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Ein Rasensprenger ist an heißen Tagen eine erfrischende Angelegenheit - und hält zugleich den Rasen schön grün. Solche Geräte dürfen nach Willen des Magistrats künftig in besonders trockenen Zeiten nicht mehr eingeschaltet werden.

Strafe für Verschwender

Bad Homburg rechnet mit Trinkwassernotstand

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Bisher konnte die Stadtverwaltung nur appellieren, nicht sanktionieren. Mit einer neuen Gefahrenabwehrverordnung, die heute Abend vom Stadtparlament beschlossen wird, wird in Notzeiten das Entnehmen großer Mengen von Trinkwasser zur Ordnungswidrigkeit.

Bad Homburg - Es geht nicht um den großen Durst und auch nicht um eine zweite Dusche am Ende eines heißen, klebrigen Tages. Im Visier der Stadtverwaltung sind Menschen, die ihre Swimming-Pools auffüllen, die mit dem Hochdruckreiniger ihre Terrasse hübsch machen oder mit Hingabe und jeder Menge Wasser ihr Auto waschen. Sollte es zu einem erneuten Hitzejahr wie 2018 kommen, hat die Stadt künftig ein Instrument an der Hand, um Verschwender zu bestrafen.

Im August vorigen Jahres konnte die Stadt lediglich einen Appell an die Bürger richten, aufgrund der langen Trockenheit nicht mehr Wasser aus dem Hahn zu zapfen als notwendig. Damals lag der Trinkwasserverbrauch um mehr als 50 Prozent über dem durchschnittlichen Normalverbrauch (siehe auch Box rechts). Heute Abend wird aller Voraussicht nach die neue "Gefahrenabwehrverordnung über die Einschränkung des Verbrauchs von Trinkwasser bei Notständen der Wasserversorgung" beschlossen - so wie es bereits vorige Woche einstimmig der Hauptausschuss getan hat.

Bad Homburg: Verschwendung verboten

"Nachdem der Sommer 2018 sehr warm war, könnte es in Bad Homburg zu einem Trinkwassernotstand kommen", heißt es in der von Ordnungsdezernentin Lucia Lewalter-Schoor (SPD) unterzeichneten Magistratsvorlage. Ein solcher Notstand liegt laut Verordnung vor, wenn die Versorgung mit Trinkwasser gefährdet ist - vor allem, wenn das durch die Stadtwerke zur Verfügung gestellte Wasser nicht ausreicht. Beginn und Ende legt der Oberbürgermeister fest.

Während des Trinkwassernotstandes ist es verboten, Wasser aus öffentlichen Leitungen "zu verschwenden" sowie "aufzuspeichern". Man darf es nicht zum Bewässern oder Beregnen von land- oder forstwirtschaftlich sowie von gärtnerisch genutzten Flächen nehmen. Auch Wege, Terrassen, Rasenflächen, Spiel- und Sportplätze, Springbrunnen und private Pools sind ausdrücklich erwähnt.

Bad Homburg: Bis zu 5000 Euro Strafe

Ebenfalls unterlassen müssen die Bad Homburger in Trockenzeiten künftig das Kühlen oder Reinigen von Anlagen am fließenden Wasserstrahl sowie den Betrieb von Klimaanlagen. Baustellen dürfen nicht zwecks Staubbekämpfung berieselt werden und Zisternen oder Teiche nicht mit Trinkwasser befüllt werden. Ist es lange heiß und trocken, sollte ergo kein Homburger Rasen mehr grün sein - außer er wurde mit Brauchwasser gegossen.

Wird ein Wasserverschwender erwischt, gilt dies als Ordnungswidrigkeit. Je nach Schwere kann diese nach Angaben von Rathaus-Sprecher Marc Kolbe mit Bußgeldern von bis zu 5000 Euro bestraft werden.

Geschäftsschädigend soll die Verordnung freilich nicht wirken: Krankenhäusern, Kur- und Pflegeanstalten sowie medizinischen Bädern ist die Wasserentnahme in dem Umfang erlaubt, wie sie zur ordnungsgemäßen Aufrechterhaltung des Betriebes notwendig ist. Ebenso erhalten Gewerbebetriebe die Erlaubnis, so viel Wasser zu entnehmen, dass der Betrieb aufrechterhalten werden kann.

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Bürger dürfen in Zeiten eines Trinkwassernotstandes keinen Schlauch an die öffentliche Wasserversorgung anschließen. Benutzer öffentlicher Trinkwasserversorgungsanlagen müssen schadhafte Stellen an den eigenen Anlagen unverzüglich beseitigen. Kommt es besonders schlimm, kann die Stadt auch Sperrzeiten anordnen. In dieser Zeit können dann Wasserhähne überhaupt nicht geöffnet werden.

Bad Homburg: Appell an die Bürger, Wasser zu sparen

Im August 2018 appellierte die Stadt Bad Homburg an die Bürger, Wasser zu sparen. Begründung: Es werde mehr als 50 Prozent mehr verbraucht, und "diese Trinkwassermengen lassen sich derzeit nicht mehr durch Eigengewinnung aus den Stollen und Brunnen im Versorgungsgebiet decken". Die schon seit mehreren Wochen übers übliche Maß hinausgehende Belieferung mit Fremdwasser stoße an die Kapazitätsgrenze der Lieferanten.

In umliegenden Kommunen wurde ähnlich viel oder oft sogar noch mehr verbraucht als in der Kurstadt. In Falkenstein wurde im August 2018 mehr als die doppelte Wassermenge im Vergleich zu einem "normalen" Tag dem Versorgungsnetz entnommen.

In Grävenwiesbach musste im August 2018 die Feuerwehr anrücken und in der Ortsmitte eine Ausgabestelle einrichten. Aus anderen Kommunen wurde Wasser in Spezialfahrzeugen herangekarrt, damit der Hochbehälter nicht vollkommen leerlief und wenigstens die Brandreserve noch vorgehalten werden konnte.

Kronberg beschloss bereits im September 2018 ihre neue "Gefahrenabwehrverordnung zur Einschränkung des Wasserverbrauchs bei Notständen in der Wasserversorgung". Auch Oberursel hat dieses Instrument seit Dezember 2018. Der Bundesdurchschnitt lag nach Angaben des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft 2018 bei 127 Liter Trinkwasser pro Kopf und Tag - vier Liter mehr als im Vorjahr. 

Für Aufregung sorgten in Bad Homburg letzte Woche drei betrunkene Männer, die grundlos auf Passanten einprügelten. Auch eine Bad Homburgerin wurde unangenehm überrascht, als sie einen blinden Passagier in ihrem Reisekoffer entdeckte.

ahi

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