Hand drauf: Die AG Orion und die Nachfahren des Odenwälder Grafen waren sich schnell handelseinig. Um den Deal zu besiegeln, gab&#39s nach der Unterzeichnung des Kaufvertrages für das Linsenteleskop den Handschlag zwischen (l.) dem stellvertretenden Vorsitzenden der AG Orion, Christian Schmitz, und Erbgraf Georg Albrecht Graf Erbach (r.).
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Hand drauf: Die AG Orion und die Nachfahren des Odenwälder Grafen waren sich schnell handelseinig. Um den Deal zu besiegeln, gab's nach der Unterzeichnung des Kaufvertrages für das Linsenteleskop den Handschlag zwischen (l.) dem stellvertretenden Vorsitzenden der AG Orion, Christian Schmitz, und Erbgraf Georg Albrecht Graf Erbach (r.).

Taunus

Neue Sternwarte bekommt Teleskop von einem Odenwälder Grafen

  • Sabine Münstermann
    vonSabine Münstermann
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Die Astronomische Gesellschaft Orion hat für die Sternwarte, die in Bad Homburg (Taunus) entsteht, ein ganz besonderes Teleskop gekauft. 

Die Astronomische Gesellschaft Orion wird eine Sternwarte am Peter-Schall-Haus in Bad Homburg bauen. Die Grundstücksverträge sind unter Dach und Fach. Und mit derzeit 157 000 Euro an Spendeneinnahmen ist die Finanzierung für das Gebäude inklusive der Kuppel gesichert - vor allem aber: Der Name "Volkssternwarte Hochtaunus" ist offenkundig Programm, denn die Taunusbürger identifizieren sich schon jetzt damit. Zum Beispiel jenes Paar aus Köppern, das die Berichterstattung über das Vorhaben interessiert verfolgte und den Vorstand der AG Orion anrief, weil es möglicherweise etwas dazu beizusteuern hätte. Die Köppernerin - sie möchte ungenannt bleiben - ist eine nahe Verwandte eines verstorbenen Grafen im Odenwald, der dort eine "kleine Privatsternwarte" gebaut hat - "und seine Nachkommen suchten Interessenten für die optischen Instrumente", sagt AG Orion-Pressewart Michael Feiler.

Bad Homburg: Neue Sternwarte wird Tor zu den Sternen

"Porta ad Astra" - Tor zu den Sternen nannte Graf Franz II. zu Erbach-Erbach seine 1958 in Eigenregie gebaute Sternwarte nahe des Odenwälder Jagdschlosses in Eulbach bei Michelstadt. Hier konnte der Graf (*1925-2015) seiner stillen Leidenschaft, der Astronomie, Zeit schenken. Als Autodidakt brachte er sich das Grundwissen um Planeten, Fixsterne und sonstige Himmelskörper bei und pflegte rege Korrespondenzen mit Sternfreunden in Europa und in Übersee.

So hoch wie der Maßstab, den der Graf an die Präzision seines Hobbys legte, so genau sollten seine Instrumente sein. Seine Wahl fiel auf ein großes Linsenteleskop (ein sogenannter Refraktor), welches seinen Platz unter der größten Kuppel fand.

Der gräfliche Sternenfreund hinterließ seinen Nachkommen zwar eine komplette und intakte Sternwarte - aber den Erben nicht sein leidenschaftliches Interesse an den Sternen. Und so kam es, dass der Vorstand der AG Orion mit den Odenwäldern in Kontakt kam und zwecks Begutachtung der Sternwarte in den Odenwald reiste.

"Der Enkel und Erbgraf Georg Albrecht Graf Erbach zeigte von Anfang an, wie wichtig es ihm war, dass das Erbe seines Großvaters in gute Hände kommt", betont Feiler. "Und so klein, wie die Köpperner Verwandten die Sache telefonisch beschrieben hatten, war die Sternwarte Eulbach gar nicht", sagt der AG Orion-Pressewart. "Da standen eine große, eine mittlere und eine etwas kleinere Kuppel, auf 500 Metern Höhe, mitten in der Natur - weitab von Industriebetrieben und ungestört von den Lichtquellen in städtischer Umgebung."

Die Mitglieder der AG Orion montierten das Teleskop in der Sternwarte Eulbach im Odenwald ab und brachten es nach Bad Homburg. Dort wird die Volkssternwarte Hochtaunus entstehen

Die AG Orion interessierte sich besonders für das Linsenteleskop in der großen Sternwartenkuppel. "Genauer gesagt, handelt es sich dabei um einen hochwertigen 8-Zoll-Refraktor aus der legendären deutschen Teleskop-Schmiede ,Lichtenknecker Optics'", betont Feiler. Diese Firma sei für ihre guten Qualität bekannt.

Der AG Orion-Vorstand war begeistert und reiste ein zweites Mal zur Sternwarte Eulbach, um das Teleskop auszumessen und genauer zu begutachten. Ist alles einwandfrei? Ist das Glas frei von Schimmelbefall? Solche und weitere Fragen mussten ja geklärt werden.

Das Fazit: Auch wenn es schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel hat, ist das Linsenteleskop doch in einwandfreiem Zustand. Beim Abschrauben der Tubuskappe kam eine weitere Überraschung zum Vorschein. Das Objektiv ist von der hochwertigen Optikmarke Carl Zeiss Jena. "Es besitzt damit eine sehr gute Farbkorrektur, die gerade bei der Beobachtung vom hellen Mondrand zum dunklen Himmelshintergrund wichtig ist. Hier wird man den Bürgern ein farbreines Bild im Okular präsentieren können", ist Feiler überzeugt. Und so wurde man sich denn auch schnell handelseinig. Über den Kaufpreis wurde zwar Stillschweigen vereinbart, aber Feiler sagt: "Das Teleskop ist weit mehr wert als unser Kaufpreis und war deshalb wirklich eher ein Geschenk für uns." Und so konnte die AG Orion bei einem dritten Besuch das Teleskop dann abbauen. Feiler: "Das Linsenteleskop passte gerade noch so diagonal in einen Kombi hinein."

Bad Homburg: Zwischenlagerung bis zur Fertigstellung

Bis die Volkssternwarte Hochtaunus fertig ist - wenn alles glatt geht, wird das in diesem Jahr der Fall sein, derzeit sei man in enger Abstimmung mit der Firma Kreateam und dem Architekturbüro aus Kirdorf, um vorankommen - wird das Linsenteleskop sicher zwischengelagert. Feiler: "In den kommenden Wochen soll es noch bei dem bekannten Optiker Wolfgang Rohr in Haßfurt geprüft und neu justiert werden. Anschließend wird im Verein diskutiert, ob das drei Meter lange Linsenteleskop mit zwei hochwertigen Umlenkspiegeln verkürzt werden soll, damit es handlicher in die von uns geplante ,AllSky'-Kuppel der Firma Baader passt."

Mit dem Erwerb des Linsenteleskops hat die AG Orion eine weitere Hürde auf dem Weg zu Volkssternwarte gemeistert. Feiler sagt: "Das Linsenteleskop der Sternwarte Eulbach wird dem Verein und allen Interessierten gestochen scharfe Bilder von Sonne, Mond, Planeten und auch Sternhaufen liefern können."

Jetzt fehlt allerdings noch ein Spiegelteleskop mit noch größerer Öffnung für die weiter entfernten Nebel und Galaxien und der "AllSky"-Kuppel. Um das anzuschaffen bittet der Verein weiterhin um Spenden, und zwar an das Spendenkonto der Astronomischen Gesellschaft Orion Bad Homburg e.V., IBAN: DE 30 5125 0000 0001 0574 80, BIC: HELADEF 1 TSK, Taunus Sparkasse, Verwendungszweck: Volkssternwarte.

Von Sabine Münstermann

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