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Bei der Übung wickelte das Bergwacht-Team den Verletzten in eine Rettungsdecke und schnallte ihn für den Transport an.

Wenn jede Minute zählt

Bergwacht stellt neues GPS-Rettungssystem für das Feldberggebiet vor

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Ab sofort sind das Wandern und andere Freizeitaktivitäten rund um den Feldberg noch sicherer. Eine mit GPS-Daten verknüpfte Digitalisierung der Wege soll im Notfall Retter zielsicher und vor allem schnell zum Einsatzort führen.

„Hallo, mein Name ist Björn Nolting, ich habe einen Verletzten im Wald gefunden. Ich kenne mich hier nicht so aus, aber hier am Weg steht ein Schild T1 und hier stehen noch andere Zahlen drauf!“ Er wird von seiner Gesprächspartnerin aufgefordert, die Zahlen vorzulesen. Nolting tut es: „N 50,22186 und O 8,43595“. Die Koordinaten wiederholt – und schon macht sich ein Rettungsfahrzeug auf zur Unfallstelle. Geleitet mit einem Tablet-Computer an Bord, der auf einer Karte die Unfallstelle exakt anzeigt und den Weg dorthin berechnet.

Das alles war allerdings nur gespielt, denn erstens kennt sich Nolting als Mitglied der DRK-Bergwacht im Bereich des Feldbergs gut aus, und zweitens hat er das neue Rettungssystem entwickelt, das bei einer Schauübung am Samstag vorgestellt wurde.

Der Schauplatz lag abseits der Straße von Königstein hinauf zum Roten Kreuz im Wald. Es war nasskalt und der Nebel wurde dichter, je höher man kam. Sich per Sicht zu orientieren wäre im Ernstfall schwierig gewesen. „GPS kann Leben retten“, so lautete eine Kampagne, die das satellitengestützte System zur weltweiten Positionsbestimmung in das Bewusstsein besonders all derer rücken möchte, die oft im Gelände unterwegs sind. Aber auch bei Verkehrsunfällen ist eine genaue Anfahrt des Unfallortes umso leichter, wenn GPS-Daten übermittelt werden.

Rund um den Großen Feldberg sind die Wanderwege nun noch ein Stück sicherer, denn es wurde ein zusätzliches System entwickelt, das Verunglückten, Rettern und Helfern zur Verfügung steht: „Wir haben über 220 Wege digitalisiert“, erklärte Nolting den Gästen, die zur Vorstellung des Systems gekommen waren. Darunter war auch Landrat Ulrich Krebs (CDU), der eines der neuen Hinweisschilder an einem Wegweiserpfosten festschraubte und damit symbolisch den „neuen Weg“ bei der Rettung freigab.

Das Schild trägt einige Informationen: die Notrufnummer 112, das Logo der Bergwacht und darunter die so wichtigen Standortkoordinaten, die Nolting bei seiner Demonstration durchgab. Außerdem ist ein QR-Code abgedruckt, der über die Kampagne „GPS kann Leben retten“, informiert.

Zurück zur Übung: Der Rettungswagen hatte, so das Szenario, die Unfallstelle erreicht, die Retter eilten mit dem Sanitätskoffer zu dem Verletzten, der von einem DRK-Mitarbeiter dargestellt wurde. Er lag kaum ansprechbar im Laub und nach erster Einschätzung der Lage winkten die Helfer weitere Einsatzkräfte mit einer Trage herbei. Es handelte sich um eine Spezialtrage, an deren Unterseite ein Rad montiert werden kann, was den Transport auf steilem Gelände erleichtert. In Folie eingepackt und angeschnallt wurde der Verletzte zum Wagen gebracht. Nolting erklärte dabei jeden Schritt der Rettung.

Das System wurde in seiner Komplexität zwar jetzt erst vorgestellt, hat sich aber schon bewährt. „Wir wurden schon einige Male mit GPS zu den Einsatzorten geführt“, erklärte Nolting. Es gebe mehrere Möglichkeiten die GPS-Koordinaten zu ermitteln. Jeder, der ein Smartphone besitzt kann sie beispielsweise über eine Standard-App, beispielsweise Google Maps, ermitteln, aber noch besser sind die sogenannten

Notfall-Apps

die bei einem Notruf automatisch die Koordinaten ermitteln und übertragen. Aber auch derjenige, der dies nicht beherrscht oder nur ein normales Handy dabei hat, kann jetzt die Rettung beschleunigen, denn es genüge, so Nolting der Notrufzentrale auch die Wege-Nummer durchzugeben, die auf Schildern an den Wegweisern oder an Bäumen abzulesen ist: „Im Notfall können wir den Weg dann auch abfahren“, sagte Nolting. Das war bei den vielen Wegen die sich im Feldberggebiet befinden bisher eine Herausforderung auch wenn Karten zur Verfügung standen. Digitalisiert und in die Software aufgenommen, sei dies jetzt einfacher. Die Kampagne „GPS kann Leben retten“ geht über die jetzt vorgestellte Anwendung hinaus.

Der QR-Code

Der QR-Code auf den Standortschildern führt auf eine Homepage, die noch mehr Informationen zum Thema Sicherheit im Taunus anbietet. Sie kann auch über die Adresse aufgerufen werden.

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