Gastspiel in der Elbphilharmonie

Christopher Park: „Ich fühle mich als großer Glückspilz“

Eben noch ein Heimspiel im Glashüttener Bürgerhaus und kurz darauf ein Konzert in der Hamburger Elbphilharmonie – was wie ein Traum klingt, wird für Christopher Park am Mittwoch wahr. Der „Rising Star“ der European Concert Hall Organisation (ECHO) spielt im kleinen wie ausverkauften Saal des neuen Musentempels. Mit TZ-Reporter David Schahinian sprach der Schloßborner über seine Erwartungen, seine Kunst und seine Verbundenheit zum Taunus.

In Schloßborn daheim, in Königstein zur Schule gegangen, auf den Konzertbühnen der Welt zu Hause – kommt ihnen das manchmal wie ein Traum vor?

CHRISTOPHER PARK: Ich fühle mich definitiv als großer Glückspilz, dass ich solch eine Karriere als Konzertpianist machen darf. Davon habe ich immer geträumt.

Die European Concert Hall Organisation (ECHO) hat Sie zu einem der Rising Stars der Saison gekürt. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?  

PARK: Das ist eine große Ehre. Der Preis erzeugt viel Aufmerksamkeit: Unter anderem ist damit eine Tournee durch alle großen Konzerthallen Europas verbunden – dieses Jahr ist die Elbphilharmonie neu mit dabei. Für mich sind solche Formen der Anerkennung besonders wichtig, weil ich aus Prinzip nicht an Wettbewerben teilnehme – dem üblichen Weg, eine solche Karriere aufzubauen.

Warum lehnen Sie Wettbewerbe ab?

PARK: „Wettbewerbe sind etwas für Rennpferde“, hat Béla Bartók einmal gesagt – für Dinge, die man objektiv messen kann, aber nicht für Musiker. Sie fördern eine Spielart ohne Ecken und Kanten, dort wird selten jemand mit einer besonderen künstlerischen Interpretation mitspielen. Ein Glenn Gould oder ein Vladimir Horowitz würden heutzutage wohl nicht einmal mehr in ein solches Finale kommen. Es wird oft derjenige belohnt, gegen den man am wenigsten sagen kann. Dabei fehlen meiner Meinung nach heutzutage gerade solche Charaktere, wie es auch Artur Rubinstein oder Alfred Cortot waren.

Nominiert wurden sie für die Auszeichnung vom Wiener Konzerthaus und dem Musikverein Wien. Wie kam es dazu?

PARK: Ich habe eine enge Bindung zu beiden. Ich habe schon öfter dort gespielt, unter anderem auch mit Sebastian Weigle und den Wiener Symphonikern. Sie kannten mich, und ich bin glücklich, dass sie mich nominiert haben.

Für jeden Rising Star wird ein eigenes Stück komponiert?

PARK: Es wird ein Stück in Auftrag gegeben, das auf der Tournee gespielt wird. In meinem Fall hat es die Komponistin mir sogar gewidmet – eine ganz große Ehre.

Sie machen mich neugierig.

PARK: Das war ein unglaublicher Zufall: Ich hatte bereits zuvor ein Stück von Olga Neuwirth gespielt und aufgenommen, wir kannten uns also schon. Ich wusste aber nicht, dass die Wiener sie als Komponistin für mein Stück vorgeschlagen haben.

Was ist das für ein Gefühl, wenn man sein eigenes Stück von einem renommierten Komponisten zum ersten Mal sieht und spielt?

PARK: Der Tag, an dem die Noten kamen – ich habe mich kaum getraut, das Buch aufzumachen. Es ist sehr faszinierend und auch sehr persönlich. Man hat selten die Möglichkeit, mit dem Komponisten, in diesem Falle der Komponistin, zu sprechen – die meisten sind ja schon tot. Man kann es ihr vorspielen und gemeinsam gegebenenfalls noch weiterentwickeln. Und es hat mir einen ganz anderen Blick eröffnet auf die Sichtweise eines Komponisten.

Am 1. Februar dürfen Sie als einer der ersten Künstler weltweit in der Elbphilharmonie auftreten. Ist das etwas Besonderes für Sie?

PARK: Dort in den Eröffnungswochen spielen zu können, ist ganz groß für mich. Im Grunde ist es aber egal, ob ich vor 50 oder 2000 Menschen auftrete. Man spielt nicht für die Masse, sondern für jeden einzelnen Menschen. Auch, wenn nur ein einziger im Raum sitzen würde, muss man mit der gleichen Intensität spielen. Für mich ist der Zeitpunkt, wenn das Stück aufhört und erst einmal Stille herrscht, der schönste. Wenn sich alle auf das Gleiche, die Pause und die Stille konzentrieren. Natürlich nimmt man so etwas in großen Sälen mehr auf, man spürt die Energie der vielen Menschen.

Was haben Sie bisher von der „Elphi“ gehört? Tauscht man sich mit Musikerkollegen auch über solche Dinge aus?

PARK: Natürlich tauscht man sich über Konzertsäle aus. Man weiß, wo die Vorzüge und Macken sind. Letztlich muss man sich aber selbst ein Bild machen. Bei der Elbphilharmonie kann man sich natürlich gar nicht dagegen erwehren, mit einer Vorfreude und auch einer Erwartungshaltung hinzugehen. Dort zu spielen, wird sicher spannend.

Für Ihr junges Alter von 29 Jahren haben Sie bereits viel erreicht. Spüren Sie auch Druck?

PARK: Ehrlich gesagt: nein, es gibt noch viel mehr zu erreichen. Die Erwartungshaltung an mich selbst ist sicher mit die größte. Ich bin selten nach einem Konzert zufrieden mit mir, weil ich hohe Ansprüche an mich selbst habe. Wenn ich aber zufrieden bin, kann mich auch keine miese Kritik stören. Und die Hauptsache ist, dass ich mindestens einen Menschen mit dem Konzert berühren konnte.

Vielleicht ist gerade das ein Antrieb, der Sie dahin gebracht hat, wo Sie heute stehen.

PARK: Es geht immer weiter. Es gibt ein quantitativ so großes Repertoire wie bei keinem anderen Instrument – das kann man niemals alles beherrschen. Man könnte aber prinzipiell qualitativ sein Leben lang ein und dasselbe Stück spielen, und würde immer wieder etwas Neues daran entdecken.

Trotz ihres großen Erfolges treten Sie immer wieder auch in kleinen Sälen im Taunus, in Glashütten und Königstein, auf. Aus welcher Motivation?

PARK: Weil es schön ist, es ist meine Heimat. Ich spiele wahnsinnig gerne dort. Es ist so, als ob man für die Familie und Freunde spielt, und oft ist es ja auch tatsächlich so: wie ein schönes, großes Hauskonzert. Außerdem finde ich es sehr wichtig, dass der Kulturkreis Glashütten und seine Pendants lokale Veranstaltungen machen und Kultur nicht nur in den großen Städten stattfindet. Auf diese Konzerte würde ich niemals verzichten wollen.

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