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„La cappella Burgholzhausen“: Chorgesang aus einem Guss

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Glanzlichter: »La cappella« in der Heilig-Kreuz-Kirche
Glanzlichter: »La cappella« in der Heilig-Kreuz-Kirche © Jochen Reichwein

Sie sind jung, sie sind hübsch, und wie schön können sie singen, die Mädchen und mittlerweile jungen Frauen von „La cappella“, ein Fest für Augen, Ohren, Seele und Herz.

Von Sabine Schlichte

„La cappella Burgholzhausen“ bürgt für Spitzenqualität und steht für diverse Jugend-Vocal-Ensembles, die sich im Verlauf von nur zehn Jahren unter der so behutsamen wie engagierten Leitung von Veronika Bauer geformt und so überzeugend entwickelt haben, dass sie bei zahlreichen renommierten Chorwettbewerben Preise kassieren konnten.

Wenn viele Chöre Nachwuchssorgen haben, die plagen La cappella nicht. Die besonders intensive Art zu singen der ersten Gruppe von neun Mädchen ließ den Schwestern keine Ruhe, das wollten sie auch können. Selbst die Brüder horchten auf, so dass es jetzt die Großen gibt, das „Ensemble“, das völlig selbstständig probt, aber Kostproben der Ergebnisse in den Konzerten beisteuert. Die nächste Generation ist „La cappella junior“, gefolgt von „La cappella nuova“ für die Altersgruppe von 13 bis 16 und „La cappella dolce“ für die Jüngeren. Für die Grundschulkinder gibt es die „Vorklasse“. „DieJungs“ und „DieMänner“ sind der besondere Stolz des ursprünglichen Mädchenchores, denn auch in vier gemischten Stimmen zu singen ist klasse. Veronika Bauer legt größten Wert auf Stimmsicherheit, Intonation und Selbstständigkeit. Sie übt bewusst mit kleinen Gruppen, damit die Mädchen und Jungen lernen, ihre Stimme zu führen und Verantwortung für ihren Part zu übernehmen. Natürlich „a cappella“, also ohne instrumentale Stütze. Sich mitziehen lassen gilt nicht; jeder ist auch Solist. Die meisten Werke sind getragen, klangbetont und schwierig. Keine Scheu vor Dissonanzen, alle Akkorde werden auf ihren besonderen Reiz hin erforscht. Bevorzugt werden neuere Chorlieder, oft aus Schweden oder Norwegen.

Das Konzept geht auf, wie das staunenswerte und anspruchsvolle Programm des letzten Sommerkonzerts zeigte. Hier traten das „Ensemble“, „La Cappella nuova“ und „DieMänner“ auf.

„DieMänner“, fünf Abiturienten, gaben ihr Konzertdebüt mit gleich zwei fünfstimmigen Chorgesängen. Jeder eine Stimme, jeder eine tragende Klangsäule. Was für ein Wohlklang, diese frischen, klaren Männerstimmen ohne ausuferndes Vibrato zu hören, so dass wie in dem „Pater noster“ ein Tonartwechsel zum Ereignis wird! Was würde aus ihnen, blieben sie zusammen? Die neuen „Prinzen“? Von ihren Chorschwestern wurden sie jedenfalls schon entsprechend bejubelt.

Den größeren Teil des Programms aber stemmten die beiden anderen Gruppen.

Norwegische Begrüßung

Zu Beginn wurden die Zuhörer mit einem norwegischen Willkommensgruß überrascht, der vom starken Unisono der Frauen zur Mehrstimmigkeit aufblühte, so sauber in der Intonation, dass sich die Nackenhaare sträubten. Das gelingt eigentlich nur geschulten Profis. Hier scheint es aber zum Standard zu gehören, ebenso wie das auswendige Singen oder der Blickkontakt zum Dirigenten. So wird ein unmittelbares Musizieren möglich.

Und die Mädchen sind so konzentriert, so freudig, so hingebungsvoll bei der Sache, dass man sich dem Sog der Musik nicht entziehen kann, es ist, als zögen sie an der Leine der gespannten Melodie den Zuhörer zu sich heran. Unglaublich die Klangpräsenz in M. Janssohns „Fear thou not“. Das ruhige Stück baut sich zum glanzvollen Fortissimo auf – hatte man nicht vorher schon geglaubt, dass die Mädchen laut singen? Aber nein, das war nur die halbe Kraft. Das plötzliche Piano genießen sie als Kontrast wie den großartigen Schlussakkord, der sich über zwei Oktaven hinaus auffächert. Oder den Klangteppich, aus weichen Dissonanzen gewebt, den der Chor den beiden Solistinnen aus den eigenen Reihen, Magdalena Bauer und Rosalie Schüler, unterlegte. Den Farbreichtum der Dissonanzen, den können die Sängerinnen so richtig auskosten.

Als Solistinnen profilierten sich außerdem souverän und stimmschön die „Junioren“ Pauline Schüler, Elisabeth Bauer, Pauline Scharvetter und Anne-Caroline Praum mit Sololiedern, einfühlsam begleitet von Cornelia Maurer-Weiss. Kein Wunder, dass auch „La cappella junior“ so großartig klingt.

Wohin die Erziehung zur Selbstständigkeit führt, demonstrierte das „Ensemble“ mit Chorliteratur aus Renaissance und Moderne. Ohne Dirigat, mit lebhafter Kommunikation untereinander, wurden sie zu einem fast instrumental zuverlässigen Klangkörper aus einem Guss. Akkorde wie angeschlagen, homogen ausgehorcht, Töne treffsicher und genau artikuliert, flexibel, dynamisch transparent – sie scheuten kein Risiko und gaben alles, bis hin zur ergreifenden Todesklage in R. Schumanns „Bleicherin“. Da kann man sich als Zuhörer nur bedanken, bei allen passionierten Sängerinnen und Sängern und bei der Inspiratorin, für diesen Zauber des Gesangs.

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