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Angela Merkel am Montag während der Pressekonferenz zum Ausgang der Landtagswahl in Hessen.

Richtiger Schritt, richtiger Zeitpunkt

CDU-Basis zollt Merkel Respekt für angekündigten Rückzug

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Der Paukenschlag in Berlin hat auch im Taunus die Ohren klingeln lassen. Die CDU-Basis bescheinigt Bundeskanzlerin Angela Merkel, mit ihrem angekündigten Rückzug eine richtige und kluge Entscheidung getroffen zu haben. Auf eine Wunsch-Nachfolgerin oder einen Wunsch-Nachfolger will sich noch niemand festlegen. Aber man kann ja auch zwischen den Zeilen lesen . . .

Es ist eine Zeitenwende für die CDU. Mit dem Verzicht auf den Parteivorsitz hat Angela Merkel auch ihren Abschied als Bundeskanzlerin eingeläutet. Und wer immer ihr an der Spitze der Bundes-CDU folgen wird – es wird wohl auch der nächste Kanzlerkandidat der Union sein. Die Tragweite der Merkel-Verkündung ist also immens, und entsprechend lebhaft wird an der CDU-Basis im Taunus über die jüngste Entwicklung diskutiert.

„Es ist eine kluge und umsichtige Entscheidung, die von der inneren Unabhängigkeit von Frau Merkel zeugt“, sagt Landrat Ulrich Krebs zu dem angekündigten Abschied. Er habe an der Kanzlerin geschätzt, wie sie sich in der Partei und als Regierungschefin geschlagen habe. Einer ihrer großen Verdienste sei es, dass sie die CDU erneuert und modernisiert habe. Für die Nachfolge wünscht sich Krebs jemanden, der „die Erfahrung der letzten Jahre einbringt“. Sprich: Jemanden, der schon in den aktuellen Politbetrieb eingebunden ist: „Die CDU braucht Erneuerung, aber Deutschland kann sich keinen Kaltstart erlauben.“

Krebs gehört ebenso zu dem Hochtaunus-Delegierten für den CDU-Bundesparteitag im Dezember wie Markus Koob. Der heimische Bundestagsabgeordnete zollt Merkel „hohen Respekt“ und begrüßt, „dass die personelle Erneuerung meiner Partei nun geordnet erfolgen kann“. Auf einen Wunschkandidaten legt sich Koob nicht fest. „Bislang haben drei anerkannte Persönlichkeiten ihre Bereitschaft zur Kandidatur erklärt, so dass ein echter Wettbewerb möglich ist“, sagt der CDU-Mann. Ungeachtet von der Frage, wer denn nun die Nachfolge Merkels an der Spitze der Partei antreten wird, hat Koob aber Erwartungen: „Ich erwarte von der oder dem neuen Vorsitzenden, dass es gelingt, die unterschiedlichen Wurzeln der Partei zu stärken und nicht gegeneinander auszuspielen.“

Dass Merkels Schritt den Weg für eine breite innerparteiliche Diskussion freigemacht hat, empfindet Jürgen Banzer als große Chance. „Das tut der CDU gut“, erklärt der Vorsitzende der Hochtaunus-CDU. Die Tatsache, dass es mehrere Bewerber für die Nachfolge mit unterschiedlichen Schwerpunkten gebe, führe automatisch zu einer Diskussion darüber, was für die Partei wichtig ist und wie es in Deutschland weitergehen solle. Als wesentliche Aufgabe sieht Banzer eine die Kommunikation zwischen Wählern und Gewählten. Die Verantwortlichen in den Parteien müssten Politik vermehrt erklären. Wer das von der CDU-Spitze aus übernehmen soll – da will Banzer keine vorzeitige Festlegung: „Jetzt ist erst einmal die Zeit zuzuhören und nach den jeweiligen Zielen zu fragen.“

Für Königsteins CDU-Chefin Annette Hogh hat Merkel „den absoluten richtigen Zeitpunkt gewählt“. Hätte sich die Kanzlerin vor der für die Union so schmerzlichen Hessen-Wahl erklärt, hätte das auch nicht zu einem besseren Ergebnis geführt. Dass sich vor dem entscheidenden Parteitag mehrere Kandidaten („Meine Favoriten sind Annegret Kramp-Karrenbauer und Armin Laschet“) in Stellung bringen, wertet Hogh als Zeichen, dass die CDU noch immer eine kämpferische Partei ist. Sie warnt allerdings davor, auch Merkels Kanzlerschaft vorzeitig zu beenden: „Da sollte man jetzt kein neues Fass aufmachen.“

Bad Homburgs CDU-Vorsitzender Thorsten Bartsch würdigte Merkels große Verdienste ums Land, sagt aber auch: „Die Begeisterung für Frau Merkel und das Vertrauen in sie haben zuletzt deutlich abgenommen.“ Auch im Wahlkampf habe man gespürt, dass die Leute eine Veränderung wünschten. Wer soll die Nachfolge antreten? „Ich wünsche mir jemanden, der schon bewiesen mal hat, dass die Menschen ihm Vertrauen entgegenbringen“.

Der Usinger CDU-Chef Matthias Drexelius („Es war ein richtiger Schritt von Merkel, und es war gut, dass er jetzt so schnell erfolgte“) begrüßt, dass die CDU-Delegierten mehrere Bewerber zur Auswahl haben: „Das ist Demokratie.“ An Kramp-Karrenbauer schätzt er deren klare Linie und bodenständige Art. Aber auch Jens Spahn, der vergangene Woche in Usingen war, sei ein geeigneter Kandidat.

An der Abstimmung über den Vorsitz der Bundes-CDU wird auch Katja Gehrmann teilnehmen. Die Geschäftsführerin der Hochtaunus-CDU findet, dass ihre Partei „tolle Kandidaten“ für den Parteivorsitz habe. „Und wir hatten sie ja gerade fast alle im Taunus zu Gast“. Im Wahlkampf zur Hessen-Wahl gab es bekanntlich Veranstaltungen mit Annegret Kramp-Karrenbauer, Jens Spahn und Armin Laschet.

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