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Dieser Sportplatz in Weißkirchen soll bebaut werden. Doch Anlieger sehen das kritisch.

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Bebauung des südlichen Sportplatzes: Anwohner kritisch

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Die nächste Hürde ist genommen: Nach dem Bauausschuss hat auch der Ortsbeirat Weißkirchen den Plänen zur Fußballplatz-Bebauung zugestimmt. Alle Fragen geklärt sind damit noch lange nicht.

Rund 30 Weißkirchener machten sich am Donnerstag auf ins Gemeindezentrum St. Crutzen zur Sitzung des Ortsbeirats, in der proppenvollen Bonifatiusstube mussten Stühle dazugestellt werden. Viele von ihnen sind unmittelbar betroffen von einem umstrittenen Projekt, das auf der Tagesordnung stand: die Bebauung des südlichen Sportplatzes des FC Weißkirchen.

Hier soll, wie berichtet, Wohnraum für rund 200 Menschen entstehen, überwiegend in Geschossbauweise. Ein Drittel der bis zu 90 Wohneinheiten soll preisgünstig sein. Zurzeit geht die entsprechende Beschlussvorlage durch die Gremien, Ziel ist die Einleitung des Bebauungsplanverfahrens. Auf dem Weg dahin hat die Verwaltung jetzt eine weitere Hürde genommen: Das Votum des Ortsbeirats fiel mehrheitlich positiv aus, von einer abschließenden Zustimmung des Stadtparlaments am Donnerstag, 15. November, ist auszugehen.

Alle Fragen geklärt sind damit noch lange nicht. Vor allem die Anlieger – die Gewerbebetriebe an der Oberurseler Straße und die Vereine, die außer den Fußballern auf dem Areal angesiedelt sind – machen sich große Sorgen. Viele Betroffene meldeten sich am Sitzungsabend zu Wort. Applaus bekam eine Stimme, die forderte, das Vorhaben zu stoppen: „Man hat festgestellt, dass auf dem oberen Platz eine Bebauung nicht möglich ist – dann muss man die Idee eben begraben. Hier wird Sportinfrastruktur zerstört, und das für Wohnungen, die von drei Seiten von Gewerbe und Sport umgeben sind!“

Wie berichtet, sollte ursprünglich das nördliche Fußballfeld bebaut werden, der Kunstrasenplatz, den die Kicker im Gegenzug bekommen, auf dem südlichen Feld realisiert werden. Im Frühjahr schwenkte man um – unter anderem deshalb, weil auf dem oberen Areal der Lärmschutz nicht gewährleistet werden könnte.

Das vorläufige Schallgutachten besage, dass das untere Feld für eine Wohnbebauung genutzt werden könne, erklärte Arnold Richter, Leiter der Stadtentwicklung im Rathaus. Die Befürchtungen – vor allem hinsichtlich Klagen der künftigen Anwohner, die dann den Sportbetrieb einschränken könnten – verstehe er. Allerdings stehe man in juristischer Begleitung. „Über Verträge lässt sich so etwas ausschließen, da sind wir uns sicher.“

Ortsbeiratsmitglied Georg Eckinger (CDU) indes stellte klar: „Diese Punkte müssen geklärt werden.“ Es müsse sichergestellt werden, dass alle Vereine ihre Aktivitäten aufrechterhalten könnten. Ebenfalls abgearbeitet werden müssten, wie der Ortsbeirat plädierte, die Themen zusätzlicher Verkehr und Parkplätze, von denen aus Kostengründen nicht alle unterirdisch entstehen sollen.

Allein: In der Oberurseler Straße sei jetzt schon immer alles zugeparkt, berichteten Weißkirchener. Dagegen, den kleinen Skate-Platz auf dem Gelände in einen Quartiersparkplatz umzuwandeln, um die notwendige Parkplatzanzahl zu erreichen – 1,5 pro Wohneinheit laut Satzung –, regte sich Widerstand aus dem Gremium. Die Fläche sei viel stärker genutzt, als die Verwaltung behaupte, sagte Ilja Moreth (Grüne). Eine alternative Möglichkeit zum Bolzen sei essenziell, zumal den jungen Freizeitkickern ja auch der untere Fußballplatz genommen werde, der ebenfalls rege bespielt werde, betonte Wolfgang Burchard (SPD).

Für ihn, appellierte ein Gewerbetreibender, sei existenziell, dass zu den neuen Wohnungen eine Tiefgarage geschaffen werde. Die Stichstraße zwischen den beiden Sportplätzen benötigten Lasterfahrer zum Wenden. „Wenn das nicht mehr gewährleistet ist, ist dieser Standort für uns nicht zu halten.“ Man sei seit 1964 in Oberursel – die Stadt dürfe nicht nur an die künftigen Bürger denken. „Die Frage ist: Wie geht man mit den Alteingesessenen um?“

Generell gebe es viele Fragen, aber fast keine Antworten, monierte ein Bürger. Um in die Detailplanung einzusteigen, brauche er eine politische Legitimation, stellte Richter klar, der zusagte, dass man sich mit jedem Verein an den Tisch setzen und

Lösungen suchen

werde. Würden die nicht gefunden, könne er sich nicht vorstellen, dass der B-Plan eine Zukunft habe, sagte der Stadtentwicklungschef.

Klar indes ist: In puncto Wohnraum müsse man etwas tun, nachdem das Oberurseler Bevölkerungswachstum an Weißkirchen bislang komplett vorbeigegangen sei, wie Ortsvorsteher Nikolaus Jung (CDU) sagte. „Es geht darum, den größtmöglichen Kompromiss zu finden. Sonst fehlt den Vereinen, die heute hier sitzen, in Zukunft der Nachwuchs.“

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