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Die Startplattform des Helikopters, mit dem Prof. Volker Lischke (rechts) mit seinem Piloten gleich abheben wird, ist nicht besonders komfortabel. 

Bergwacht Feldberg

Bergdoktor aus dem Taunus rettet Wanderer in den Alpen

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Vom Feldberg zum Matterhorn: Bergwachtarzt und Ex-Klinikchef Volker Lischke verbringt einen großen Teil seines Ruhestands im Helikopter. Er ist Bergdoktor und rettet Menschen aus großer Höhe. In Zermatt und anderswo.

Bad Homburg/Zermatt – Wenn Prof. Dr. Volker Lischke Zeit zum Fernsehen hat, dann dürfen es auch schon mal "die Bergretter" sein. Mit dem "Bergdoktor" hat er es eher weniger: "Die Bergretter aus der Ramsau sind schon recht nah an der Realität, im Gegensatz zum Kollegen Gruber..." Lischke kann's beurteilen, er ist selbst Bergdoktor. Der 65 Jahre alte Arzt, Professor, ehemaliger Ärztlicher Direktor der Hochtaunus-Klinken und begeisterte Bergwachtler, fliegt seit 30 Jahren als Notarzt bei der "Air Zermatt" Einsätze am Matterhorn, rettet Skifahrer, Kletterer und Wanderer.

Als er noch berufstätig war, musste er die einwöchigen Reisen vom Feldberg zum "Toblerone-Berg" im Kanton Wallis schon sehr genau planen. Nunmehr im Unruhestand angekommen, sollte das einfacher sein. Doch wenn Lischke lachend "Ich hab' ja jetzt Zeit" sagt, ist das geflunkert. Zeit hat er nämlich immer noch nicht, denn auch in Liechtenstein ist er als "Flying Doctor" gefragt. Und dann die Ehrenämter: Bereitschaftsarzt der Bergwacht Großer Feldberg, Bundesarzt der Bergwacht, er sitzt für die Bergwacht im Präsidium des DRK, ist Beisitzer im Vorstand der Internationalen Kommission für alpines Rettungswesen (IKAR). Und Ärztlicher Leiter Rettungsdienst im Hochtaunus ist er auch noch.

Sechs- bis achtmal im Jahr ist der drahtige Jungsenior getreu seinem Leitspruch "Zu jeder Zeit, bei jedem Wetter, an jedem Ort: Hilfe, wenn Hilfe notwendig ist" in Zermatt und Vaduz auf dem Sprung, in die Luft zu gehen, oft mehrmals täglich und sogar nächtlich: "Unsere Helis sind nachtfluggeeignet", erzählt Lischke. Obwohl er natürlich keine Spazierflüge unternimmt, sei es für ihn auch nach so langer Zeit immer wieder ein grandioses Erlebnis, in den erwachenden Tag hinein oder in den Bergen der untergehenden Sonne entgegenzufliegen.

Keine, Angst, aber Respekt

Fliegt bei ihm die Angst mit? Angst nicht, aber Respekt vor der Natur: "Das kann man nur machen, wenn man Vertrauen zu den Kollegen, vor allem zum Piloten und den Bergführern, aber auch ins Material hat. Wenn der Pilot sagt, dass nicht geflogen werden kann, wird auch nicht geflogen."

Lischke würde nie versuchen, einen Piloten zu überreden, wider besseres Wissen zu starten. Die Maschinen sind aber selbst bei extrem schlechtem Wetter noch sicher unterwegs. "Solange die Vögel nicht zu Fuß gehen, fliegen wir", sagt Lischke. Gleichwohl kommt es schon vor, "dass wir den Heli wegen eines Gewitters am Berg parken und uns ein Schneemobil zur Fahrt ins Tal bestellen." Wolken sind vor allem in engen Gebirgstälern schlecht für Notfalleinsätze: "Nach oben durch die Wolken steigen ist kein Problem, da oben ist ja nichts, nur abwärts ist es gefährlich, weil man nicht sieht, ob da Lifte oder Stromleitungen im Weg sind. Notfalls müssen wir Umwege fliegen, das ist immer noch schneller als bodengebundene Transporte."

Kommunikation im Helikopter geht nur mit Helmfunk.

Lischke, von Haus aus Anästhesist, nimmt jede Gelegenheit wahr, sich außerhalb seiner Paradedisziplin fortzubilden, speziell in der Notfallmedizin im alpinen Raum, "Höhe, Kälte, Tiefe sind da die entscheidenden Faktoren", sagt er. Die Berge sind aus seiner Sicht aber auch nicht gefährlicher als der Straßenverkehr, auf beide müsse man sich einstellen. Viele Einsätze sind auf schlechte Ausrüstung, fehlende Ortskenntnis und falschen Ehrgeiz zurückzuführen. "Oft fliegen wir aber auch zu medizinischen Notfällen nach Erschöpfung oder Überforderung: "Aufstieg mit letzter Kraft und dann viel zu schnell bergab - das geht oft schief, dann kommt es zu Stürzen, auch zu Abstürzen", weiß der Bergdoktor. Und dann seien da auch noch die Bergunfälle, für die niemand etwas kann - Felsstürze oder Lawinen.

Höhe, Kälte, Tiefe

Wie im Fernsehen hängt Lischke häufig in schwindelnder Höhe am Seil, immer dort, wo der Heli nicht landen kann. Die Winde schafft 800 bis 900 Kilo, das reicht locker für zwei, auch drei Personen. An das Fliegen mit Außenlast müsse man sich schon gewöhnen, "aber dann geht's".

Wo Windeneinsatz nicht möglich ist, etwa bei Turbulenzen, hängt sich Lischke bei einer kurzen Zwischenlandung ans Fixtau. Es sei gar nicht so selten, dass er gemeinsam mit dem Verunglückten am Tau hängend zur Klinik geflogen wird. "Auch daran gewöhnt man sich", so der Bergdoktor.

Auch in den Taunushöhen können Mountainbiker, Wanderer und andere Sportler getrost unterwegs sein - die hiesige Bergwacht Großer Feldberg hilft bei Unfällen. Zuletzt waren drei der derzeit 35 Aktiven mitsamt ihres Quads bei dem Feldbrand in Grävenwiesbach im Einsatz, wie Bereitschaftsleiter Jens Werner berichtet. Das vergangene Wochenende blieb ruhig, was auch am wechselhaften Wetter lag.

Bergwacht wird vielseitig eingesetzt

Anders am Wochenende zuvor: Am Samstag, 21. Juli, war die Bergwacht von der Besatzung eines Rettungswagens in den Wald nachbeordert worden. Unterhalb der Altenhöfe abseits der Wege lag eine bewusstlose Person. Die Bergwacht transportierte den Patienten mit der Gebirgstrage eine Strecke von etwa einem halben Kilometer aus dem Waldbereich hinaus zum Rettungswagen.

Wenig später rückten die Kräfte der Bergwacht erneut mit dem Bad Homburger Notarzt und einem Rettungswagen ins Waldgebiet nahe des Hünerbergs bei Kronberg zu einer gestürzten Mountainbikerin aus. Die Patientin wurde nach der Versorgung ebenfalls mit der Gebirgstrage aus dem Wald gerettet und mit dem Rettungshubschrauber Christoph 2 ins Krankenhaus gebracht.

Am 7. Juli übten die Berghelfer die Rettung von abgestürzten Kletterern am Beilnstein. Hier wurden die Kletterrouten vor wenigen Jahren mit neuen Haken und Umlenkern saniert. Nun wurde die Rettung von Menschen von einem Felsabsatz in fast zehn Metern Höhe mit Statikseilen und Bergesack trainiert. Fazit der Bergwacht: Im Falle eines Falles (im doppelten Wortsinn) ist man am Feldberg gut vorbereitet. 

Von Alexander Schneider

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