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Barockposaunen und Orgel in Harmonie

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"Opus 4", bestehend aus Hans-Martin Schlegel (von links), Florian Zerbaum, Dirk Lehmann und Jörg Richter, sowie Regine Strasburger nehmen nach dem Konzert zu Recht den Applaus entgegen. FOTO: Schmah-Albert © Schmah-Albert

Konzert des Ensembles "Opus 4" aus Leipzig und Regine Strasburger in der evangelischen Kirche

Wehrheim -"Wir freuen uns, wieder in Wehrheim zu sein", bekannte Jörg Richter, Leiter des Posaunenquartetts "Opus 4" am Sonntagabend in der evangelischen Kirche. Und offensichtlich hatte das Publikum sich ebenfalls gefreut, das renomierte Ensemble aus dem Gewandhausorchester Leipzig erneut beim Kirchenkonzert zu erleben, denn die Reihen in der Kirche waren - noch unter Wahrung des Corona-Abstands - voll besetzt.

Zum bereits vierten Mal gastiere "Opus 4" in Wehrheim, hatte die Organisatorin der Kirchenkonzertreihe, Regine Strasburger, recherchiert, und Richter betonte, dass dem Publikum stets andere Stücke präsentiert wurden, es keine Wiederholungen des Programms gab. Den Blicken des Publikums im Kirchenschiff entzogen, begannen die vier Posaunisten von der Empore aus, direkt neben der Orgel, gespielt von Regine Strasburger, zunächst mit sakralen Stücken italienischer Meister der Barockzeit.

Die Barockposaunen dafür seien eine Dauerleihgabe eines Musikhauses, das die historischen Instrumente speziell nach seinen Vorgaben nachgebaut hatte, berichtete Richter, der nicht nur die Leitung des Quartetts innehat, sondern auch als Moderator fungierte.

Richter war es auch, der die doppelchörige Musik neu arrangiert hatte. Das Ergebnis konnte sich wahrlich hören lassen. Die vier Barockposaunen, kraftvoll und tragend, gleichzeitig eindringlich und dennoch unaufdringlich, gingen eine harmonische Einheit mit der Orgel ein, die die leichten, für den Barock so typisch verspielteren Elemente übernahm.

Näher ran zum Publikum

Hervorragend, wie Strasburger ihren Part an der Orgel einbrachte, die Orgel oft respondierend mit den Posaunen spielte, als sei sie schon immer Teil des Ensembles. Trotz der exzellenten Darbietung, wurde das Publikum nicht so richtig warm mit dem Ensemble, und das lag ganz offensichtlich an der räumlichen Distanz. Denn als die vier Posaunisten im zweiten Teil des Konzertes im Bereich vor dem Altar in räumliche Nähe zum Publikum traten, war auch sogleich eine spürbare Verbindung da.

"Wenn man aus Leipzig kommt, fühlt man sich verpflichtet, Bach zu spielen", kündigte Richter die "Fuge in d-moll" von Johann Sebastian Bach an. Bach, und erst recht dieses Werk, das man sicherlich eher mit schwerer Orgelmusik verbindet, nun mit vier Posaunen zu erleben, war schon etwas ganz Besonderes und sehr Anspruchsvolles und das kundige Wehrheimer Publikum wusste diesen musikalischen Höhepunkt durchaus zu würdigen.

Von sakral bis zeitgenössisch

Auch den starken Bruch von der sakralen Musik Bruckners, Bachs oder Gabrielis hin zu "Alexanders Ragtime Band" von Irving Berlin und "A Portrait" von George Gershwin goutierte das Publikum und ließ sich von Richter gern animieren, den Rhythmus mitzuklatschen. Und "Opus 4" wiederum ließ sich animieren, noch mehr "Gas zu geben". Kein Wunder, dass nach Zugaben gerufen wurde und Jörg Richter (Alt- und Tenorposaune), Dirk Lehmann (Tenorposaune), Florian Zerbaum (Tenorposaune) und Hans-Martin Schlegel (Bassposaune) kamen dem gerne nach.

Mit drei Zugaben erfreuten sie das Publikum, das sich schnell auf die jeweilige Stimmung der Stücke einließ. Nach dem letzten Stück des Konzerts, einem Potpourri von bekannten Melodien des Altmeisters Gershwin mit dessen unverkennbaren Stil, passte die erste Zugabe, ein fröhliches, flottes kroatisches Stück sehr gut und hätte das Publikum leicht und beschw ngt nach Hause entlassen.

Doch so einfach machte "Opus 4" es den Besuchern nicht. "Wir sind froh und glücklich, dass wir wieder spielen und auftreten können, und wir dachten, Corona nun endlich halbwegs im Griff zu haben. Und jetzt dieser furchtbare Krieg", moderierte Richter und kündigte als zweite Zugabe "Verleih uns Frieden" von Felix Mendelssohn Bartholdy an. Bedankte sich das Publikum zuvor mit euphorischem Applaus für den Musikgenuss, so entstand nun nach den letzten Klängen eine lange, bedrückende Stille, die Richter mit der Ankündigung der dritten Zugabe auflöste: "Nehmen Sie es nicht persönlich, wenn wir jetzt zum Abschluss den Bach-Choral ,Es ist genug' spielen". Nein, man nahm es nicht persönlich, sondern zeigte sich dankbar sowohl für ein solches Konzert-Highlight als auch dafür, dass die Musiker auf die angekündigte Pause verzichtet und dafür gleich drei Zugaben gegeben hatten. "Wir freuen uns schon auf das nächste Mal", brachte es eine Besucherin auf den Punkt.

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