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Ein Sinnbild für den Homburger Kurbetrieb. Der Elisabethenbrunnen ist die wohl bekannteste, aber auch die interessanteste Quelle im Kurpark.

"Wir wären nur eine ganz normale Stadt"

Bad Homburg ohne "Bad"? Stadt sorgt sich um Heilbad-Status

Der Bad Homburger Heilbad-Status wird überprüft. Die Wasserqualität ist zwar vorbildlich, aber etwas anderes gefährdet den Heilbad-Status der Stadt.

Bad Homburg - Malerisch ist das Bad Homburger Domizil der Gesundheitsgöttin Hygieia. Im Zentrum des säulengestützten Elisabethenbrunnen-Rundtempels wacht die marmorne Gottheit bereits seit über hundert Jahren über den Vorplatz der Orangerie.

Außergewöhnlich ist nicht nur die beeindruckende Architektur des Wasserspenders, sondern auch sein Beitrag zur Stadtgeschichte. "Der Elisabethenbrunnen ist die wichtigste Heilquelle der Stadt und hat maßgeblich zum Aufstieg Homburgs nach Aufnahme des Kurbetriebs 1834 beigetragen", sagt Kurdirektor Holger Reuter und erinnert an den berühmten Chemiker Justus von Liebig, der einst urteilte: "Es möchte in Deutschland wohl schwer sein, ein Mineralwasser zu finden, welches gleichen Reichtum an wirksamen Bestandteilen wie der Homburger Elisabethenbrunnen darzubieten vermochte."

Bad Homburg: Heilbad-Status gefährdet?

Aufmerksam lauschen die rund 30 Umstehenden den Worten des Leiters der Kur- und Kongreß GmbH am Sonntagnachmittag bei der "Brunnentour" durch den Kurpark. Eingeladen hatte der CDU-Ortsverband Innenstadt. Mit dabei ist auch Brunnenkontrolleur Dieter Trummheller. 

Der "Leiter der Herstellung" - so die offizielle Bezeichnung - erklärt: "Am Elisabethenbrunnen werden mehrere Quellströme zusammengeführt. Das Brunnenwasser ist ein Natriumchlorid-Säuerling und wird zur Behandlung von Magen- und Darmerkrankungen eingesetzt." Die Wirkstoffe der "mineralreichen Quelle" finde man in dieser Kombination äußerst selten. Der Elisabethenbrunnen ist nicht das einzige Wässerchen, das beim Spaziergang näher in Augenschein genommen wird.

Dieter Trummheller, Leiter der Herstellung, informiert über das Wasser.

Für die Stadt seien die Quellen von entscheidender Bedeutung, erklärt Reuter. "Ohne Quellen wäre unser Status als Heilbad sofort weg. Zum Glück haben wir mehrere", sagt der Kurdirektor. Von deren Wirksamkeit ist er überzeugt. "Die medizinische Wirkung ist nachgewiesen", sagt Reuter und ärgert sich über die Pharmaindustrie, deren Lobbyarbeit dazu geführt habe, dass Badekuren aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen geflogen sind. "Das hat die Mineralbäder kaputtgemacht."

Wegen der Anwendung im Therapiebereich unterliegen die Brunnen der Aufsicht des Regierungspräsidiums Kassel und dem Arzneimittelgesetz. Tagtäglich wird die Brunnenqualität kontrolliert, "hinzu kommen wöchentliche Messungen, monatliche Überprüfungen durchs Qualitätsmanagement und vierteljährliche mikrobiologische sowie jährliche chemische Analysen durch Institute", so Trummheller.

Überprüfung des Heilbad-Status in Bad Homburg läuft

Während sich die Homburger hinsichtlich Pflege und Instandhaltung der Brunnen - hier ist die Stadt laut Reuter führend im Bundesgebiet - keine Sorgen machen müssen, droht dem "Heilbad"-Status von anderer Seite Ungemach. Alle zehn Jahre überprüft das RP das Prädikat. Wer sich als Heilbad bezeichnen will, muss strenge Auflagen erfüllen. In Bad Homburg fand die Prüfung zuletzt 2009 statt. Heißt: "Vor drei Monaten wurden wir aufgefordert, die notwendigen Dokumente und Gutachten zusammenzustellen", berichtet Reuter. Ein umfangreiches Verfahren inklusive zwölfmonatigem Gutachten zur Luftqualität, Heilklimaanalyse und Begehungen der zuständigen Kommission steht der "Kur- und Kongreß GmbH" bevor.

Problem an der Geschichte: Um die viel gerühmte "Champagnerluft", deren Qualität jeden Tag an fünf Stationen im Kurpark gemessen wird, steht es schon seit einigen Jahren nicht zum Besten. Reuter: "Die Luftqualität ist leider suboptimal. Wir liegen nur knapp unter den Schadstoff-Grenzwerten, haben die Werte an der Mess-Station am Golfplatz sogar geknackt." 

Zwar habe die Stadt in den vergangenen Jahren schon einiges hinsichtlich verbesserter Luftqualität getan und "ihre Hausaufgaben gemacht", - Reuter nennt die Umstellung der Stadtbusflotte von Euro-5- auf Euro-6-Norm oder neue Verkehrskonzepte wie die Verkehrsumleitung im Rahmen des Thai-Festivals - so dass sich die Werte gebessert hätten, wolle er noch keine Entwarnung geben. "Das wird kein Selbstläufer", prophezeit Reuter. 

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