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Jutta Dimitriadis gehört wie vier andere Frauen zu den aktiven Mitgliedern des BCO Oberursel, die in der Taunushalle in Oberstedten Karambolage-Billard spielen.

Bundesliga

Billard-Club Oberursel hat Karambolage-Billard drauf

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Wer seine Freizeit im Taunus verbringen möchte, kann bei den heimischen Vereinen unter einer Vielzahl von Angeboten auswählen. Die Taunus Zeitung stellt ein Mal in der Woche eine besonders aktive Gruppe vor. Diesmal: Der Billard-Club Oberursel, der im hinteren Bereich der Taunushalle in Oberstedten auf höchstem Niveau spielt.

Poolbillard kann doch jeder – zumindest versucht sich wohl jedermann irgendwann einmal darin, in einer Kneipe mit dem ominösen Queue seine acht Kugeln mehr oder minder präzise in die sechs Löcher des Billardtisches zu versenken.

Mit dem Sport, den die Mitglieder des Billard-Club Oberursel (BCO) betreiben, hat das herzlich wenig zu tun. Das wird überdeutlich, wenn man das Vergnügen hat, Jens Haimerl, Stefan Henze, Felix Wittkopf und Wolfgang Fiebig bei einem Duell der erste Bundesliga im Karambolage-Billard Mehrkampf zuzuschauen.

„Kein anderer Sportverein aus Oberursel tritt in irgendeiner Sportart in der höchsten deutschen Spielklasse an“, teilt dazu der Vorsitzende des Vereins Bernd Haimerl nicht ohne Stolz mit. „Der BC Oberursel ist der erfolgreichste Karambol-Billard-Verein in Hessen.“

Mehrkampf beim Karambolage-Billard: Das sind die vier am großen Brett ausgetragenen Disziplinen Freie Partie, Cadre 47 / 2, Cadre 71 / 2 und Einband. Gewiss, für Laien klingen diese Begriffe wie böhmische Dörfer. Das ist Grund genug, einmal im Vereinsheim vorbeizuschauen, und sich den Sport aus erster Hand erklären zu lassen. Im hinteren Bereich der Taunushalle in Oberstedten, dort wo einst die Kegelbahn war, befindet sich seit Anfang 2016 das BCO-Vereinsheim und zugleich die Spielstätte. Der erste Eindruck räumt sogleich mit einem Missverständnis auf. Karambolage hat nämlich wenig mit den weitaus bekannteren Billard-Unterkategorien Poolbillard und Snooker gemeinsam. Die mit blaugrünem Filz bezogenen Tische haben schlicht und einfach keine Löcher – pardon, Billardspieler sprechen natürlich nicht von Löchern, sondern von den Taschen zum Versenken von Kugeln. Hier aber: Fehlanzeige.

Auch die Anzahl der Bälle (so heißen die Kugeln beim Karambol-Billard) ist wesentlich geringer, denn es gibt nur drei Stück in den Farben Weiß, Gelb und Rot. Alternativ wird oftmals auch mit einem roten und zwei weißen Bällen gespielt, wobei einer der weißen Bälle einen Punkt hat, um ihn von dem anderen unterscheiden zu können.

Die Spielregeln sind im Prinzip ganz einfach zu verstehen: Jeder Spieler spielt die ganze Partie über mit ein und derselben Kugel – entweder weiß oder gelb – und muss versuchen, diese so zu stoßen, dass er mit den anderen beiden Bällen „karamboliert“.

Ein Touchieren oder leichtes Berühren genügt. Hat er das geschafft, erhält er einen Punkt und darf weitermachen. Wenn eine vorher festgelegte Punktzahl erreicht wurde, ist das Spiel zu Ende. Freilich gibt es noch die einige andere Varianten, die dem Spiel erst seinen Reiz geben.

Zwei große und zwei kleine Turnierbillardtische für Karambolage-Billard stehen im Vereinsheim zur Verfügung. Fast jeden Abend treffen sich die Vereinsmitglieder im Club. Trainiert wird alleine oder in Gruppen, Tipps und Anleitung geben die Spitzenspieler. Immer wieder werden Trainingspartien gespielt. Die Stimmung ist konzentriert, aber auch wieder gelöst.

Das war nicht immer so: „Die gesamte Existenz des 1982 gegründeten Vereins war vor zwei Jahren gefährdet“, blickte Bernd Haimerl zurück. „Damals erhielten wir die Kündigung für unsere alte Spielstätte im Rosengärtchen, die bis Ende Dezember 2015 zu räumen war.“ Für einen vergleichbar günstigen Mietzins eine gleichwertige Spielstätte zu finden, war extrem schwierig. Das rettende Angebot kam von Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD): für die Taunushalle in Oberstedten sollte ab 2016 ein neues Konzept als „Halle der Vereine“ umgesetzt werden. „Die Stadt hat uns kleinen Vereinen mit unserem großen Problem damals nicht im Regen stehen lassen.“ Anfang 2016 dann der Kraftakt: Die beiden alten Kegelbahnen und die Holzverkleidung wurden rausgerissen und mit acht Containerladungen entsorgt. Die Decken und Wände wurden neu gepinselt, die Materialkosten trug die Stadt. „Wir haben einige Tausend Stunden investiert“, so Haimerl.

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