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Die ?Muziekvereniging Con Amore? aus dem niederländischen Oosterhoud bestritt ein Unterhaltungskonzert mit Stücken von Georges Bizet bis Helene Fischer und begleitete die hierzulande bekannte Sopranistin Jessica Fründ.

Christian-Wirth-Saal

Benefizgala überzeugt mit Orchestermusik

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Die etwas andere „Wir-Helfen-Gala“: Statt Schlager-Solisten und Zauberer zauberte ein holländisches Blasorchester Schwung und anspruchsvolle Unterhaltung in den stilvoll dekorierten Christian-Wirth-Saal.

Es war ein Wagnis. Seit Jahrzehnten lädt der Hilfsverein Usinger Land zu einer großen Benefizgala ein und hat bisher neben einem dreigängigen Büfett-Menü stets ein buntes Programm präsentiert mit Stars und Sternchen aus der Schlagerwelt, dazu ein bis zwei Nummern aus dem Varieté-Bereich: Artisten, Zauberer oder andere Entertainer. Aber noch nie war die Bühne allein einem Orchester vorbehalten, dazu noch einem aus über 45 Musikern und Musikerinnen.

Deshalb musste der Hauptbühne im Christian-Wirth-Saal sogar noch eine 40 Quadratmeter große zweite Bühne vorgelagert werden. Und dann stand auch noch klassische Musik mit Sopran auf dem Programm. Aber es ging gut, sehr gut sogar, um nicht zu sagen, es hätte kaum besser gehen können. Bevor der Dirigent den Taktstab hob, mussten allerdings erst die „Formalitäten“ erledigt werden, denn es ist gute Sitte, dass anlässlich des Abends die Spenden übergeben werden, denn neben den laufenden Hilfen des Vereins, die Hilfsbedürftigen das ganze Jahr über zugute kommen, wird zur Gala das Füllhorn noch einmal kräftig ausgeschüttet. Gleich zehn Institutionen nahmen Spenden in Höhe von insgesamt 17 000 Euro entgegen. Das übernahm die Vorsitzende des Hilfsvereins, Heike Anders. Unterstützung bekam sie dabei von Schirmherrin Ilske Roth.

Zwar nahm an der Gala auch politische Prominenz aus der ersten Reihe teil, so der Bundestagsabgeordnete Markus Koob und der Landtagsabgeordnete Holger Bellino (beide CDU), Katrin Hechler (SPD), Beigeordnete des Hochtaunuskreises, Frank Kilian, Landrat des Rheingau-Taunus-Kreises, sowie Usingens Bürgermeister Steffen Wernard (CDU) und weitere Rathauschefs aus dem Usinger Land, aber Roth, die im Usinger Magistrat sitzt, war als Schirmherrin auserkoren worden, denn sie hatte besondere Fähigkeiten und Verbindungen, die zum Abend passten: Das Orchester war die „Muziekvereniging Con Amore“ aus den Niederlanden und Roth hat als gebürtige Holländerin geholfen, die Fäden zu ziehen. Außerdem war sie „Chefdolmetscherin“.

Der erste Programmteil war auch die erste

Herausforderung

und Anders sowie ihr Vorstand waren gespannt, wie die klassische Musik beim Galapublikum ankommen würde. Aber mit bekannten Weisen aus der Carmen-Suite von Bizet, dem „Marquis“ aus der Fledermaus und dem Walzer Nummer zwei aus der Jazz Suite von Schostakowitsch konnte man gar nichts falsch machen. Das Besondere ist, dass es sich um ein Blasorchester handelt – mit Rhythmusgruppe zwar, aber ohne Streicher. Deshalb ist auch der Tango von Astor Piazzolla hervorzuheben, den ein Musiker auf dem Sopransaxophon spielte und jazzmäßig fantastisch improvisierte.

Das Orchester, das von Jan Nellestijn geleitet wird, hatte aber auch noch eine Solistin mit Stimme. Die allerdings ist Deutsche: Jessica Fründ, hierzulande bestens bekannt. Wie der Moderator des Abends, Christian Konieczny, mit Recht hervorhob, war es eine bravouröse Leistung von Musikern und der Sängerin, nachdem sie sich am Nachmittag zwei Stunden vor der Gala zum ersten Mal trafen, das Programm so perfekt einzustudieren.

Kam der erste Teil bereits gut an, so wurde es im zweiten Teil noch unterhaltsamer, denn jetzt kamen die populären Stücke aus der leichten Musik: Medleys beispielsweise von Queen-Songs und David Bowie und andere Ohrwürmer. Cohens „Hallelujah“ und „Big Spender“ gehörten ebenso zu den umjubelten Gesangsstücken. Aber auch deutsche Schlager, allen voran von Helene Fischer, waren zu hören, und noch volkstümlicher wurde es mit „Rosamunde“. Es wurde mitgeklatscht, und beim „Festival der Liebe“ stimmte der Saal textsicher mit ein. Bevor im Finale alle zusammen zur Orchestermusik den „Wir-Helfen-Song“ sangen, kam es noch zu zwei weiteren Spendenübergaben, und diesmal war der Hilfsverein selbst der Empfänger. Zuerst kam eine Kinderabteilung des UCV in historischen Kostümen auf die Bühne und überbrachte ihre Zuwendung und dann – ganz überraschend – traten zwei Mitglieder des Orchesters plötzlich ins Rampenlicht und hielten einen Scheck in der Hand.

Sie erklärten, dass sie nach ihrem Engagement von der Arbeit des Hilfsvereins gehört und spontan beschlossen hatten, diese durch eine Sammlung in den eigenen Reihen zu unterstützen: 1335 Euro waren zusammengekommen – eine Geste, die von Verein und Publikum mit Ovationen entgegengenommen wurde.

Dann war deutsch-holländische Party angesagt. Das Duo „2Plus“ spielte dazu Tanzbares bis spät in die Nacht.

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