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Bis ganz nach oben

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Blicke nach oben: Michael Roßbach (links) zeigt den Besuchern den beeindruckenden Glockenstuhl im Kirchturm. © neugebauer

Beim evangelischen Gemeindefest geht es in den Kirchturm

Usingen -Eine ungewöhnliche Perspektive auf Usingen konnten am Sonntagmittag einige Besucher des Gemeindefestes der evangelischen Kirche Usingen genießen. Der Vorsitzende des Kirchenvorstands, Michael Roßbach, und Günter Zill öffneten die Tür zum Kirchturm der Laurentiuskirche und führten die Interessierten über die 142 Stufen der Holztreppen von Stockwerk zu Stockwerk bis ganz nach oben in die ehemalige Türmerwohnung. Von 1820 bis 1860 hat hier auf gut 50 Quadratmetern der letzte Usinger Türmer gewohnt.

Neben seinem Beruf als Schuster hatte er unter anderem die Aufgabe, nach Feuer Ausschau zu halten. Fenster in alle Himmelsrichtungen erlaubten einen grandiosen Rundumblick. Aber jetzt wohnen hier nur noch Turmfalken.

Gebäude hat schon vieles erlebt

In zwei Fensteröffnungen waren noch Nester besetzt. In einem konnten die Gäste durch ein winziges Loch in der Verbretterung vier junge Turmfalken entdecken. Durch das andere war man Auge in Auge mit einem der noch brütenden Greifvögel. Aber auch das Werk der alten Kirchturmuhr mit ihren Zahnrädern war ein Hingucker. Heutzutage wird die Turmuhr allerdings mit einem Elektromotor angetrieben und funkgesteuert. "Auf sie kann man sich verlassen", schmunzelte Roßbach.

Auch Zeiger eines alten Ziffernblattes werden an der Innenwand aufgehoben. Stücke der alten, morschen Balken zur Anschauung erinnerten an die Dachsanierung von 2013/2014. Und der nicht ausgebesserte Schaden an einem Balken ist auf einen Granatenangriff im Zweiten Weltkrieg zurückzuführen.

So hat das Bauwerk seit seiner Entstehung zwischen 1490 und 1518 einiges erlebt, so auch den Brand von 1635, dem fast das ganze Gebäude zum Opfer fiel. Beim Wiederaufbau sei Material unterer anderem aus der Kirche am Landstein bei Altweilnau verwendet worden, erläuterte Roßbach.

Während im Turm die Führung stattfand, sang im Kirchenschiff Manfred Klink mit rund 20 Gästen Gospels. "Zweite, dritte und vierte Stimmen sind erlaubt", forderte Klink das Publikum zum Mitsingen auf.

14 Konfirmanden begrüßt

Auch auf andere Weise mitmachen wie klatschen oder tanzen, wie es in amerikanischen Kirchen an der Tagesordnung sei, sei erlaubt und sogar erwünscht. Bei den bekannteren Stücken wie "Go down, Moses" stimmten die so Angesprochenen mit ein, bei den unbekannteren wie "Can the circle be unbroken" lauschten sie und versuchten sich beim Refrain.

Begonnen hatte das Gemeindefest mit einem Gottesdienst unter dem Wahlspruch "Du bist gesegnet und sollst ein Segen sein". Pfarrer Hans-Jörg Wahl konnte 14 neue Konfirmandinnen und Konfirmanden begrüßen. Er freute sich über eine volle Kirche. Den Gottesdienst begleitete der Posaunenchor Usingen unter Leitung von Sebastian Straninger mit einigen Stücken. Aber auch moderne Technik hat Einzug gehalten in das altehrwürdige Haus. Mit einem Beamer wurden zum Gottesdienst passende Bilder eingespielt.

Anschließend gab es im Kirchgarten Würstchen im Brötchen, vegetarische Wraps und natürlich eine Vielzahl von Getränken. Aber auch die Kuchentheke war wieder reich gefüllt. Später boten Mitarbeiterinnen der Arche Noah für Kinder und Gemeindepädagogin Nathalie Sachitzki für Jugendliche Bastelmöglichkeiten an.

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