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Biotope auf dem Wohlstandsmüll

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Interessante Einblicke bei ornithologischer Führung auf Deponie Brandholz

Neu-Anspach -Führungen durch Fachleute sind beliebt, kommt man, oft an Tagen der offenen Tür, doch auf diese Weise in Betriebsbereiche, die Unbefugten sonst nicht zugänglich sind. Für den jüngsten Samstag wurden auf der Deponie Brandholz eine Führung angeboten, die allerdings keine Einblicke in die Arbeit auf dem Recycling-Hof oder anderer Betriebsanlagen gewährte, sondern es war eine Führung über das weitläufige Areal der zurückgebauten Deponie. Und die hat ihren ganz besonderen Reiz.

Es war eine ornithologische Führung, und wer die weit sichtbare mit Solarmodulen bestückte Kuppe schon einmal betrachtet hat, der weiß auch, dass es dort zum Teil steil bergauf geht. Es hat sich offensichtlich schon herumgesprochen, dass es wirklich ein Erlebnis ist, das Gelände, begleitet von Experten, zu durchstreifen, denn die Führung war schnell ausgebucht.

Ein Hauch

von Urwald

Der Fachmann für das Ornithologische war Gerrit Rohleder von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON). Fachmann für das Technische ist Standortleiter Thomas Klinkig, unterstützt wurde er von Daniel Neubacher und Daniela Sauer.

Die Rhein-Main-Deponie arbeitet innerhalb des Renaturierung-Konzepts unter anderem eng mit der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) zusammen. Das umzäunte Areal nördlich von Neu-Anspach ist ein Lebensraum vieler in Hessen geschützter Vogelarten, die dort ihre jeweils spezifischen Lebensbedingungen hinsichtlich Brut und Nahrungsangebot vorfinden. Zum Nahrungsangebot gehören Insekten, und diese sind ihrerseits wiederum auf ein ihren Ansprüchen genügendes Habitat angewiesen. Die Deponie bietet dies und hat dabei ein sehr abwechslungsreiches Angebot.

So startete die Führung durch dichten grünen Laubwald, der zwar einen Hauch von Urwald hat, aber sich keineswegs völlig selbst überlassen ist. Man achtet auf eine Staffelung der Wuchshöhen, pflanzt nach, und wie der Verbrissschutz an besenhohen Bäumchen zeigt, sind auch vierbeinige Tiere dort zu Hause, weshalb auch hier oder da ein Hochsitz steht.

Noch sei der Materialauftrag nicht abgeschlossen, erklärte Klinkig, deshalb kamen die Besucher auch immer wieder an Halden vorbei, wo unterschiedliches Material gelagert wird. Auch das Plateau lässt noch die ehemalige Nutzung des Kegels erkennen, wo Bauschutt den Untergrund bildet, auf dem sich Pflanzen ausbreiten, die mageren Boden lieben, Disteln, Mohn und andere Blühpflanzen gehören dazu. Viele Schmetterlingsarten wie der Schwalbenschwanz, das Schachbrett, der Dickkopffalter und der Kleine Fuchs freuen sich über das Angebot.

Rückgang der Turteltauben

Das Plateau ist auf verschlungenen Wegen zu erreichen. Immer wieder blieb die Gruppe stehen, ausgelöst durch verschiedene Vögel, die irgendwo sangen. Rohleder wusste sie zu bestimmen und erklärte das Besondere, die Flötentöne der Mönchsgrasmücke beispielsweise. Dann war es die Singdrossel, der man lauschte: "Typisch für die Singdrossel sind die Wiederholungen", so Rohleder.

Hatte man die Richtung ausgemacht, aus der die Stimmen kamen, ließen sich die Sänger auch meist auf einem kahlen Ast sitzend mit Ferngläsern herangezoomt erkennen. Manchmal ging der Blick auch nach unten: Wanderfalter fühlen sich auf Brandholz auch ganz wohl, und so wurde auch der Admiral als ein stolzer Vertreter seiner Art über das Gras flatternd gesichtet.

Stieglitze gäbe es wieder mehr, Goldammern im Bereich des Erlenbachs weniger. Der Vogelexperte wusste viel über die Probleme der einzelnen Vogelarten zu berichten, so auch von der Turteltaube. Ihr Rückgang in ganz Europa sei bedrohlich. In Deutschland betrage er über 90 Prozent, und im Hochtaunuskreis seien lange gar keine Turteltauben gesichtet worden. Deshalb wurde auf der Deponie eine Futterstelle für die Tauben eingerichtet, an der Attrappen ihrer Art am Körner picken sind. Auch dem Steinschmätzer macht man weit oben auf der Brandholzkuppe ein Angebot: Mehrere Steinhaufen sollen ihn einladen, dort einzuziehen und zu brüten. Leider hat er sich, im Gegensatz zur Deponie Wicker, auf Brandholz noch nicht niedergelassen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden, und vielleicht weiß Rohleder im Herbst schon mehr zu berichten.

Denn dann soll es wieder ein, oder zwei Führungen geben. Diesmal wurde wegen des großen Interesses noch eine zweite Führung direkt angeschossen.

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