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Baumvielfalt hat heute eine Chance

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Unter der Leitung von Revierförster Karl-Matthias Groß geht es trotz nasskaltem Wetter zur Waldbegehung - der ersten Veranstaltung des Usinger Treffs. © Red

Usingen (msc). Zum ersten Treffen des Projektes »Usinger Treff« fanden sich am Freitag am Hattsteinweiher auf Anhieb 24 Personen ein - trotz Kälte und Schneeregen.

Das freute nicht nur die Initiatoren Heidi Krimmel, Bettina Singer und Bernd Büchner, sondern auch Nadine Fork von der Engagementförderung der Stadt sowie Revierförster Karl-Matthias Groß. Er ist der Fachmann zum Thema »Wald, Aufforstung und Waldentwicklung in den kommenden Jahren«, und genau darum drehte sich alles beim ersten Treffen.

»Der Wald hat sich dramatisch verändert«, erklärte Groß. Viele Bürger seien schockiert darüber und böten derzeit ihre Hilfe an. Der Usinger Treff könne mit seinem Netzwerk ein guter Partner sein, überlegte der Förster, der sich Anlaufstellen und Ansprechpartner unter den Ehrenamtlichen wünscht - auch wenn das Thema Wald für den Bürger eher abstrakt sei, weil die jetzigen Aufforstungen erst weit in der Zukunft Früchte tragen würden.

Den ersten Halt im Usinger Wald machte Groß gleich neben dem Weiher mit Blick auf einen kleinen Birkenwald. »Alles auf natürliche Weise ausgesät«, teilte der Fachmann mit. Vor einem Jahr hätten dort noch Fichten gestanden, die aber wegen der Dürre keine Kraft mehr gehabt hätten, sich gegen den Borkenkäfer zu wehren. Jetzt komme der junge Birkenwald richtig zur Geltung, stellte Groß fest und sprach von einer natürlichen Waldentwicklung. Die Birke wachse schnell, altere aber genauso schnell. »Sie wird nur 30 bis 40 Jahre alt.« Dies sei ein Beispiel, wie sich der Wald weiterentwickeln könnte, meinte er. Solche Natur-Aussaaten gebe es natürlich auch bei anderen Bäumen. »Nach 30 bis 40 Jahren beginnt der Wald an diesen Stellen richtig interessant zu werden«, erklärte er.

Nur ein kurzes Stück weiter zeigte Groß auf ein Gebiet mit Eichen und Buchen. Bei einer dieser Eichen war die Krone abgeknickt. »Die ist vertrocknet«, urteilte er. Ein Zeichen, dass inzwischen auch die Eiche, die bisher als vermeintlich stabile Baumart angesichts der neuen Klimaverhältnissen galt, als gefährdet eingestuft werden müsse. Groß informierte die Waldbesucher über die systematische Waldökologie, die in Hessen seit 1980 praktiziert werde und laut der auch Totholz gut für das Gesamtsystem im Wald sei.

Dann ging es zu einem eingezäunten, aufgeforsteten Areal, das früher eine Fichtenmonokultur war. Dort habe der Borkenkäfer keinen Baum ausgelassen, alles musste gefällt werden. Die Population des Borkenkäfers sei enorm gewesen, sagte der Förster. So wie an dieser Stelle seien dadurch im Wald viele Freiflächen entstanden. Was ist jetzt dort zu tun? Als erstes hatte sich dort eine Krautflora breitgemacht, die mit Brombeeren und Ginster zersetzt war. »Bis da der Baumsamen durchkommt, vergehen locker 20 Jahre«, erklärte Groß. Zudem würden die Waldtiere an den jungen Trieben fressen und alles vernichten.

Breites Angebot an Samen

Das sei der Grund, warum die Pflanzen anfangs geschützt werden, erklärte Groß, der dort Ulmen, Baumhasel, Walnussbäume, Winterlinden und Ebereschen angepflanzt hat. Alle diese Sorten sorgten irgendwann dafür, dass ein breit gestreutes Samen-Angebot vorhanden sei. Übrigens werden laut Förster im Wald auf einem Hektar rund 8000 Setzlinge gepflanzt. Die Natur bringt es dagegen auf gleicher Fläche auf eine Million Samenkörner.

Es sei die Vielfalt, die den Wald der Zukunft prägen werde, meinte Groß und sprach von einem Baum-Mosaik, dass alle 40 Meter andere Baumarten aufweise. Auf den Wegen vom Weiher aus ist das bereits gut zu erkennen. Da es sich um natürlichen Nachwuchs handelt, bezeichnete es Groß als den idealen Wald.

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