+
Oberursel,Blick auf geplantes Neubaugebiet der Stadt Frankfurt

Kundgebung

CDU-Verbände planen Sternmarsch gegen neuen Frankfurter Stadtteil

  • schließen

„Deutlich machen, wo die CDU steht“ – das ist laut Hochtaunus-CDU-Chef Jürgen Banzer das Ziel einer Aktion, die die Union für den 19. August plant. Mit einem Sternmarsch will sie ihre Haltung zum Stadtteil aufzeigen, den Frankfurt beiderseits der A 5 plant. Ob Parteikollegen aus Frankfurt mitmachen, ist noch zu klären.

Demonstrieren gehen ist nicht gerade christdemokratisches Kerngeschäft. Und dennoch tun sie es: Für Sonntag, 19. August, organisieren zwei CDU-Stadtverbände aus dem Hochtaunus- und einer aus dem Main-Taunus-Kreis einen Sternmarsch mit abschließender Kundgebung. Das Ziel – die Scheune von Landwirt Richard Bickert im Feld zwischen dem Oberurseler Stadtteil Weißkirchen und der Nachbarstadt Steinbach – legt auch bereits nah, worum es geht: den Stadtteil, den Frankfurt beiderseits der Autobahn plant. Er würde dicht an Weißkirchen und Steinbach heranrücken, was die Menschen dort umtreibt.

„Wir wollen deutlich machen, wo die CDU steht“, sagte Jürgen Banzer, Vorsitzender der Hochtaunus-CDU, bei einem Pressegespräch. Die Aktion solle eine Antwort sein auf das Gefühl der Menschen, die beunruhigt seien.

„Wenn Christdemokraten schon mal auf die Straße gehen . . .“ Der Landtagsabgeordnete und Ex-Staatsminister Banzer hob denn auch die Besonderheit des Sternmarschs hervor. Und auch Jens Uhlig, Fraktionsvorsitzender der CDU im Oberurseler Stadtparlament, kann sich nicht an ein vergleichbare Aktionen mehrerer Ortsverbände erinnern. Nun soll ein christdemokratisches Netzwerk her – als Signal gen Frankfurt.

Die Christdemokraten aus Oberursel und Steinbach gehen am 19. August auf die Straße beziehungsweise den Feldweg, ebenso die Parteikollegen aus Steinbachs Main-Taunus-Nachbarstadt Eschborn. Was sie eint: Sie lehnen die Pläne Frankfurts in der bislang diskutierten Dimension ab. Es geht um etwa 10 000 Wohneinheiten auf rund 550 Hektar Gesamtfläche, von denen wiederum rund 190 Hektar bebaut werden sollen.

Im Vordertaunus ist die Haltung der Politik eindeutig: Nein zu einer Bebauung westlich der Autobahn, also auf Taunus-Seite. Die Stadtverordnetenversammlungen in Oberursel und Steinbach haben sich entsprechend positioniert, auch die CDU-Linie der drei beteiligten Stadtverbände lasse sich so zusammenfassen, sagte Uhlig.

Im ebenfalls von den Plänen betroffenen Frankfurter Nordwesten haben sich die christdemokratischen CDU-Verbände in der Stadtteil-Diskussion inhaltlich noch nicht festgelegt. Daher ist auch noch nicht klar, ob sie ebenfalls zum Sternmarsch aufbrechen. „Wir haben schon vor mitzulaufen“, sagte Veljko Vuksanovic im Gespräch mit dieser Zeitung. Er gehört dem Arbeitskreis „Baugebiet an der A 5“ der CDU-Fraktionen in den Ortsbeiräten im Nordwesten Frankfurts an und kandidiert im Herbst für den Landtag. Doch eine Teilnahme Frankfurter Christdemokraten am Sternmarsch verbindet er mit einer Prämisse: „Dass wir uns in der Zielrichtung einigen.“

Gemeint ist: einigen mit den Parteikollegen aus dem Taunus. Der Knackpunkt: Anders als die Taunus-CDU lehnt er eine Bebauung westlich der A 5 nicht kategorisch ab, ist allerdings auch skeptisch, was die Größenordnung der Idee von Frankfurts Planungsdezernent Mike Josef (SPD) betrifft. Vuksanovic wirbt zwecks Schaffung von Wohnraum für Nachverdichtung und eine gemäßigte Neubebauung an den Stadträndern.

Die Stadt Frankfurt müsse mit den Nachbarkommunen im Taunus das Gespräch suchen: Das fordert Vuksanovic, und auch Jürgen Banzer setzt auf Dialog. „Frankfurt soll deutlich machen, in welchem Abwägungsprozess die Fläche ermittelt wurde“, sagte Banzer, der sich optimistisch zeigte, dass westlich der Autobahn nicht gebaut werde.

„Was ist konkret geplant?“, fragte Wolfram Schuster, stellvertretender CDU-Vorsitzender in Eschborn. Er verlangte klare Aussagen vonseiten Frankfurts, „damit wir auch den Bürgern klarmachen können, was auf sie zukommt.“

Entscheidend wird letztlich das Votum der für die Flächenplanung zuständigen regionalen Gremien sein – und wer dort mit seinen Argumenten punkten kann. Die Standpunkte der Stadtteil-Kritiker sind klar: Es geht um Verkehrbelastung, wertvolle Ackerböden, Klimaschutz und freie Flächen zwischen den Kommunen, um Abstände von Stromtrasse und Gasleitung.

„Die Region hat immer von der polyzentrischen Struktur profitiert“, sagte Uhlig, der einen „Siedlungsbrei“ verhindern will. Oberursels CDU-Parteichef Thomas Poppitz verwies derweil – wie Vuksanovic – auf zu erhaltende Frischluftschneisen. Poppitz griff zudem einen sozialpolitischen Aspekt auf: „Wer soll denn in den Riegelbauten wohnen?“, fragte Poppitz. Die CDU geht von Häusern mit bis zu acht Stockwerken oder gar Hochhäusern aus, fürchtet ein „Problemviertel“.

„Die verkehrliche Erschließung darf nicht zulasten der Nachbarstädte gehen“, forderte der Eschborner Schuster. In der Main-Taunus-Kommune gebe es bereits „eine Verkehrsbelastung hoch drei“. „Wir kommen definitiv an die Grenzen.“ Schuster hat zudem die landwirtschaftlichen Flächen im Blick, die schon durch die geplante Regionaltangente West durchschnitten würden.

Für den 19. August will die CDU außer den Frankfurter Kollegen weitere Stadtverbände motivieren, Königstein und Kronberg zum Beispiel. Weil es aber keine reine Parteiveranstaltung sein soll, sind alle Interessierten willkommen. Die Kundgebung an der Feldscheune beginnt um 17 Uhr, der vorherige Marsch – ob zu Fuß oder per Fahrrad – wird von den CDU-Stadtverbänden individuell organisiert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare