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Beliebter Treffpunkt zum Tanzen und Feiern

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Das Wehrheimer Gasthaus »Zum Taunus« mit Saalanbau etwa in den 1960er Jahren. REPROS: MAI © Red

Wehrheim. Bei der Sanierung und dem Umbau des ehemaligen Gasthauses »Zum Taunus« tut sich was. Doch bevor wir von neuen Entwicklungen und der Zukunft des traditionsreichen Hauses berichten, möchte wir einen Blick in die Vergangenheit werfen. Als Begründer der Gastwirtschaft »Zum Taunus« nennt Robert Velte, der Archivar des Geschichts- und Heimatvereins, Friedrich Heinrich, genannt Fritz, Velte.

Sein Vater Johann Heinrich Velte habe das Grundstück des Gasthauses an der Homburger Chaussee, einem wichtigen Handelsweg gen Frankfurt, 1830 gekauft. Er gehörte zu den Borngässer Veltes, einer Linie, deren Mitglieder gut betucht waren und an vielen Stellen im Dorf das Sagen hatten.

Ein Jahr später kaufte er das Nachbargrundstück dazu, das sein Sohn Fritz 1861/62 erbte und zum Gasthaus umbaute. »Schon früh werden Zimmer für Reisende angeboten«, schreibt Velte in seinem Buch: »Die Häuser, das Dorf, die Menschen«, der selbst der Linie der Schreubs - die größtenteils Maurer waren - angehörte. Das Nebenhaus wurde abgerissen, und es entstand ein Brau- und Brennhaus, im damaligen Wehrheim keine Seltenheit, der Straßenname »Bierhausweg« weist darauf hin. Auf dem Grundstück, das danach zusammen mit dem nebenan liegenden unter der Hausnummer 63 geführt wurde, standen zudem Holzschoppen und Kegelbahn. 1895 fand Robert Velte in den Unterlagen noch die gleichen Grundmaße wie in den 1830er Jahren. Zwei Jahre später jedoch stand eine Vergrößerung in Form eines Saalbaus an.

Der 1863 geborene Sohn Friedrich Heinrich August Velte und seine Ehefrau Johanna kauften 1898 das benachbarte Grundstück und bauten dort die heute als »Alte Post« bekannte Poststation, die zuvor zum Gasthaus gehört hatte.

Der zweite Sohn von Fritz Velte, der 1870 geborene Heinrich August, führte das Gasthaus mit seiner Frau Lisette weiter. Robert Velte schreibt: »Nächste Erben sind Heinrich Velte (Taunus-Heinrich genannt) und Ehefrau Wilhelmine, die aus der Bäckerei Etzel in der heutigen Gartenstraße stammte. Letzter Eigentümer vor dem Verkauf 2018 an Nagir Temiz, der das Haus heute umbaut und saniert, war deren Sohn Reinhard.

Der Archivar hat aber noch mehr herausgefunden: »In früher Zeit soll sich auf dem Grundstück eine Zollstelle befunden haben.« Für ihn ist auch die Größe des Gebäudes auffallend - errichtet seiner Meinung nach vor 1831 an exponierter Stelle außerhalb der Stadtmauer. Es war später aber an dieser Stelle nur eines von mehreren Gasthäusern. Mit dem Dalles vor der Haustür, dem Platz, an dem bis in die 1960er Jahre bei der Kerb Fahrgeschäfte und Buden standen, und sich die Wehrheimer im besten Ausgehzwirn amüsierten.

Viel Freud und Leid gesehen

An Fasching war in allen Sälen der Umgebung was los, und die Feierlaunigen zogen von einem zum anderen. Ob Maskenbälle, Fremdensitzungen, Jubiläen, Tanzveranstaltungen zur Kerb, Theateraufführungen, Vereinsfestlichkeiten und Familienfeiern - der Taunus hat viele Menschen kommen und gehen gesehen, viel Freud und Leid erlebt. Doch schon für das Jahr 1860 hat der Archivar eine von der Gemeinde erhobene »Lustbarkeitssteuer« nachgewiesen, vermutlich wegen der Ausrichtung eines Maskenballs am 23. Februar. Als Festwirt des 1888 am Oberloh veranstalteten Sängerfestes sei Fritz Velte genannt. Dafür habe er die »anlässlich des Lohschlags errichtete hölzerne Halle« gepachtet. Ende des 19. Jahrhunderts findet sich in den Unterlagen der Hinweis auf einen »jugendfreien Markt« im Hof, und 1904 war anlässlich des Gordon Bennett-Rennens, das am Gasthaus vorbeiführte, das belgische Team samt seinen Fahrzeugen dort untergebracht. 1944 trug es als Warnhinweis bei Fliegerangriffen ein Rotes Kreuz auf dem Dach, denn sein Saal diente als Lazarett. 1945 sei das Gebäude für ein Jahr von den Amerikanern beschlagnahmt gewesen, die dort eigene Einheiten untergebracht hatten.

1953 wurde die Bühne umgebaut und erweitert, es fanden auch Kinovorführungen des Usingers Wilhelm Vogt statt. An die im Keller eingerichtete Liebeslaube erinnern sich indes nur noch ältere Wehrheimer Paare. 1978 gab es eine weitere große Veränderung: Der Eigentümer baute den Saal zu Hotelzimmern um, sodass der Gastraum nebst Nebenraum noch 111 Quadratmeter groß war, und 90 Plätze hatte.

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Mitglieder des Kriegervereins um 1900 vor dem Gasthaus. © Red

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