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Bei Artlantis spricht derzeit das Blut

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Farbe ist Energie", sagt die Malerin Martina Czeran über ihre Bilder wie diesen Metzgermeister "Ecce Homo". FOTOs: Mad © mad

Aktuelle Schau der Bad Homburger Galerie zeigt Luftwesen und Lüster ohne Licht

Bad Homburg -Rot ist hier die Farbe, auch Blutrot, dass es nur so vom Messer tropft auf den Kachelboden zwischen den Beinen des Metzgers, der da auf dem Stuhl sitzt, sein Arbeitswerkzeug in der Hand, die Schutzhaube auf dem Kopf und - man muss schon genau hinsehen - eine Träne im rechten Auge seines schmerzlich verdrehten Gesichts. "Männer weinen ja nicht einfach so, das ist nicht leicht zu malen", sagt Malerin Martina Czeran. "Dieser Mann hat sein Berufsleben mit Töten zugebracht."

Heute spricht also das Blut. Aber es ist nicht das einzige Rot in der am vergangenen Freitag eröffneten Schau mit dem poetischen Titel "wir waren, wir sind" in der Galerie Artlantis. Auch andere große Bilder aus der Gruppen-Serie der Malerin, die den Zustand der Gesellschaft festhält und dann vorsichtshalber weiter-denkt, brauchen unbedingt diese Farbe - die Radrennfahrer, die ins Bild preschen, oder die mit dem enigmatischen Titel "Dose" verse-henen phantastischen Gemälde mit Krakenwesen am Grunde von, ja, wovon?

20 oft großformatige Bilder in eindeutig mehrdeutig formuliertem Acryl gehen auf die Betrachter hernieder, kein Kleines, auch wenn die Künstlerin laute Worte nicht macht. Sie ist Mitglied im Kunstverein, hat den Beruf der Fotografin erlernt, Architektur studiert und Kunstgeschichte. Sie weiß, was ein Gebilde braucht, um stabil zu sein, und hat sich gemeinsam mit Kunsthistorikerin und bildenden Künstlerin Ute Krautkremer beim Fasten so ins Denken vertieft, bis eine gemeinsame Ausstellung gewissermaßen unausweichlich war.

Raum, neuen großen Raum vor den 20 Leinwänden, schafft Ute Krautkremer mit Objekten aus Papierabguss und Draht. Und einem Rot, das bricht wie mürbes Holz. Ihr Trumpf ist ein Ballon im großen Raum, der schon venezianische Paläste bespielt hat. Sein filigranes Geäst ist nicht gewachsen. Mit einer diffizilen Wickeltechnik umschließt Ute Krautkremer schlanke Äste, die sie nach der Trocknung herausschneidet. Nichts ist glatt, nichts läuft wie gehabt, aber alles fügt und sperrt sich in einem und umklammert die Betrachter. Man will wissen, was es mit diesen Gebilden auf sich hat, die nach etwas greifen, aber nichts fassen, und auf den Sockeln wirken, als wären sie ein externes Organ. Doch hier ist noch mehr zu finden, in matt illuminierten Lichtkästen, die als "Rheinschätze" preisgeben, was auf dem Grund des Flusses und an seinen Ufern sich findet. Auseinanderfallende Taue, die wie Haar Fundstücke umschlingen. Zum Schluss dann Blau, Wasser, das längst wie verträumt unsere Teppiche betreten hat, die ihrerseits mit floralem Muster die Natur schmücken, wenn sie es bald nicht mehr selbst kann. Ein letztes Wort den schweren Bäumen, die hier als Papierabguss gleichsam negativ als Luftwesen ihr Inneres zeigen. Sich öffnen, darauf hat man doch gewartet.

Die Schau läuft bis 31. Juli. Geöffnet freitags von 15 bis 18 Uhr, am Wochenende von 11 bis 18 Uhr.

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Ein Lüster, aber ohne Licht: "Strange Connections" von Ute Krautkremer hing schon in einem venezianischen Palazzo. © mad

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