Bei der Kulturnacht Ende Oktober 2019 sprachen die Kuratorinnen der Fotoausstellung von Erika Wachsmann (im Vordergrund Volontärin Dr. Maya Großmann (li.) und Museumsleiterin Dr. Ursula Grzechca-Mohr) vor Publikum mit Prof. Klaus Klemp von der Offenbacher Hochschule für Gestaltung. foto: städtisches historisches Museum
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Bei der Kulturnacht Ende Oktober 2019 sprachen die Kuratorinnen der Fotoausstellung von Erika Wachsmann (im Vordergrund Volontärin Dr. Maya Großmann (li.) und Museumsleiterin Dr. Ursula Grzechca-Mohr) vor Publikum mit Prof. Klaus Klemp von der Offenbacher Hochschule für Gestaltung. foto: städtisches historisches Museum

Kultur

Bad Homburg: Umbruchsjahr für die städtischen Museen

  • Anke Hillebrecht
    vonAnke Hillebrecht
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Weil das Gotische Haus in Bad Homburg saniert wird, herrscht derzeit Umzugsstimmung in der örtlichen Museums-Szene. 

Bad Homburg – Für die beiden städtischen Museen ist es eine Zeit des Umbruchs: Das Gotische Haus, das die historische Sammlung der Stadt beherbergt, wird in den nächsten Jahren saniert und umgebaut. Dafür ist eine große Vorbereitung nötig - schließlich sollen die rund 40 000 Objekte diese Aktion unbeschadet überstehen. Die wertvollsten Bilder, Plastiken, Hüte, Möbel und anderen Kunstgegenstände werden im gut gesicherten Horex-Museum verwahrt und später gezeigt; die anderen in Depots.

Das Motorrad-Museum in der Horexstraße wurde daher Ende August vorigen Jahres für Besucher geschlossen und technisch umgerüstet, so dass es von Ende dieses Jahres an als Schaudepot dienen kann. Dann möchte Museumsleiterin Dr. Ursula Grzechca-Mohr ihre dortige Tradition von Kurzführungen fortführen.

Im Gotischen Haus ist bis Sommer noch die kürzlich eröffnete Hölderlin-Ausstellung mit Medaillen und Bildern zu sehen; anschließend - genauer Termin ist noch ungewiss - wird das denkmalgeschützte Schlösschen zwecks Umbau schließen. 7,6 Millionen Euro hat die Stadt dafür eingeplant. Die Räume werden neu aufgeteilt, der Brandschutz verbessert und eine zweite Treppe ins Obergeschoss errichtet.

Weniger, aber zufriedene Besucher

Derzeit sind die Mitarbeiter bereits damit beschäftigt, die vielen Exponate des Museums zu reinigen und zu verpacken. Allein 4000 Hüte müssen so gelagert werden, dass sie keinen Schaden nehmen. Zudem wurde der oft komplizierte Rücktransfer diverser Motorräder aus dem Horex-Museum organisiert.

Wie aus dem Jahresbericht 2019 der städtischen Museen hervorgeht, den Grzechca-Mohr kürzlich dem Kultur-, Sport- und Freizeitausschuss der Stadtverordnetenversammlung vorstellte, hat ihr Team in all dem Umzugstrubel im vergangenen Jahr noch sechs Sonderausstellungen (2018 : 7) organisiert, 107 Führungen (2018 : 39) angeboten sowie zu 17 Sonder- und 48 Kinderveranstaltungen Gäste begrüßt (2018 : 14 / 42).

Gezeigt wurden unter anderem Gemälde von Carl Stolz und Fotos von Erika Wachsmann, die 1955 Impressionen des Laternenfests eingefangen hat. Zudem durfte das Team im April eine größere Schenkung der Gonzenheimerin Liselotte Prigge entgegennehmen.

Während 2018 die Besucherzahlen für beide Museen um rund 19,5 Prozent gesteigert worden waren, ist die Zahl im vorigen Jahr (nicht allein umzugsbedingt) von 9016 auf 7737 zahlende Gäste gefallen. "Das lag zum einen daran, dass das Horex-Museum in der zweiten Jahreshälfte geschlossen war", berichtete Grzechca-Mohr. Die Besucherzahlen im Gotischen Haus hängen indes stark von der Erreichbarkeit des Gebäudes am Waldrand in Dornholzhausen vor allem mit öffentlichen Verkehrsmitteln ab. "Da hat sich die Baustelle von März bis Oktober 2019 im Tannenwaldweg bemerkbar gemacht", resümiert die Museumsleiterin.

Hüte werden neu sortiert

Weil in der Gotischen Allee (zwischen dem Museum und dessen neuem Parkplatz) eine Baustellenausfahrt war, sei sechs Wochen lang in den Sommerferien die Bushaltestelle vorm Gotischen Haus nicht angefahren worden. "Dank unserer Veranstaltungen haben wir trotzdem durchweg positive Bemerkungen im Gästebuch bekommen", freut sich die Museumsleiterin.

In den Jahren 2012 und 2013 brachten es beide Museen auf mehr als 10 000 Besucher (2013: 11 886) - daran hatte das 2012 eröffnete Horex-Museum einen Anteil. 2013 hatte es mit 4759 Besuchern seinen Spitzenwert. 2019 kamen bis 25. August immerhin nochmal 2447, um ein letztes Mal in dem wie ein Motor geformten Gebäude heiße Öfen zu sehen. Wenn das Gotische Haus umgebaut ist, soll das Horex-Museum sich generell der Industriegeschichte der Stadt widmen.

Das städtische historische Museum besteht seit 1916; heute hat es Sammlungen zur Landes- und Stadt-, zur Kur- und Münzgeschichte. Ein weiterer Schwerpunkt liegt bei Textilien, Hüten und Kopfbedeckungen, darunter solchen aus Afrika. Wie Grzechca-Mohr berichtet, haben Petra Frenzel und Hutmacherin Karen Diaz diese Bestände 2019 neu sortiert und umgelagert, so dass jeder Hut mehr Platz hat, und den Mottenschutz erneuert. Das Museumsteam betreut auch die städtische Kunstsammlung - derzeit 900 Werke. Einige davon hängen in Fluren und Büros des Rathauses. 

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