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Baufahrzeuge und eine Baustellen-Toiletten zeugen seit Tagen von den heute beginnenden Bauarbeiten für den Windpark Siegfriedeiche.

Genehmigungen liegen vor

Baustart an Siegfriedeiche für sechs Windräder

Vor zwei Wochen hat die Regionalversammlung Südhessen den neuen sachlichen ,Teilplan Erneuerbare Energien' beschlossen. Die 152 Hektar große Vorrangfläche 9902 ,Siegfriedeiche' ist beschlossene Sache. Ab heute rollen die Baufahrzeuge. Im Frühjahr 2020 drehen sich oberhalb Grävenwiesbachs sechs Windkraftanlagen.

Der Wald zwischen Grävenwiesbach und Waldsolms ist für ein blaues Dixi-Klo, gelbe Drainage-Rohre aus Plastik und schweres Baugerät eher ein ungewöhnlicher Standort.

Doch die Baufahrzeuge waren sind dort seit Tagen erstes Indiz für den heute angesetzten offiziellen Baubeginn von sechs Windkraftanlagen. "Ja, wir beginnen am 1. Juli mit dem Bau des Windparkprojektes ,Siegfriedeiche'", bestätigt Silvia Augustin, Pressesprecherin der Windwärts Energie GmbH, Informationen dieser Zeitung.

Nach langen Planungen und auch Rechtstreitigkeiten geht es nun Schlag auf Schlag. Bereits ab Februar wurden auf den Baufeldern der sechs Windkraftanlagen rund um das Naturdenkmal Siegfriedseiche die Kranstellflächen hergerichtet - sprich: Die Bäume wurden gefällt und lichter Raum mitten im Wald geschaffen.

Nachdem mit dem Beschluss der Regionalversammlung Südhessen am 16. Juni die rechtliche Grundlage geschaffen wurde, geht es nun Schlag auf Schlag. Als erstes werden die benötigten Zufahrtswege für die Baufahrzeuge gebaut. Anschließend sind die Fundamente dran, auf denen die sechs Anlagen gebaut werden.

Im Oktober wachsen Pylonen in die Höhe, auf die dann gigantische Schwerlastkräne die Gondeln samt Generatoren und Rotorblätter setzen. "Im Frühjahr 2020 soll der Windpark dann in Betrieb gehen", sagt Augustin. Weitere Details zu den Bauphasen werde man am heutigen Montag bekanntgeben.

Bekannt ist, dass entlang der Kreisstraße von Grävenwiesbach nach Waldsolms sechs Windkraftanlagen vom Typ GE 2.75-120 mit einer Gesamthöhe von 199 Metern und einer Gesamtleistung von 16,7 MW gebaut werden sollen. "Der Anlagenhersteller General Electric hat die Anlagen dieses Typs speziell für den Einsatz an Standorten entwickelt, an denen der Wind nicht ganz so stark weht wie etwa an der Küste", heißt es bereits auf der Website des Investors.

Das biete gerade für Waldstandorte entscheidende Vorteile: Die Kombination aus einer großen Nabenhöhe, einem großen Rotordurchmesser und einer nach heutigen Maßstäben relativ kleinen Nennleistung, sorge für eine konstantere Stromerzeugung auch bei niedrigeren Windgeschwindigkeiten.

"Die Folgen sind mehr Volllast-Betriebsstunden und eine höhere Wirtschaftlichkeit", wirbt Windwärts. "Bei der prognostizierten Windgeschwindigkeit von rund 6,4 Metern pro Sekunde in Nabenhöhe rechnen wir mit einer Stromproduktion von etwa 42 Millionen Kilowattstunden pro Jahr."

Grundlage für die Berechnung waren die Messergebnisse des im Oktober 2013 bei Weilmünster für ein Jahr errichteten und mittlerweile wieder abgebauten Windmessmastes.

Der von den sechs Windkraftanlagen erzeugte Strom soll schließlich über eine sechseinhalb Kilometer lange Kabeltrasse zum Umspannwerk Laubach der Süwag (Netzbetreiber Syna) transportiert und dort ins Netz eingespeist werden.

Erste Gespräche gab es bereits 2014 zwischen der Gemeinde Grävenwiesbach und dem Land Hessen (Landesbetrieb Hessen-Forst) als Grundstückseigentümer sowie der Projektentwicklungsgesellschaft Windwärts Energie GmbH aus Hannover, die die Planung, Errichtung und Finanzierung des Windparks übernimmt. Nach langen Planungen, Erörterungen und Informationsveranstaltungen für die Bürger und Träger öffentlicher Belange wurde im Sommer 2018 die Baugenehmigung erteilt.

Zuletzt hatte der Hessische Verwaltungsgerichtshof Ende Januar 2019 die Beschwerde einer Bürgerinitiative zurückgewiesen. Danach begannen umgehend die Vorbereitungen für die heute offiziell beginnende Bauphase. Die planungsrechtliche Grundlage wurde vor zwei Wochen geschaffen. Nun geht's los.

VON MATTHIAS PIEREN

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