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Es ist wohl der einzige Neujahrsempfang in Usingen, bei dem die Schuhe draußen bleiben müssen: Rashid Rana (von links), Stadtrat Michael Hahn und Imam Faizan Khan in der Usinger Moschee.

Berührungsängste abbauen

Beim Empfang der islamischen Reformgemeinde "Ahmadiyya-Muslim-Jamaat" stellt sich der neue Imam vor

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Seit rund 15 Jahren hat Usingen eine eigene Moschee, die der Ahmadiyya-Gemeinde gehört. Beim Neujahrsempfang bleiben die Gemeindemitglieder – zu ihrem Bedauern – jedoch hauptsächlich unter sich.

Im Jahr ihrer Einweihung war die Bait-ul-Huda Moschee in Usingen auch in den überregionaler Medien, jedoch aus einem traurigen Grund: Im September 2004 wurde die Moschee der islamischen Reformgemeinde „Ahmadiyya-Muslim-Jamaat“ (AMJ) im Industriegebiet Riedborn eingeweiht. Nur drei Monate später, Ende Dezember, stand der Neubau in Flammen. Bei diesem Brand entstand ein Schaden von etwa 50 000 Euro. Die Ermittlungen wurden nach rund einem Jahr eingestellt.

Auch um den Brand ging es am Rande des Neujahrsempfangs der Ahmadiyya-Glaubensgemeinschaft mit 250 Mitgliedern in der Moschee, auch wenn positive Themen im Vordergrund standen. Michael Hahn (SPD) als Vertreter der Stadt, sagte über das mittlerweile 15-jährige Zusammenleben: „Das Miteinander und das Motto: ,Liebe für alle, Hass für keinen’ wird sehr gelebt in dieser Gemeinschaft“, so Hahn. Der aber auch noch eine konstruktive Anregung mitgab: „Die Vertretung im Ausländerbeirat sollte sehr aktiv sein, weil sie ein wichtiges Bindeglied zu den Bürgern der Stadt ist.“

Fokus Usingen und Anspach

Man sei sehr positiv überrascht gewesen, wie stark die Stadt die AMJ bei ihrem Bestreben, eine Moschee in Usingen zu bauen damals unterstützt habe, sagte Gemeindemitglied Rashid Rana, der den Neujahrsempfang moderierte. „Nach dem Brand sagte uns die Stadt gleich finanzielle Unterstützung zu.“ Die Akzeptanz für die Moschee sei stetig gewachsen in den vergangenen Jahren, das lasse für die Zukunft hoffen – den insbesondere der Einladung zum Neujahrsempfang folgen nur wenige Nicht-Gemeindemitglieder.

Nicht nur die Akzeptanz in der Bevölkerung nehme zu, auch die Anziehungskraft der AMJ sei groß, sagte Rana. Unter den 250 Mitgliedern seien Menschen aus allen sechs Kommunen des Usinger Landes (mit Ausnahme von Schmitten), der Schwerpunkt liege jedoch auf Usingen und Neu-Anspach, sagte Rana, der selbst seit 40 Jahren in Deutschland lebt und sich in Neu-Anspach „integriert“ fühlt, wie er sagt.

90 Prozent der Gemeindemitglieder sprechen Deutsch, sagte Rana. „In unserer Glaubensgemeinschaft herrscht eine sehr niedrige Arbeitslosenquote im Vergleich zu anderen Ausländern und der Bildungsstandard ist hoch.“ Zum Thema Integration sagte er, dass es jedoch kaum gemischte Ehen zwischen gibt.

Ablehnung erfahren

Über Integration und Toleranz sprach auch Faizan Khan, er ist seit einem Jahr der Imam der Bait-ul-Huda Moschee in Usingen. Ausgebildet wurde er – wie alle AMJ-Imame – in Deutschland, wie Rana betonte. Genauer gesagt in Riedstadt, dort ist das AMJ-Ausbildungszentrum.

Nach einer kurzen Rezitation aus dem Koran mit anschließender Übersetzung ins Deutsche ließen die Gastgeber in einem Video die bundesweiten Aktivitäten der AMJ-Gemeinde in 2018 Revue passieren. Darin ging es unter anderem um die Einweihung der Moschee in Erfurt, die erste in den neuen Bundesländern.

Auch die Ausländerfeindlichkeit in deutschen Städten – insbesondere Chemnitz – war Thema des Nachmittages. Konfrontationen mit Neonazis hat der Imam noch keine erlebt, jedoch Ressentiments, unter anderem erlebte Faizan Khan diese während seines Aufenthalts in Aachen (in Form von Droh-Briefen) sowie in der Bad Homburg.

Immer wieder begeben sich Mitglieder der Glaubensgemeinschaft in die Innenstädte, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, der Imam war in der Kurstadt unterwegs. „Zwei alte Damen kamen auf mich zu und sagten: ,Gehen Sie zurück in ihrem Heimat, sie haben hier nichts zu suchen‘“, berichtete Khan. Es dauerte nicht lange, da solidarisierten sich andere Passanten mit ihm, die Damen waren dann schnell in der Minderheit.

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