„Choral du Bus“ trifft den Ton

Der Frieden – das zeigen die Krisenherde in aller Welt – ist ein wertvolles wie rares Gut, das es nach Kräften zu wahren und zu feiern gilt. Just zu diesem Zweck hatten sich jetzt 40 Falkensteiner auf den Weg nach Le Mêle gemacht. Mit an Bord TZ-Reporterin Jutta Badina, die heute und morgen über ihre Erlebnisse in der Partnergemeinde berichtet.

Wenn Constanze Schleicher etwas will, dann kriegt sie es auch. Mit dieser engagierten wie gleichwohl charmanten Seite ihrer Vorsitzenden durften jetzt rund 40 Freunde des Partnerschaftskomitees Falkenstein-Le Mêle Bekanntschaft machen.

„Es wird gesungen“, hatte Madame Schleicher ihren Mitreisenden auf dem Weg in die normannische Partnergemeinde Le Mêle verkündet. Eine Flucht aus dem fahrenden Bus war da für die vermeintlich Unmusikalischen nach dem Schließen der Türen nicht mehr möglich. Alle hatten einzustimmen.

Schließlich ist die Freundschaft zwischen Mêloisern und Falkensteinern ohne Musik eigentlich nicht zu denken. Der Falkensteiner Mandolinenclub war es, der 1966 zu einem Musikwettbewerb erstmals nach Le Mêle gereist war, in allen Kategorien den ersten Preis eingeheimst und zugleich den Stein auf dem Weg zur künftigen Partnerschaft ins Rollen gebracht hatte.

In den folgenden Jahrzehnten waren die Partnerschaftstreffen meist musikalisch seitens der Mandoliner oder des Männergesangvereins unterlegt. Klar, dass das Partnerschaftskomitee diese klangvolle Tradition auch beim Besuch des jüngsten Friedensfestes in der Normandie aufrechterhalten wollte.

Da Zupforchester und MGV in diesem Jahr nicht mit von der Partie sein konnten, gründete Constanze Schleicher kurz entschlossen den „Choral du Bus“. Streng gab die Vereinschefin den Takt vor, zumindest im Bus, beim späteren Chorkonzert übernahm den Taktstock der ehemalige MGV-Vorsitzende Walter Krimmel.

Was der mobile Chor auf der Fahrt gen Le Mêle noch nicht wissen konnte: Die Europa-Hymne, mit der die Falkensteiner ihre Gastgeber teils in deren Landessprache überraschen wollten, hatte der Mêloiser Chor seinerseits in Teilen auf Deutsch einstudiert, um wiederum den Gästen eine Freude zu machen. Zwei Partner – ein Gedanke: Wenn das mal nicht nach echter Freundschaft klingt.

Und wie es gute Freunde nun mal tun, fanden sie auch schnell eine perfekte Lösung für das kleine Hymnen-Malheur. Kurzentschlossen gab es beim Chorkonzert in der Kirche von Le Mêle einen gemeinsamen Auftritt. Getragen von der Akustik des Gotteshauses war es für Sänger und Zuhörer ein ganz besonderer Moment. Carolin Agostini, die Leiterin der Sprachkurse im Taunus, war „zu Tränen gerührt“. „Es war so schön. Ihr habt alle mit so viel Freude gesungen“, lobte sie ihre Mitreisenden.

Vor dem Hintergrund des Endes des Zweiten Weltkriegs vor 70 Jahren setzten Franzosen und Deutsche ein Zeichen der Freundschaft. Die Tage in Le Mêle waren für alle Mitreisenden mit tiefen Emotionen und schönen Momenten gefüllt (siehe „ZUM THEMA“). „Es sind sehr viele Teilnehmer dabei, die das erste Mal mitreisen“, freute sich Constanze Schleicher. Auch sei es eine sehr große Delegation, die sich auf den Weg in die Normandie gemacht habe.

Die „Neulinge“ selbst waren überwältigt von der großen Gastfreundschaft der französischen Partner. Die Integration gelang schnell, ob mit oder ohne Sprachkenntnisse. Dass dabei auch der ein oder andere Kontakt zum direkten Königsteiner oder Falkensteiner Nachbar zustande kam, sorgte für große „Überraschungsmomente“. Obwohl seit Jahren Tür an Tür im Taunus lebend, kannten sich einige nicht.

Die Fahrt in die Normandie vertiefte so nicht „nur“ die Verbindung zum direkten europäischen Nachbarn, sondern auch innerhalb der Kurstadt und ihrer Stadtteile.

Auf dem Programm standen unter anderem ein Ausflug an die Atlantikküste in den Badeort Cabourg, das Friedenskonzert in der Kirche, ein kleiner Stadtrundgang, eine Kranzniederlegung für die gefallenen Soldaten am Monuments aux Morts, ein gemeinsames Essen und viel Zeit in den Familien. Nach einem gemeinsamen Frühstück ging es zurück. Gesungen wurde auf dem Rückweg nicht. Markus Schleicher, Mitreisender und Vorsitzender des Falkensteiner Gesangvereins, hofft aber, dass eventuell einige Sängerinnen und Sänger aus dem Projektchor „Bus“ ihr Herz für das Singen entdeckt haben könnten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare