Berlin und B 8: Abgeordnete zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Dass man in Berlin erkannt hat, dass die Verkehrslast auf der B 8 viel zu hoch ist, ist per se ein gutes Zeichen. Aber können einzelne Umgehungen die Lösung sein? Wir fragten die heimischen Bundestagsabgeordneten.

Stell dir vor, es wird eine Umgehung gebaut, die keiner will. Für Markus Koob übersteigt das seine Vorstellungskraft. „Gegen den Willen der Betroffenen wird nichts gebaut“, betonte der CDU-Bundestagsabgeordnete, in dessen Zuständigkeit Glashütten fällt, unlängst im Gespräch mit der TZ. Letztlich seien ja die Kommunen die Herren des Verfahrens.

Allerdings müsse es im Interesse aller Anrainer an der B 8 sein, die steigende Verkehrslast auf der Bundesstraße in verkraftbare Bahnen zu lenken. Koob: „Ich verstehe die Camberger und Escher, für die die Umgehungen starke Entlastungen bringen könnten.“ Das Grundproblem der hohen Verkehrslast könnten solche Teillösungen natürlich nicht beheben. Ihm falle zum gegenwärtigen Zeitpunkt jedoch auch kein großer Wurf ein, mit dem alle Herausforderungen auf einmal gelöst werden könnten.

Da geht es Koob nicht anders als seinem Fraktionskollegen Professor Dr. Heinz Riesenhuber (CDU). Auch der würde einen Gesamtansatz den Teillösungen vorziehen. Allein, gerade im Straßenbau sei der „meist nur schwer oder gar nicht zu erreichen“, weiß der frühere Bundesforschungsminister, in dessen Wahlkreis Königstein fällt. Ortsumgehungen könnten zumindest Probleme in den einzelnen Kommunen lösen und seien – wie in Bad Camberg – teilweise schon seit Jahrzehnten angedacht.

Dass die B8 vom Bundesverkehrsministerium gleich mit fünf Umgehungs-Projekten in den vordringlichen Bedarf gerückt worden sei, spreche zudem für den Handlungsbedarf. Als wichtige Verbindungsstraße für die Pendler in den Ballungsraum Frankfurt belaste die Bundesstraße die anliegenden Städte und Gemeinden stark mit Lärm, Luftverschmutzung und Unfallgefahren.

„Am schlimmsten ist die Situation in Königstein“, ist sich Riesenhuber sicher: „Der Kreisel ist und bleibt das Nadelöhr, zumal es nicht so aussieht, als würden die Pendlerströme nach Frankfurt zukünftig nachlassen.“ Hier eine gute Alternative zu einer Ortsumgehung zu finden sei jedoch schwer. Und das umso mehr, nachdem die Planungen für die West-Umgehung zwischen Königstein und Kelkheim aufgegeben wurden, „weil die Eingriffe in die Umwelt einfach zu groß gewesen wären“. Dabei wäre gerade diese Umgehung sicher die wichtigste gewesen, um das Stauproblem zu beheben, betont Riesenhuber: „,Bis zum Königsteiner Kreisel geht’s, dann steht’s“, sei ja schon ein geflügeltes Wort in der Region.

Wie sich der Kreisel-Stau ohne Umgehung entzerren lasse? Sicher müsse man vorrangig „über neue straßenbautechnische Lösungen zu vertretbaren Kosten nachdenken“. Riesenhuber sieht da „durchaus interessante Diskussionen der Verantwortlichen vor Ort“, die aber noch ziemlich am Anfang stünden.

Was die angedachte Umgehung für Glashütten angeht, warnt Riesenhuber davor, die Option mit einem Federstrich aus dem Verkehrswegeplan zu nehmen. Wie sinnvoll diese Umgehung sein kann, wenn dann in Königstein doch wieder alle im großen Stau stehen würden – darüber müssten zwar letztlich die betroffenen Kommunen entscheiden. Allerdings sei zu bedenken, dass es sehr schwierig sein würde, eine einmal aus dem Verkehrswegeplan gestrichene Maßnahme noch zu verwirklichen, falls sich die Meinungslage einmal ändern sollte.

Für Dr. Hans-Joachim Schabedoth, den Bundestagsabgeordneten der SPD für den Wahlkreis Hochtaunus/Oberlahn, wäre eine Ortsumgehung für Glashütten durchaus begrüßenswert – „als erster Schritt“. „An sich braucht die B 8 eine durchgängige Lösung bis Frankfurt“, weiß allerdings auch der Sozialdemokrat. Eine spürbare Verbesserung für den Berufsverkehr werde sich erst einstellen, wenn auch andere Engpässe (z. B. Königstein) „korrigiert werden und der Verkehrsfluss insgesamt verbessert wird“.

Kordula Schulz-Asche, Bundestagsabgeordnete der Grünen, geht davon aus, dass die Umgehungsstraßen nur einen Effekt haben werden: „Sie werden letztlich nur mehr Verkehr anziehen, der dann an anderer Stelle zu Mehrbelastungen führt (zum Beispiel in Königstein).“ Der von Verkehrsminister Dobrindt vorgelegte Bundesverkehrswegeplan sei aus Sicht der Grünen „ein hohler Zahn aus dem letzten Jahrhundert“, voll von unterfinanzierten Versprechen, ohne Rücksicht auf Natur und Klima und mit unklarer Bürgerbeteiligung. Ihre Partei plädiere hingegen für die Verlagerung des Verkehrs auf den ÖPNV. Zudem müssten Lkw-Fahrverbote und Verkehrsberuhigungen in den Ortsdurchfahrten angedacht werden.

Wer selbst eine Stellungnahme zum Entwurf des Bundesverkehrswegeplans abgeben möchte, hat dazu online noch bis Montag, 2. Mai, Gelegenheit. Auf der Homepage des Bundesverkehrsministeriums findet sich ein Link, der zum elektronischen Formular führt.

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