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Eine große Blutlache im Schnee auf dem Laurentius-Pilgerweg in Arnoldshain: Ein Hirschkalb ist im angrenzenden Gebüsch qualvoll verendet.

Blutspuren

Hirschkalb in Arnoldshain gerissen - Waren Hunde oder ein Luchs im Spiel?

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Ein Hirschkalb könnte in Arnoldshain von wildernden Hunden gejagt, angefallen und gerissen worden sein. Eine Arnoldshainerin will dergleichen gehört und gesehen haben und schildert ihre Erlebnisse.

Am vergangenen Freitag ist unweit eines Teilstücks des Laurentius-Pilgerweges in Arnoldshain ein Hirschkalb gerissen worden, sagt Jagdpächter Heinz Vest. Wie genau das Tier umgekommen ist, ist nicht klar. Es kann sein, dass es von Hunden angefallen wurde, es kann aber auch Opfer eines Luchses geworden sein, der sich im Taunus immer wohler fühlt.

Fest steht: Es war keine „Jagdwilderei“, wenn ein Hund im Spiel gewesen wäre, dann würde es sich lediglich um einen Verstoß des Hundehalters gegen seine Aufsichtspflicht handeln. Das teilte Roman Martini von der Pressestelle der Polizeidirektion Hochtaunus mit. Dennoch: „Wer so etwas noch nicht gesehen hat, dem wird schlecht“, sagt der Jagdpächter über das, was er gesehen hat.

Sehr schlecht ging es auch einer Arnoldshainerin Anfang 50, die nach eigener Auskunft den Todeskampf des Hirschkalbes mitangehört hat. Ihren Namen möchte sie aus Angst vor Repressalien nicht in der Taunus Zeitung lesen. „Es war schrecklich, die Tierlaute anzuhören“, sagt sie und hat sowohl ein Video als auch Fotos von dem Vorfall gemacht.

Klagerufe und Bellen

Am Freitagmorgen sei sie auf dem Waldweg unterhalb des Rauheckswegs, der in Richtung Hegewiese führt, mit ihrem eigenen Hund gelaufen. „Gegen etwa 8.40 Uhr hörte ich die Hetzlaute eines Hundes, danach über einen Zeitraum von 10 bis 15 Minuten die Klagerufe eines Hirsches und Hundegebell. Ich hörte auch, wie ein Hundehalter wiederholt den Namen seines Hundes rief“, schildert die Arnoldshainerin. Sie habe um 8.49 Uhr telefonisch die Polizei in Usingen informiert. Nach etwa 15 Minuten seien die Klagerufe des Hirsches nicht mehr hörbar gewesen.

Sie habe vormittags einen Termin in Frankfurt wahrnehmen müssen, habe sich aber nach ihrer Rückkehr mittags auf den Weg in das Tal am Lauterbach gemacht, um den Hirsch zu suchen. „Ich folgte den Spuren im Tiefschnee über den Bach und fand erste Blutspuren und Haare des Hirsches. Direkt auf dem Wanderweg dann eine große Blutlache. Die Blutspur führte in das Gestrüpp neben dem Weg, wo ich dann auch das verendete Tier fand“, so die Arnoldshainerin.

Sie habe erneut die Polizei in Usingen informiert und den genauen Fundort mitgeteilt. Diese sei jedoch durch die Kollegen nicht gefunden worden, teilte Martini mit.

Große Grundstücke

Unklar ist nicht nur, ob ein Luchs oder ein Hund das Tier getötet hat. Nicht sicher ist auch, ob sich das Hirschkalb zuvor auf einem eingezäunten Grundstück befunden hat. „In der Siedlung Hegewiese gibt es 200 Quadratmeter große Grundstücke, auf denen manchmal nur eine Hütte steht“, sagt Axel Dreetz, Revierförster von Brombach im Forstamt Königstein. Vielleicht seien die Hundebesitzer auch von einem Urlaub zurückgekehrt und die Hunde haben das Hirschkalb überrascht.

Was genau passiert ist, lässt sich nur schwer rekonstruieren. Die Arnoldshainerin ist der Meinung, dass „skrupelloser Egoismus“ mancher Hundehalter ursächlich für den Tod des Tieres sei. Das Problem ihrer Meinung nach: Dieses verantwortungslose Verhalten bringe auch andere Halter in Verruf, die ihre Hunde zum Gehorsam erziehen.

Wenn ein Hirsch von Hunden gerissen werde, bedeute das keinen schnellen Tod. Das zeige sich auch an dem Zeitraum der Klagerufe des Hirsches, so die Arnoldshainerin. „Daher stellt sich mir die Frage: Wo waren die Hundeführer und warum haben sie nicht eingegriffen während sie, so wie ich, das Bellen ihrer Hunde und das Klagen des Hirsches gehört haben?“ Diese Frage stellt sich auch der Jagdpächter.

Nicht nur die Polizei, sondern auch Heinz Vest war am vergangenen Freitag an dem blutigen Schauplatz am Lauterbach in Arnoldshain. Auf dem Rückweg, der ihn mit dem Auto durchs Weiltal führte, rannte vor ihm ein kleines Wildschwein über die Straße; er konnte noch rechtzeitig bremsen, „es kam aus dem Wald gerannt und ein Hund hinterher . . .“.

Andererseits gibt es laut Polizei nur wenige Fälle, in denen Tieren von Hunden zu Tode gehetzt wurden: 2018 waren es Null, 2017 gab es einen Fall.

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