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Das 25-Meter-Becken im Seedammbad in Bad Homburg sieht auf den ersten Blick noch gut aus. Doch der Überlauf ist längst nicht mehr dicht und auch die Fliesen sind in die Jahre gekommen. 

Leck verursacht Stalaktiten im Keller

Seedammbad bekommt ein Becken für mehrere Millionen Euro

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Das Becken im Seedammbad in Bad Homburg hat ein Leck. Ein Ersatz muss her. Es ist eine millionenschwere Investition – zumal eine weitere Sanierung ansteht. 

  • Becken im Seedammbad in Bad Homburg ist undicht
  • Schwimmbad bekommt neues 25-Meter-Becken aus Edelstahl
  • Auch Lüftung muss erneuert werden – Kosten gehen in die Millionen

Bad Homburg – Es ist mittlerweile 17 Jahre her, dass das Seedammbad in Bad Homburg im Innenbereich für drei Millionen Euro vollumfänglich modernisiert wurde. 

Auch das 25-Meter-Becken, das Herzstück des Hallenbades in Bad Homburg, hat damals mehr als nur eine Frischekur bekommen: Unter anderem wurde der Sprungturm abgebaut, die Tiefe des Beckens verändert - und es gab die neue "Finnische Rinne", ein System, das es erlaubte, den Wasserspiegel bis auf Höhe des Beckenrands anzuheben und das Wasser nicht, wie früher, durch eine schlurfende Rinne 30 Zentimeter tiefer abfließen zu lassen.

Doch die Rinne macht Probleme. "Überall wo permanent Wasser fließt, wird es irgendwann undicht", erklärt Ralph Schroeter. Und so zeigt sich beim Ortstermin im technischen Bereich unter dem Betonkorpus, in dem das Becken ruht, dass das überschwappende und irgendwo durchsickernde Wasser im Laufe der Jahre regelrechte Stalaktiten gebildet hat.

Bad Homburg: Statik des Beckens im Seedammbad ist gut 

Die gute Nachricht: Die Statik des Beckens ist bestens. Getan werden muss trotzdem etwas. Und weil man in Bad Homburg Spielraum bei den Investitionen hat, begnügt man sich nicht mit Flickschusterei. "Im Sommer wird das 25-Meter-Becken durch ein Edelstahlbecken ersetzt, außerdem wird die Lüftung erneuert", erklärte Schroeter in großer Runde. 

Dass nicht nur OB Alexander Hetjes und Bürgermeister Meinhard Matern (beide CDU) gekommen waren, sondern auch die Landtagsabgeordneten Elke Barth (SPD) und Holger Bellino (CDU) hatte einen guten Grund: Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) hatte nicht nur einen Rettungsring im Gepäck, sondern auch einen Förderbescheid in Höhe von 473 000 Euro. Mit dieser Summe aus dem 50-Millionen-Programm "Swim" unterstützt das Land die Maßnahmen in Bad Homburg, die ein Gesamtvolumen von 2,3 Millionen Euro haben.

Das Edelstahlbecken hat mehrere Vorteile. "Sie sind auch nach Jahren noch komplett dicht. Und da das Material praktisch keine Alterungserscheinungen zeigt, wirkt die Anlage auch nach Jahren noch neuwertig", so Schroeter. Bevor die rund fünf Quadratmeter großen Einzelteile durch die Fensterfront geliefert werden, müssen aber die Fliesen abgeschlagen werden - händisch.

Direkt unter dem großen Becken, im Technik-Bereich, hat das ständig austretende Wasser schon Stalaktiten entstehen lassen.

Seedammbad in Bad Homburg: Wasserspiegel wird nachts gesenkt

Dann wird auch gleich geschaut, wo am Betontrog nachgebessert werden muss. Große böse Überraschungen sind nicht zu erwarten - ein Gutachter hat dem Beton bereits einen guten Zustand bescheinigt.

Eine neue LED-Beleuchtung im Becken soll den Tagesverlauf draußen nachempfinden. Künftig bekommt das Bad zudem die Möglichkeit, den Wasserspiegel während der Schließzeiten abzusenken, so dass kein Wasser mehr in den Überlauf an der Beckenkannte läuft. Die Umwälzung soll dann ausschließlich über einen Absaugkanal im Boden laufen. Schroeter erhofft sich davon eine geringere Verdunstung, dadurch eine geringere Belastung der Lüftung und niedrigere Energiekosten.

Bad Homburg: Arbeiten im Seedammbad von April bis Oktober

Apropos Lüftung im Bad Homburg: Die muss nach 30 Jahren getauscht werden, da sie nicht mehr den heute gültigen hygienischen, technischen und energetischen Vorschriften entspricht. Die großen und schweren Aggregate auf dem Dach müssen mit dem Kran geliefert werden.

Da das ein organisatorischer Kraftakt wird und die Sicherheit oberste Priorität hat, wird das Bad - voraussichtlich vom 21. bis 24. April - für die Dauer der Kranarbeiten komplett geschlossen bleiben.

Die Sanierung des Innenbeckens soll Mitte Mai beginnen, wenn das Freibad schon geöffnet hat. Die Wiedereröffnung der Schwimmhalle ist, wenn alles nach Plan läuft, für Anfang Oktober vorgesehen.

Der Erlebnisbad-Bereich kann bis dahin ebenfalls genutzt werden, in wie weit das Nichtschwimmer-Becken im Hallenbad genutzt werden kann, ist noch zu prüfen.

Seedammbad in Bad Homburg unverzichtbar für Schulschwimmen

Beuth und Hetjes betonten, dass die Schwimmbäder für den Sport und das Schulschwimmen unverzichtbar seien. "Dass ein solches Bad kommunal betrieben werden kann, ist keine Selbstverständlichkeit mehr", so Hetjes. Das sieht das Land ähnlich und will mit dem Investitionsprogramm dabei helfen, Schwimmbäder zu erhalten und zu renovieren.

Ist die Investition auch eine Antwort auf die 2018 im Zusammenhang mit dem ISEK-Prozess aufgekommene Standortfrage? Da will sich niemand so recht festlegen. "Mit den Maßnahmen können wir das Bad die nächsten zehn Jahre gut betreiben", sagte Schroeter, dessen Blick schon auf das Jahr 2027 geht. "Dann wird das Seedammbad 100 Jahre alt", und dieses Jubiläum wolle man mit einem vorzeigbaren und hübschen Bad feiern. Weitere Details zur weiteren Entwicklung nannte er nicht.

Große Freude herrschte bei den Homburgern über das Mitbringsel von Hessens Innenminister Peter Beuth (2. v. re.).

Vom Freibad zum Erlebnis-Schwimmbad – das Seedammbad in Bad Homburg

Das Seedammbad wurde 1927 als Freibad errichtet. In den 1950er Jahren kam das Hallenbad hinzu. Beide Bereiche wurden in den folgenden Jahrzehnten immer wieder erweitert und renoviert - markanteste Veränderung war die Errichtung des 1990 eingeweihten neuen "Erlebnisbad-Bereichs" mit der Kuppel, die sich halb öffnen lässt.

Das Seedammbad verzeichnet jährlich regelmäßig über 400 000 Besucher (2018: 427 515 im Schwimmbad und 12 813 Sauna) - ein Großteil kommt aus dem Umland. Insgesamt boomt die Stadt Bad Homburg beim Tourismus geradezu

19 Schulen, Kitas und Horte nutzen das Bad, außerdem sieben Vereine. Das führt zu jährlich 24 000 Besuchen der umliegenden Schulen und zu 15 000 Besuchen durch Vereine wie DLRG oder Homburger Schwimmclub. Der Belegungsplan für das 25-Meter-Becken ist laut Stadt bis auf wenige Stunden pro Wochen ausgebucht. 

Von Harald Konopatzki

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