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Auf dem Recyclinghof in Ober-Eschbach können Homburger unter anderem Sperrmüll, Grünabfälle und Metall loswerden. Derzeit sucht die Stadt nach einem alternativen Grundstück, denn der Recyclinghof muss umziehen.

Stadtplanung

Recyclinghof muss umziehen – Standort in Ober-Eschbach gesucht

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Die Kläranlage in Bad Homburgs Stadtteil Ober-Eschbach wird modernisiert. Der Recyclinghof muss umziehen. Viel zu tun für die Stadtplaner. 

Bad Homburg – Die Stadt stemmt derzeit gleich mehrere Großprojekte: Neue Baugebiete (Hühnerstein / Vickers), Infrastruktur-Maßnahmen (U2-Verlängerung, Radverkehrskonzept) und Bauprojekte (Feuerwehr Dornholzhausen und diverse Kitas) halten die Planer auf Trab.

Am Horizont kündigt sich bereits die nächste Mammutaufgabe an: Wie berichtet, soll die Kläranlage in Ober-Eschbach modernisiert werden, geschätzte Investitionssumme: 49 Millionen Euro.

Der Platz am Bach ist begrenzt, für die Baumaßnahmen im laufenden Betrieb reicht das derzeitige Gelände in der Straße "Am Sauereck" nicht aus. Und weil man nicht einfach mal so ein paar Jahre auf eine funktionierende Kläranlage verzichten kann, ist guter Rat teuer.

Intern beschäftigt man sich schon länger mit dem Projekt. Nach einer Dienstversammlung des Betriebshof-Personals am vergangenen Donnerstag machte dann die Nachricht in den sozialen Medien die Runde: Der Recyclinghof am Massenheimer Weg soll geschlossen werden. Und auch die Lagerfläche des Betriebshofs zwischen Wertstoffcontainern und Kläranlage wird wohl wegfallen.

Bad Homburg: Kläranlage wird modernisiert und erweitert

Stadtsprecher Marc Kolbe bestätigt: "Die Kläranlage wird modernisiert und erweitert" - und das eben auch auf der Fläche des Recyclinghofs. Die Stadt suche derzeit nach einem Alternativstandort im Stadtteil für den Recyclinghof. "Wir haben schon Ideen." Weiter ins Detail wollte Kolbe noch nicht gehen. Es dauere auch noch bis zum Frühjahr 2021, bis das Thema akut werde, man habe also noch ein Jahr Zeit, eine Lösung zu finden. Bis dahin bleibt der Betriebshof regulär geöffnet.

Ein Jahr klingt nach einer komfortablen Zeitspanne. Und mit der vorgesehenen Erweiterung des Gewerbegebiets Massenheimer Weg wären quasi auf der anderen Straßenseite Flächen frei, die dann zwar nicht verkauft werden können, aber für einen schnell zu errichtenden Recyclinghof reichen würden. Doch seit mindestens dieser Zeitspanne läuten beim Betriebshof - nicht nur deswegen - die Alarmglocken. Das geht unter anderem aus dem städtischen Beteiligungsbericht für 2018 hervor (der für 2019 liegt noch nicht vor). Auf 183 Seiten sind die Aktivitäten der städtischen Gesellschaft aufgelistet - samt Einschätzung der Lage und künftigen Herausforderungen. Zumeist sind es nüchterne Schilderungen.

Die Kläranlage in Ober-Eschbach muss in naher Zukunft saniert beziehungsweise neu gebaut werden. 

Bad Homburg: Lagebericht warnte 2018 vor "Chaos"

Der Bericht des Betriebshofs, der seinen Hauptsitz an der Nehringstraße hat, bildet eine Ausnahme und bemängelt die räumliche Situation in drastischen Worten. "Die Platzmisere wird sich in den kommenden beiden Jahren voraussichtlich zu einem Chaos weiterentwickeln: So muss nach dem Wegfall der Lagerflächen für städtisch genutzte Baumaterialien im Schaberweg (das zu bebauende Vickers-Areal; Anm. d. Redaktion) gemeinsam mit den Stadtwerken und dem städtischen Tiefbau eine Fläche in der Steinmühlstraße in Ober-Erlenbach genutzt werden (. . . .)", heißt es in dem Bericht. Dort sei die Kapazitätsgrenze erreicht.

Und es geht sogar noch schärfer: "Der wirkliche Notfall mit vorprogrammiertem Chaos wird jedoch dann eintreten, wenn die städtische Kläranlage in Ober-Eschbach erweitert wird. Dies könnte nach unseren Informationen ab 2021 so weit sein." Von diesem Zeitpunkt an stehe dem Betriebshof der dort genutzte Lagerplatz, auf dem neben Grünschnitt und Schüttgütern unter anderen über 20 Abrollcontainer stehen, nicht mehr zur Verfügung. Ein Ausweichgelände war Ende 2018 "nicht in Sicht".

Aber braucht es den Recyclinghof in Ober-Eschbach unbedingt? Immerhin ist der große Wertstoffhof nur wenige Fahrminuten entfernt. Auch da ist der Lagebericht eindeutig: Man warne davor, die Bürger einfach in die Nehringstraße zu schicken. Der Geschäftsbetrieb werde dort "an stark frequentierten Tagen nicht mehr gewährleistet werden können". So sei die Genehmigung des Regierungspräsidiums zum Betreiben des Wertstoffhofs unter anderem an Anliefermengen gebunden, die dann überstiegen werden würden.

"Es ist daher dringend notwendig, ein Gesamtkonzept hinsichtlich der Abgabemöglichkeit von Abfallfraktionen in Bad Homburg aufzustellen und schnellstens ein dafür geeignetes Gelände zu finden", heißt es in dem Bericht.

Bad Homburg: Zusammenführung beider Recyclinghöfe steht zur Debatte

In der Prognose gehen die Verantwortlichen sogar noch einen Schritt weiter: "Besser noch wäre das Konzept, beide Höfe dann zusammenzulegen um eine optimale Infrastruktur zu haben, die der starken Nutzung durch die Bevölkerung gerecht wird."

Eine Verlagerung und Zusammenführung beider Recyclinghöfe könnte auch die Situation in der Nehringstraße entschärfen. An den Standort ist der Betriebshof langfristig gebunden.

Denn nur etwa die Hälfte der rund 32 600 Quadratmeter großen Fläche der Betriebshof-Zentrale ist im Eigentum der Stadt. Die andere Hälfte ist gepachtet, der Erbpachtvertrag wurde jüngst verlängert - bis 2065. Dafür sind, so steht es im Wirtschaftsplan, pro Jahr rund 152 000 Euro Pacht fällig. harald konopatzki

"Die Kläranlage Ober-Eschbach muss altersbedingt saniert beziehungsweise erneuert werden", hieß es im vergangenen Oktober in der Ausschreibung für eine kleine Versuchsanlage, mit der eine neue Technik ausprobiert werden soll. Im Rahmen der Vorplanung seien bereits unterschiedliche Varianten für Sanierungsmaßnahmen untersucht worden.

Die Planungen für den eigentlichen Umbau sind jedoch noch lange nicht abgeschlossen, wie es aus dem Rathaus heißt. So konnte weder die Frage beantwortet werden, ob beim Umbau Platz für einen möglichen Ausbau des Ostrings berücksichtigt wird, noch, ob auch der zwischen Ostring, Recyclinghof und Massenheimer Weg gelegene Trainingsplatz der städtischen Jugendfeuerwehren der Kläranlagen-Erweiterung weichen muss. 

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