posti-Linie ab.

Dornholzhausen spielt zentrale Rolle

Auf dem Weg zum fertigen Produkt sollten noch etliche Fügungen hinzukommen, wobei Dornholzhausen eine zentrale Rolle spielt. Als es noch reine "Gerätehäuser" gab, trafen sich die Wehren in Gasthäusern. Die Dornholzhäuser Brandbekämpfer gingen im Versammlungsraum des Hotels Scheller ein und aus. Und Fritz Scheller war nicht nur Namensgeber und Besitzer des Gasthauses, sondern auch Vater von Reichs-Post-Bitter und Apotheker-Gin. . . .

Wie wäre es, wenn man zum 100-Jährigen der Feuerwehr Dornholzhausen etwas Spezielles auf den Tisch bringen könnte? Eine weitere Fügung: Bei der Suche nach einem Namen stieß man auf "die Brandmeisterin", eine Tragkraftspritze aus den 1920ern. "Historisch interessant ist, dass es damals den Rang der Brandmeisterin noch nicht gab - Feuerwehren waren noch reine Männersache", erklärt Guischard.

Heute sind Frauen in der Wehr selbstverständlich. Die erste Feuerwehrfrau mit dem offiziellen Dienstgrad Brandmeisterin in Bad Homburg - eine der ersten in Hessen überhaupt, wie Guischard betont - war 2003 Angela Schlottmann, seit damals bis heute Wehrführerin - von Dornholzhausen.

Auf die Brandmeisterin, also die historische, wurde der Leiter des Deutschen Feuerwehrmuseums, Rolf Schamberger, aufmerksam, als er gefragt wurde, ob er eine griffige Idee hätte. "Er war auf eine Anzeige der Firma für die Spritze gestoßen - eine von ganz wenigen feuerwehrtechnischen Illustrationen mit Bauhaus-Elementen", verrät Guischard. Dass die Anzeige 1929 in den "Nassauischen Feuerwehr-Nachrichten" erschien und die Feuerwehr auch heute noch dem Nassauischen Feuerwehrverband angehört - eine weitere Verknüpfung. 1929 war übrigens das Jahr, für das die Dornholzhäuser Wehr auf ihrer Homepage heute "den vielleicht spektakulärsten Einsatz" ihrer Geschichte vermerkt. Der Turm der Waldenserkirche brannte, das Feuer konnte von der Wehr "in einem mutigen Innenangriff innerhalb einer Stunde gelöscht werden".

Kommende Woche wird groß gefeiert

Dass das ursprünglich in Schwarz-Weiß gehaltene Motiv jetzt in kräftigen Farben auf den Flaschen prangt, hat Alles Frau Heike zu verdanken. "Sie hat die Farbgestaltung übernommen."

Alles hat bislang drei 220-Liter-Fässer angesetzt - insgesamt wird er daraus knapp 500 Liter seines neuen Produkts gewinnen, denn rund 25 Prozent belässt er als Basis für die jeweils nächsten Fässer.

In der Posti-Manufaktur in der Saalburgstraße und bei Feuerwehr-Veranstaltungen wird die Brandmeisterin künftig anzutreffen sein, im Ausschank auf anderen Festen eher nicht. Es soll exklusiv bleiben und etwa als Gastgeschenk bei Besuchen befreundeter Feuerwehren dienen und Feuerwehr-Veranstaltungen eine besondere Note verleihen.

Die "Markteinführung" wird die Posti-Kreation kommende Woche bei den Feiern zum 100-Jährigen der Feuerwehr Dornholzhausen erleben, die mit den "Tagen der offenen Tür der Bad Homburger Feuerwehr"vom 8. bis 10. Juli groß begangen wird.

Die neue Edition kommt als kleine, aber selbstbewusste Schwester des seit 1843 etablierten Reichs-Post-Bitters daher, der sich als Kult-Kräuterlikör weit über Bad Homburg hinaus einen Namen gemacht hat. Foto Konopatzki
Die neue Edition kommt als kleine, aber selbstbewusste Schwester des seit 1843 etablierten Reichs-Post-Bitters daher, der sich als Kult-Kräuterlikör weit über Bad Homburg hinaus einen Namen gemacht hat. Foto Konopatzki © hko

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