Lärm

Bürger in Sorge über Zunahme von Flügen

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Kann sein, dass das subjektive Lärmempfinden jedes Einzelnen unterschiedlich ist. Tatsache ist: Am Himmel über dem Hochtaunuskreis ist was los, das belegen schon die Zahlen des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport, der im Mai von einem Passagierplus von 9,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat sprach. Mit Blick auf die Planungen für einen Billigflieger-Flugsteig G, der 2020 in Betrieb genommen werden soll, werden die Flugbewegungen sicher nicht weniger.

Der Taunusbürger, der namentlich nicht genannt werden möchte, macht sich Sorgen. „Ich wohne seit etwa 25 Jahren in Friedrichsdorf, wo anfangs Fluglärm kein Thema war. Nach der Inbetriebnahme der Landebahn Nordwest und den geänderten An- und Abflugrouten hat sich das – ohne jede für mich erkennbare Bürgerbeteiligung – sehr zu unseren Lasten verändert.“

Besonders wahrnehmbar sei der Fluglärm in den vergangenen Wochen, etwa an Fronleichnam oder den Wochenenden davor und danach, als „alle zwei bis drei Minuten“ ein ostwärts gestartetes Flugzeug auf seinem Kurs nach Norden beziehungsweise Nordwesten die immer gleiche Spur über Bad Homburg und Friedrichsdorf gezogen habe. Das haben auch Bürger aus Bad Homburg, die ebenfalls namentlich nicht genannt werden wollen, so empfunden. „Im Landeanflug nach Westen stören die von Osten und Nordosten kommenden Maschinen, die über Friedrichsdorf und Homburg westwärts fliegen und dann genau hier in den Gegen-Anflug abdrehen“, sagt einer.

Ein anderer betont mit Blick auf die jüngst abgehaltene 250. Montagsdemo der Fluglärmgegner, dass das Thema Lärm wahrlich nicht mehr nur Flörsheim betrifft, sondern eben auch die Vordertaunus-Gemeinden. Er fragt: „Wird Bad Homburg bei den Flugrouten das Erzhausen des Frankfurter Nordens?“ Für ihn gebe es „nachweislich mittlerweile ständige Überflüge bei allen Flugbetriebsrichtungen und allen Tages- und Nachtzeiten – und zwar oft in geringer Flughöhe ohne Lärmpausen – auch wenn dies „von offizieller Seite stets verneint oder verdrängt“ werde.

Als „vorgestanzt“ bezeichnet ein Bad Homburger jedenfalls die Antwort der Fraport AG auf seine Fragen nach den von ihm im Mai wahrgenommenen vermehrten Überflügen über der Kurstadt. Dazu schreibt der Bereich „Nachbarschaftsdialog“ der Fraport: „Dass Sie den Flugverkehr besonders im Mai vermehrt wahrgenommen haben, liegt nach unserem Erachten daran, dass wegen der fast im gesamten Monat Mai und bis dato an vielen Tagen im Juni vorherrschenden stabilen Ostwetterlagen der Flugbetrieb, bis auf kurze Unterbrechungen, nahezu durchgehend im Ostbetrieb abgewickelt werden musste. Was zu einem vermehrten Flugaufkommen unter den bei Betriebsrichtung 07 genutzten An- und Abflugstrecken geführt hat.“ Die Strecke 07-kurz ist die, die über den Hochtaunuskreis, vor allem über Bad Homburg und Friedrichsdorf führt. Ein Betriebsrichtungswechsel durch die Deutsche Flugsicherung werde immer dann angeordnet, wenn sich Wind- und Wetterbedingungen ändern.

Außerdem, heißt es in der Antwort weiter, sei es in den vergangenen Wochen öfter zu starken Regenfällen, Winden und Gewittern im Rhein-Main-Gebiet gekommen. Im Umkreis des Flughafens habe deshalb der Flugverkehr aus Sicherheitsgründen teilweise abseits der vorgeschriebenen Flugrouten navigiert werden müssen. „Dabei kann es zu unüblichen Lärmbelästigungen gekommen sein.“

Von diesen „unüblichen Lärmbelästigungen“ mal abgesehen – gibt es eigentlich etwas, das die Städte und Gemeinden des Hochtaunuskreises tun können, um sich gegen Fluglärm zu wehren, fragen sich viele Bürger? Gleich vorweg: Es gibt tatsächlich nicht viel.

Der Hochtaunuskreis war zwar früher zumindest in Beobachterfunktion Mitglied der Fluglärmkommission, ist aber nach Angaben von Kreissprecherin Andrea Nagell „2015 aufgrund von Gerichtsurteilen, in denen die Betroffenheit von Gebietskörperschaften an andere Kriterien geknüpft wurde, ausgeschieden beziehungsweise nicht mehr berufen worden“. In die Fluglärmkommission berufen werden jeweils für vier Jahre Kommunen je nach ihrer Lage im Lärmschutzbereich oder Index-Gebiet beziehungsweise danach, ob das Kreisgebiet tagesdurchschnittlich mindestens 100 Überflüge unterhalb von 6000 Fuß (1830 Meter) zu verzeichnen hat. Der aktuelle Berufungszeitraum endet im Jahr 2019. Danach wird neu entschieden, wer dem Gremium angehört.

Die Sonderstatus-Stadt Bad Homburg ist in keinem Gremium zum Flughafenausbau oder Fluglärm vertreten, „weil dies vom Land beziehungsweise der Fluglärmkommission wegen nicht ausreichender Betroffenheit als nicht erforderlich angesehen wird“, erklärt Stadtsprecher Andreas Möring auf Anfrage dieser Zeitung. Die Sorge der Kurstadtbürger kann er verstehen, denn: „Es wird mehr Passagiere und auch mehr Flugbewegungen geben.“ Dies sei der Grund für die langjährigen Planungen zum Flughafenausbau und auch Gegenstand der Genehmigungsverfahren gewesen. Dabei habe es Beteiligungsverfahren gegeben, „in denen alle Städte im Rhein-Maingebiet grundsätzlich involviert waren“.

Die Fraport hatte jüngst berichtet, dass der Frankfurter Flughafen im Mai gut 6,1 Millionen Fluggäste und damit 9,5 Prozent mehr als im gleichen Vorjahresmonat verzeichnete. Für die ersten fünf Monate dieses Jahres steht damit ein Zuwachs von 8,9 Prozent in den Büchern. Die Steigerung fällt damit deutlich stärker aus als angepeilt

Indes sagt Möring: „Das erwartete Plus bei den Passagieren ist nicht eins zu eins auf die Flugbewegungen umzurechnen, da immer mehr Passagiere je Flug transportiert werden. Die Steigerung der Flugbewegungen fällt also geringer aus.“ Dennoch messe die Stadt seit Jahren Fluggeräusche durch eine eigene Messstation direkt unter der Abflugroute 07-kurz. Diese Route wird nur bei Ostwindwetterlagen und nicht von 22 bis 7 Uhr beflogen. Gemessen werde in der Stadtgärtnerei, und zwar 24 Stunden am Tag und an 365 Tagen im Jahr. Möring: „Ein Fachbüro wertet die Messungen aus. Bisher sind alle Grenz- und Richtwerte sehr gut eingehalten.“ Der nächste Bericht liege voraussichtlich im September vor.

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