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Fast fertig, aber nicht nutzbar: Am Restaurant wurde ohne Genehmigung ein Sozialraum angebaut. 

Tennis- und Eissport-Verein Kronberg

Bau des neuen TEVC-Clubhauses gestoppt

Beim neuen Vereinshaus bremst ein Baustopp den TEVC (Tennis- und Eissport-Verein Kronberg) auf der Zielgeraden aus. Der Stillstand gefährdet den Pächter des Restaurants existenziell, der Spielbetrieb ist nicht betroffen.

Kronberg - Zehn Arbeitstage fehlen noch, dann wäre alles am neuen Clubhaus des TEVC im Victoriapark erledigt. Wäre, denn seit gut vier Wochen herrscht dort ein Baustopp. Der betrifft den Innenausbau des Bereiches am Restaurant, in dem Dusche, Toilette und Aufenthaltsraum für die Mitarbeiter vorgesehen sind. In der ursprünglichen Planung - und somit auch im Bauantrag und der -genehmigung - war dieser etwa zwölf Quadratmeter große Bereich nicht vorgesehen.

"Der Sozialraum ist einfach übersehen worden", räumt Gabriele Stein-Hollmann, stellvertretende Vorsitzende des Vereins, zerknirscht ein. Übersehen vom Architekten und vom Vorstand. Das habe auch etwas mit der Vorgeschichte zu tun. Weil das Projekt 2016 wegen der hohen Kosten Probleme bei der Finanzierung bewirkte, wurden Abriss und Neubau auf Eis gelegt. Die Pläne habe man aus den Augen verloren.

Auf Architekten verlassen

Das änderte sich erst, seit im Oktober 2018 ein Generalunternehmer gefunden wurde, der sich des Projektes annahm. Der Architekt habe dann versucht, den zusätzlichen Bereich genehmigen zu lassen, und die geänderten Pläne eingereicht. Dem Verein versicherte der Architekt laut Stein-Hollmann, dass es sich um ein übliches Verfahren handele. "Wir haben uns zu 100 Prozent auf unseren Architekten verlassen." Allerdings sei auch vergessen worden, die Fertigstellung des Rohbaus zu melden. Mitarbeiter des Bauamtes seien zu einem Ortstermin gekommen, hätten nachgemessen und den Baustopp verhängt, fasst Stein-Hollmann die Geschehnisse zusammen.

Leidtragende sind die beiden Gastronome Alfonsine und Rodrigo Pichierri, denn sie hätten am liebsten schon im April die Arbeit in dem von ihnen gepachteten Restaurant wieder aufgenommen. Schließlich mussten sie schon einen Monat früher als üblich schließen, als das alte Clubhaus abgerissen wurde. "Die Situation ist sehr problematisch", sagt Alfonsine Pichierri. "Wir haben keine Einnahmen, aber die Kosten laufen weiter." Schließlich habe sie ihren Mann als ihren Angestellten angemeldet, die Sozialabgaben werden also fällig. "Wir müssen doch arbeiten", sagt sie. "Unsere Existenz steht auf dem Spiel."

Kreis muss entscheiden

Um die katastrophale Situation bei den Restaurantbetreibern weiß auch Stein-Hollmann. Die könnten andernfalls schon ihr Geld verdienen. Zum Beispiel jetzt am Wochenende, wenn zu den Medenspielen ein halbes Dutzend Mannschaften erwartet werden. "Ich hoffe auf eine schnelle Lösung", sagt Alfonsine Pichierri.

An dem 1,6 Millionen-Euro-Projekt (neues Vereinsheim, Erneuerung und Erweiterung der Plätze) ist die Stadt mit 50 000 Euro beteiligt. Was sagt Erster Stadtrat Robert Siedler (parteilos) zu dem Stillstand: "Es wurde abweichend gebaut, deshalb gibt es den Baustopp. Und der ist gerechtfertigt", sagt Siedler. Gleichwohl hält er die neuen Pläne nach Bauplanungs- und nach Bauordnungsrecht für genehmigungsfähig, da die Abweichungen mit fünf bis sechs Prozent mehr Flächenverbrauch gering seien. Die Genehmigung sei aber, das unterstreicht Siedler, Sache des Hochtaunuskreises.

Dort heißt es: "Inzwischen hat der Bauherr einen Bauantrag zur nachträglichen Legalisierung der Erweiterung des Baus bei der Bauaufsicht des Kreises gestellt. Der Antrag wird nun in Kooperation mit allen beteiligten Fachbehörden geprüft." Der Kreis habe die Kommune auch um eine Stellungnahme gebeten.

Darüber, wie die Stellungnahme des Magistrats ausgefallen ist, will der Erste Stadtrat keine Angaben machen. Siedler: "Wie die Angelegenheit im Magistrat behandelt wurde, dazu kann ich Ihnen nichts sagen." Doch ganz offensichtlich vertritt die Mehrheit des Gremiums bei der Frage der Genehmigungsfähigkeit eine andere Position als der Erste Stadtrat. Denn laut Auskunft von Stein-Hollmann habe der Magistrat eine Genehmigung abgelehnt. Wie auch immer die Angelegenheit ausgehen wird, ein rasches Ende ist wohl nicht zu erwarten.

von Boris Schöppner

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