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Unser Leser Wilfried Staub hat einen Prototyp der neuen mit Wasserstoff betriebenen Triebzüge bereits im Wiesbadener Hauptbahnhof fotografiert. Ab 2022 werden sie auf allen Strecken im Taunus die Dieselzüge ersetzen.

Wasserstoff als Alternative

Bahnverkehr: Der Taunus wird dieselfrei

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Die Diesel-Diskussion hat längst auch den Bahnverkehr erreicht. Zeitgleich mit der Aufnahme des S-Bahnbetriebs der S5 bis Usingen verschwinden ab Dezember 2022 auf allen Eisenbahnlinien im Taunus die Dieselzüge. Viele Züge werden dann Wasserdampf statt Ruß in die Umwelt pusten.

Der Naturpark Taunus ist die grüne Lunge des Rhein-Main-Gebiets. Paradoxerweise werden gerade an den bevorstehenden langen Wochenenden im Mai und Juni wieder Zehntausende Naherholungssuchende in den Taunus strömen und die Abgase ihrer Autos in die Luft blasen.

Weitaus weniger Menschen machen sich mit dem Zug auf den Weg in die Natur des zweitgrößten hessischen Naturparks. Doch auch die Dieseltriebfahrzeuge ziehen entlang der Schienenstränge im Taunus stets Ruß- und Feinstaubfahnen hinter sich her.

In viereinhalb Jahren wird damit Schluss sein. Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2022 wird zumindest auf der Schiene das Ende der Diesel-Epoche im Taunus eingeläutet. Dann werden nämlich nicht nur die S-Bahnen der dann verlängerten Linie S5 unter Fahrdraht bis Usingen fahren.

„Zum Fahrplanwechsel 2022/2023 werden im Hochtaunuskreis und im Main-Taunus-Kreis alle Dieselzüge durch Triebfahrzeuge mit Brennstoffzellentechnik ersetzt“, bestätigt RMV-Pressesprecher Sven Hirschler auf Anfrage dieser Zeitung. „Diese fahren völlig emissionsfrei.“

Konkret heißt das: Die RMV-Linien im Taunus RB11 (Frankfurt-Höchst – Bad Soden), RB12 (Frankfurt – Königstein), RB15 (Frankfurt – Bad Homburg – Grävenwiesbach – Brandoberndorf) und RB16 (Bad Homburg – Friedrichsdorf – Friedberg) werden dann mit Zügen befahren, die im Industriepark Höchst mit Wasserstoff betankt werden.

Auf der Taunusbahn zwischen Usingen, Grävenwiesbach und Brandoberndorf, die erst zu einem späteren Zeitpunkt elektrifiziert wird, werden dann Brennstoffzellenzüge pendeln. Auch die neun Direktzüge, die täglich zwischen Brandoberndorf, Grävenwiesbach, Bad Homburg und Frankfurt fahren, werden nicht mehr wie bislang unter Rauchschwaden durchs Usinger Land zur Mainmetropole fahren – und zurück.

Da dem späteren Betreiber der neuen Taunus-Züge, die hessenweit als Pilotprojekt betrieben werden, das Risiko bei der Beschaffung der Triebfahrzeuge mit der neuen Antriebstechnik nicht zugemutet werden soll, beschafft der RMV die voraussichtlich 26 Triebfahrzeuge selber. Der RMV hat jüngst die Ausschreibung für brennstoffzellengetriebene Triebwagen auf den Weg gebracht (siehe nebenstehenden Text). Nach Abschluss des Verfahrens werden die neuen Züge dann vom RMV-Tochterunternehmen fahma beschafft. „Wer die Linien dann ab Dezember 2022 betreibt, wird in einer gesonderten Ausschreibung ermittelt. Der RMV stellt dem Betreiber dann die neuen Fahrzeuge bereit“, erläutert Hirschler weiter.

Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) präsentierte vor eineinhalb Wochen den Prototyp eines mit Wasserstoff betriebenen Zuges des Herstellers Alstom vom Modell Coradie iLint54. Die neue Generation von Zügen soll künftig nur noch Wasserdampf statt Dieselabgase in die Umwelt pusten.

Der Wasserstoffzug wird mit Strom angetrieben, der in einer Brennstoffzelle erzeugt wird. In der Zelle reagiert der Wasserstoff mit Sauerstoff. Dabei werden Elektronen freigesetzt, die als Energieträger direkt in Form von elektrischem Strom zur Verfügung stehen.

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