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Hans-Georg Brum beobachtet die Entwicklung im Rathaus von seinem Schreibtisch aus über zwei Monitore.

Oberursel

Bürgermeister in Quarantäne

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Der Bürgermeister von Oberursel, Hans-Georg Brum (SPD) hat sich nach einem Urlaub freiwillig wegen des Coronavirus in Quarantäne begeben und arbeitet aus dem Homeoffice. Der Erste Stadtrat Christof Fink (Grüne) führt stellvertretend die Amtsgeschäfte.

  • Der Bürgermeister von Oberursel ist wegen des Coronavirus in freiwilliger Quarantäne
  • Er war zuvor im Urlaub in Brasilien
  • Viele Rathausmitarbeiter arbeiten ohnehin im Homeoffice

Oberursel - Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen: Nachdem er am Wochenende aus seinem Urlaub in Brasilien zurückgekehrt ist, hat sich Oberursels Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) direkt freiwillig in häusliche Quarantäne begeben.

Dort arbeitet er nun aus dem Homeoffice. Gesundheitliche Probleme habe er keine, versicherte Oberursels Rathauschef gestern im Gespräch mit dieser Zeitung. Eine Umstellung bedeutet die neue Situation für ihn aber schon - wie derzeit für viele Arbeitnehmer in Deutschland.

Coronavirus in Oberursel: Bürgermeister im Homeoffice

Über E-Mail und zwei Telefone halte er den Kontakt zur Stadtverwaltung. Gerade erst habe er an einer Telefonkonferenz teilgenommen, beschreibt er seinen neuen Alltag, der nun zwei Wochen lang andauern wird.

"Hätte ich gewusst, wie sich alles entwickelt, wäre ich gar nicht erst weggefahren", sagt Brum. Doch zu dem Zeitpunkt, als er nach Südamerika geflogen ist, war der Coronavirus noch kein großes Thema. Die Rückreise gestaltete sich dann deutlich schwieriger. Sein regulärer Flieger war gestrichen worden. Nach mehreren erfolglosen Versuchen sei es ihm zum Glück gelungen, den allerletzten Platz in einem Ersatzflieger zu ergattern.

Coronavirus in Oberursel: Rathaus im Notbetrieb

Da dieser auch noch einen mehrstündigen Zwischenstopp in Madrid eingelegt hatte, habe er schließlich entschieden, sich freiwillig ins Homeoffice zu begeben, um die Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rathaus nicht zu gefährden.

Wobei diese inzwischen zum Großteil ebenfalls von zu Hause aus arbeiten. "Wir haben auf Notbetrieb umgestellt", sagt der Erste Stadtrat Christof Fink (Grüne), der in Abwesenheit von Brum die Amtsgeschäfte führt. Was dazu führt, dass er aktuell sogar mehr Zeit im Rathaus verbringt als üblich.

Coronavirus in Oberursel: Krisenstab trifft sich täglich

Schließlich hat die Corona-Krise auch die Abläufe und Prioritäten in der Oberurseler Stadtverwaltung durcheinandergebracht. Es gehe nun vor allem darum, die wichtigsten Verwaltungsprozesse in Gang zu halten, schildert Fink. Dazu trifft er sich jeden Vormittag mit einer Art Krisenstab, um die Lage zu analysieren, anschließend werden die nötigen Entscheidungen getroffen.

Damit die Stadtverwaltung weiter handlungsfähig bleibt, habe man unter anderem Mitarbeiter, die bislang eng zusammengearbeitet haben, räumlich getrennt. So gebe es auch dann eine "Backup-Lösung", wenn einzelne Beschäftigte oder sogar ein ganzes Team wegen einer Coronainfektion ausfallen sollten.

Coronavirus in Oberursel: Absprache läuft reibungslos

Er selbst habe sich noch vor Kurzem nicht vorstellen können, dass eine solche Situation einmal entstehen könnte. Vor allem die erste Woche sei "sehr extrem" gewesen. "Aber man muss Herausforderungen so nehmen, wie sie kommen", findet Fink. Auch die meisten der Kolleginnen und Kollegen gingen gut mit der veränderten Lage gut um. "Das funktioniert sehr zielorientiert."

Seit Hans-Georg Brum wieder in Oberursel ist, führe er jeden Tag ein Telefonat mit dem Bürgermeister. "Das läuft bislang reibungslos", sagt Christof Fink.

Christof Fink (Grüne) vertritt den Rathauschef.

Coronavirus in Oberursel: Sorgen wegen der Wirtschaft

Er wolle sich da nützlich machen, wo er könne, sagt Brum selbst. Zumal durch die Corona-Krise vieles an Bedeutung verloren habe, was vorher wichtig war und umgekehrt.

Sorgen macht sich der Bürgermeister allerdings über die weitere Entwicklung der Stadt. Schließlich werden sich die wirtschaftlichen Probleme, in die viele Unternehmen durch die Anti-Corona-Beschlüsse geraten sind, auch in der Stadtkasse bemerkbar machen. Was wiederum Auswirkungen auf die Großprojekte haben dürfte, die Oberursel sich vorgenommen hat, befürchtet Hans-Georg Brum. 

Von Torsten Weigelt

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