Burgspielschar

Beutelustige Bräute

Jede Menge Frauenpower ist beim diesjährigen Winterstück der Burgspielschar angesagt. Auf dem Spielplan steht die Komödie „Heiße Bräute machen Beute“.

Von OLIVERA GLIGORIC-FÜRER

So kurz vor der Premiere ihres Winterstücks „Heiße Bräute machen Beute“, einer Komödie von Rolf Solomon, haben Schauspieler und Regisseur der Burgspielschar Burgholzhausen noch die Ruhe weg. Hier und da hapert es zwar noch textlich, eine Schauspielerin ist erkrankt und das Bühnenbild ist noch nicht fertiggestellt. Doch das bringt die Truppe längst nicht aus dem Konzept oder den Regisseur Manfred Fels an den Rand der Verzweiflung.

Ganz im Gegenteil, die Truppe wirkt tiefenentspannt, lacht viel und scherzt herum, ganz so, als wäre die Premiere noch weit weg, sie haben, so scheint es, ein Urvertrauen in ihre Disziplin und in ihre Künste – und vor allem in die des Regisseurs.

„Wir proben jede Szene, bis sie wirklich sitzt“, beschreibt Fels. Für alle Probentage steht die Schlussszene auf dem Plan, jene alles auflösende Szene, in welcher die Männer rein intellektuell so gar nicht gut wegkommen.

Doch um Intellektualität geht es bei der Komödie ohnehin wenig. „Ich bin nur das Dummchen“, kommentiert eine achselzuckende Lea Friedmann ihre Rolle. Sie spielt eine der drei Bankräuberinnen, die spontan beschließen, eine Bank auszurauben.

Dass die drei Damen damit eine Lawine an verbalen Verknotungen ins Rollen bringen, gibt dem Stück die gewünschte Dynamik, ganz im Sinne der Burgspielschar-Tradition: Die Winterstücke sind meist leichtfüßig und unterhaltend, die dargestellten Charaktere weisen nachvollziehbare Züge auf.

Albern oder blöde sind die Stücke allerdings nicht, das widerspräche schließlich dem Schauspieler-Ethos des Ensembles: „Egal, ob es eine Klamotte ist oder nicht, einen hohen Anspruch an die eigene Rolle muss man immer haben“, betont Schauspieler Yannik Sänger. Der 21-Jährige stand schon zwei Mal auf der Freilichtbühne der Burgspielschar, für ihn ist der Auftritt im Saal Premiere, wobei die Ökonomie der Bewegungen eine Herausforderung für ihn darstellt. „Jeder Schritt, jede Bewegung wird bedachter gewählt.“

Auffällig ist, dass bei „Heiße Bräute machen Beute“ viele junge Schauspieler – die meisten sind in den Zwanzigern – auf der Bühne stehen. „Wir müssen immer schauen, wer in den Wintermonaten zur Verfügung steht, und danach die Stücke auswählen“, sagt ein pragmatischer Fels, der den „jugendlichen Schwung und die gute Stimmung“ bei diesen Proben sehr genießt. Aber auch „alte Hasen“ wie Gabi Kunkel und Oliver Glaap ergänzen die illustre Truppe durch ihre Spielkünste. Gabi Kunkel, so viel sei verraten, wird mit ihrem hessischen Zungenschlag das erwünschte Lokalkolorit reinbringen.

Doch zurück zur Probe: Der zweite Durchgang der Schlussszene läuft runder, der Text kommt den Schauspielern leichter von den Lippen, die Handgriffe sitzen besser – auch wenn das lässige Anlegen der Handschellen noch hakt. „Das muss ich noch üben“, räumt Jan-Tore Ohlsen ein. „Die Ausdrucksform kommt mit der Textsicherheit, dann entsteht die Symbiose zwischen Text und Spiel“, weiß Fels und gibt Glaap, der den italienischen Ganoven spielt, noch einen Tipp: „Der Mafioso ist nicht der hellste, also bitte, ein wenig mehr Begriffsstutzigkeit.“ Und in der Zwischenzeit sollen die Damen bitte mehr Anspannung zeigen, fantasieren, lächeln und – triumphieren? Wirklich? Kommen die Damen mit ihrem Verbrechen etwa durch?

Am Probenabend jedenfalls steigen die Akteure zunächst zufrieden von der Bühne, einige Schauspielerinnen beschauen sich die Tapetenrollen – weiß mit grünem Muster. Kritische Blicke, doch Otmar Kunkel und Bernd Pöpperl werden das Bühnenbild schon passend gestalten. Dann fällt Friedmann noch etwas ein: „Kommt der Techniker zur nächsten Probe?“ Denn: Jedes Telefonklingeln und Türläuten, jede Musik- und Radioeinspielung – hier wird Jörg Bombachs Stimme aus dem Off zu hören sein – muss punktgenau landen, sonst sei die ganze Schauspielerei futsch. Fels beruhigte, um die Technik kümmere sich Carlos Rado.

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