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Waben, Honig und ganz viele Bienen unter Glas konnten die Besucher sich aus nächster Nähe anschauen. 

"Die Biene ist positiv besetzt"

Honigbiene mausert sich zum Sympathieträger 

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Im Zuge der Berichterstattung über das Insektensterben hat sich die Honigbiene im Bewusstsein der Bevölkerung zum Sympathieträger und zur Symbolfigur entwickelt. Das verspüren auch die Mitglieder des Bienenzuchtvereins Obertaunus deutlich.

Bad Homburg – In Spitzenzeiten nutzten einst weit über 1000 Fahrgäste täglich die 1935 eingestellte Straßenbahn von Bad Homburg zur Saalburg. Heute ist das alte Empfangsgebäude an der einstigen Tram-Endstation unterhalb des Römerkastells nur einmal im Jahr geöffnet.

Zum Tag der offenen Tür des dort beheimateten Bienenzuchtvereins Obertaunus strömen heute aber immerhin hunderte Besucher. "In jüngster Zeit kommen deutlich mehr Besucher", sagte der Vorsitzende Thomas Schmid. "Gerade in den vergangenen vier, fünf Jahren ist das Interesse deutlich gestiegen. Immer mehr Eltern kommen mit ihren Kindern zu uns."

Grund dafür ist seiner Meinung nach die Sensibilisierung vieler Menschen nach der Berichterstattung in den Medien über Glyphosat und das Insektensterben. "Die Biene ist dabei in den Schlagzeilen und auf Fotos allgegenwärtig", so Schmid. "Die Biene wird als Symbol für Insekten wahrgenommen. Im Vergleich zu Insekten ist die Biene positiv besetzt. Die Biene ist Maja, die Biene ist Honig."

Auch Leonard kam mit seinen Eltern zum diesjährigen Tag der offenen Tür. Hochinteressiert lauschte der Grundschüler dem Ausbilder des Bienenzuchtvereins Obertaunus, Uwe Stubbe, der den Besuchern überaus anschaulich und kurzweilig vom Arbeitsalltag der Bienen berichtete.

Imker Uwe Stubbe lädt Leonard ein zu kosten, wie süß ein Stück Wabenhonig schmeckt. 

"Gerne greifen wir Imker den Bienen-Hype auf. Dabei möchten wir vor allem deutlich machen, dass nicht nur die Honigbiene, sondern auch die Wildbienen und andere Insekten in ihrer Lebensumwelt bedroht sind", sagte Schmid. "Jeder kann dazu beitragen, sein persönliches Umfeld, den Garten oder die Balkonbepflanzung insektenfreundlich zu gestalten."

Honigbiene: Umdenken hat eingesetzt

Deutlich kritisierte er in diesem Zusammenhang die pflegeleichten und mehr werdenden Schotter- und Betonwüsten in den Vorgärten. Im kommunalen Bereich habe unterdessen zum Glück ein Umdenken eingesetzt. Auf einst schlichten Grünstreifen und im Begleitgrün der Straßen werden mittlerweile Wildblumen eingesät.

Auch die Initiative der Landwirte mit Blühstreifen und der gezielten Aussaat von Blumen auf Brachflächen trage dazu bei, das Lebensumfeld für Insekten wieder zu verbessern. "Eigentlich geht es der Honigbiene ja gut, weil wir Imker uns um sie kümmern. Anderen Insekten geht es deutlich schlechter."

Der Bienenzuchtverein Obertaunus gehört zu den fünf größten ihrer Art in ganz Hessen. Dass sich die Zahl der Mitglieder in den vergangenen zehn Jahren auf mittlerweile 240 verdoppelt habe, liege auch in dem Bewusstseinswandel der Menschen begründet. Vormals glaubten viele Interessierte, dass man nur dann imkern könne, wenn man selbst Landwirtschaft betreibe oder zumindest einen großen Garten habe.

"Wir haben vor allem auch durch so genannte Stadtimker Zuwachs bekommen. Es genügt ein ganz kleiner Garten. Selbst auf Flachdächern oder sogar auf dem Balkon halten manche Imker ein Bienenvolk", weiß Schmid. "Jährlich fragen mehrere Dutzend Interessierte an. Doch kann und möchte unser Hobby-Ausbilder und Imkerei-Berater Uwe Stubbe jährlich nur zehn bis 15 Jungimker ausbilden."

Von Matthias Pieren

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