1. Startseite
  2. Region
  3. Hochtaunus

Bürgermeister will nachhaken

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Welche Möglichkeiten bleiben für alternative Energien in Wehrheim?

Gerade erst hat Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) den Gasnotstand ausgerufen. Alternative Energien werden somit immer wichtiger - denn der nächste Winter kommt bestimmt. Eine Möglichkeit, von Windkraftanlagen auf dem Winterstein sowohl finanziell als auch energetisch zu profitieren, haben die Wehrheimer mit dem "Nein" von CDU und FDP im vergangenen November zumindest vorerst ausgeschlossen.

Nun erreichte die Wehrheimer Sozialdemokraten aus dem Verteidigungsministerium eine Absage zu Plänen, auf dem Gelände des Munitionsdepots Solarpanels zu errichten. Die Freifläche sei ein Ausgleich für den baulichen Eingriff in die Natur, zudem könnten die Gebäude aus brandschutztechnischen Gründen nicht anderweitig genutzt werden.

Kein Ackerland

für Photovoltaik

Abgesehen davon, dass sich die Bundesbehörde vorbehält, die dort irgendwann einmal produzierte Energie doch selbst zu nutzen: Welche Optionen hat man in Wehrheim bezüglich alternativer Energien noch?

Bürgermeister Gregor Sommer (CDU) sagt dazu, dass der Gemeindeverwaltung bislang noch keine offizielle Absage aus Berlin vorliege und er auch nicht das in der Presse genannte Schreiben an die SPD-Bundestagsabgeordnete kenne. Nach der vorherigen negativen Rückmeldung habe er jedoch gegenüber dem für den Wahlkreis zuständigen Bundestagsabgeordneten Markus Koob (CDU) erwähnt, dass er mit diesen Antworten weder zufrieden noch einverstanden sei.

Problematisch beurteilt Sommer jedoch die Errichtung von Photovoltaikanlagen an anderer Stelle auf Wehrheimer Gemarkung. "Wenn wir unsere Acker- und Wiesenflächen jetzt mit Solarpanels versehen, bedeutet dies das Aus der Landwirtschaft in unserer Region." Gerade weil der Trend in Richtung Lebensmittel aus der Region gehe, könnte das nicht gewollt sein. "Die Abhängigkeit von Ländern auf dieser Welt zeigt sich doch gerade jetzt und führt zu einem massiven Preisanstieg auf allen Ebenen." Nach wie vor bleibt Sommer dabei, dass die riesige Fläche rund um das Munitionsdepot das ideale Areal sei, um Photovoltaik aufzubauen, da damit keine lebensnotwendigen Äcker- und Wiesenflächen der Nutzung entnommen werden müssten.

Darum fordert Sommer: "Der Bund muss endlich umdenken, ich kann die Haltung seit Jahrzehnten nicht verstehen, warum im Munitionsdepot keine Photovoltaikanlagen entstehen dürfen. Die Fläche ist sogar eingezäunt, die Anlagen könnten auf Bunkern, Freiflächen und über dem riesigen Straßennetz errichtet werden."

Ist Biogas das Richtige?

Wenn also keine weiteren Landflächen versiegelt werden sollten, stellt sich die Frage, ob Biogas für Wehrheim eine Alternative wäre? "Über die Errichtung einer Biogas-Anlage wurde noch nicht gesprochen. Hierzu lagen beziehungsweise liegen auch keinerlei Anträge vor", sagt Sommer.

Und was ist doch mit einer Errichtung von Windkraftanlagen? Dazu erklärt Sommer: "Der vorgelegte Kooperationsvertrag wurde von den drei Kommunen Rosbach, Friedberg und Ober-Mörlen beschlossen. Dies bedeutet nicht, dass Wehrheim nun außen vor ist. Ich stehe weiterhin in ständigem Kontakt mit den anderen drei Kommunen. Auch wurde bereits gegenüber den politisch Verantwortlichen unser Unmut darüber geäußert, dass Hessen Forst hier einen Alleingang durchführen will." Ziel sei es, dass die im Bereich des Winterstein liegenden Kommunen sowie Bundes- und Landesforst einen Windpark hinbekommen, von dem alle Kommunen gemeinsam partizipieren können und sollen.

Und so sieht Sommer eine klare Aufgabe vor sich: "Als Bürgermeister muss das Ziel sein, nach den Gesprächen und weiteren vorgegebenen Maßnahmen eine Vorlage zu erstellen, in dem klare Vorgaben und auch Zahlen (detailliert) enthalten sein sollen, um so den parlamentarischen Gremien eine nachvollziehbare Entscheidung zu ermöglichen. Insofern gehe ich weiterhin davon aus, dass bei Konkretisierung und Vorlage von Angeboten von Investoren, die dann auch in eine Beschlussvorlage münden, auch die Gremien einem gemeinsamen Projekt Windpark Winterstein zustimmen werden, jedenfalls bleibe ich hier positiv."

Entwicklung verschlafen

Verschiedenen Optionen wie Pachteinnahmen für die Kommune, finanzielle Bürgerbeteiligung und andere offene Fragen müssten natürlich noch ausgearbeitet werden. Auch die SPD möchte weiter an dem Thema dranbleiben, versichert Fraktionsvorsitzende Heidrun Mony. "Wir haben die Entwicklung in der Vergangenheit verschlafen, nun stellt sich die Frage, wie wir mit dem Thema künftig umgehen", sagt sie. Eine Möglichkeit sei, Gemeindeeigentum mit Photovoltaik auszurüsten. "Es gibt auch Alternativen, bei denen Solarpanels an Balkonen angebracht werden können." Die SPD-Politikerin wünscht sich, das Wissen bei der Gemeinde zu bündeln, so dass Bürger dort bei Energiefragen kompetente Hilfe finden könnten.

Auch interessant

Kommentare