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Dr. Nikolaos Sapoutzis, stellvertretender Leiter des Gesundheitsamts, im sogenannten Impfgang mit insgesamt zwölf Kabinen. Hier sollen die Impfungen verabreicht werden.

Hochtaunus

Gebäude umfunktioniert: So läuft die Corona-Impfung im Impfzentrum ab

1000 Personen sollen täglich im ehemaligen Hewlett-Packard-Gebäude in Bad Homburg (Hochtaunus) gegen Corona geimpft werden.

Hochtaunus – Als vor fünf Jahren die große Flüchtlingswelle nach Deutschland schwappte, bekam Carsten Lauer, Leiter der Unteren Katastrophenschutzbehörde beim Kreis, einen zweiseitigen Einsatzbefehl. Der Auftrag: Binnen weniger Tage eine Unterkunft für die ankommenden Menschen bereitzustellen - ein Kraftakt, der trotz mancher Probleme gelang.

Corona-Impfzentrum in Bad Homburg: „Eine Mammutaufgabe“

Ende November bekam Lauer erneut einen Einsatzbefehl: Bis zum 11. Dezember solle der Kreis ein Corona-Impfzentrum herrichten. Was dabei alles zu beachten sei, war in einem 100-seitigen Schreiben dokumentiert. „Eine Mammutaufgabe“, so Nikolaos Sapoutzis, stellvertretender Leiter des Gesundheitsamtes. Doch gestern konnten Landrat Ulrich Krebs und Erster Kreisbeigeordneter Thorsten Schorr (beide CDU) verkünden: „Wir sind einsatzbereit.“

In Rekordzeit wurde nicht nur eine passende Immobilie, das ehemalige Hewlett-Packard-Gebäude in Ober-Eschbach, gefunden und angemietet, sondern auch für die Bedürfnisse eines Impfzentrums umgebaut. 250 Tage plus Option einer Verlängerung soll das Impfzentrum arbeiten, sobald das Land das Startsignal gibt. Die Vorgaben sehen vor, dass täglich 1000 Hochtaunus-Bürger hier geimpft werden können. Das Ganze soll in zwei Schichten, täglich von 7 bis 22 Uhr, erfolgen.

„Wir sind sehr froh über diese Lösung“, sagte Schorr, denn die Immobilie sei für die benötigten Zwecke nahezu optimal. Die Vorteile: eine Bushaltestelle und die U-Bahn in fußläufiger Nähe, eine große Anzahl an Parkplätzen, mit dem Auto nur zwei Minuten von den Hochtaunus-Kliniken entfernt und die Anfahrt kann über die Südumgehung erfolgen. Das Gebäude selbst bietet ausreichend Platzkapazitäten, so dass im Bedarfsfall jederzeit erweitert werden kann. Eine „Einbahnstraßenregelung“ im Zentrum ist möglich, so dass sich die Anzahl von Begegnungen von Personen reduziert.

Corona-Impfung in Bad Homburg: Zunächst wird die Temperatur gemessen

Nach dem Betreten des Gebäudes erfolgt zunächst eine elektronische Fiebermessung. Wer erhöhte Temperatur hat, wird in einer Kabine auf die Impf-Tauglichkeit untersucht. Am Empfang wird zudem geprüft, ob alle erforderlichen Unterlagen vorhanden sind. Erst dann gelangt man in das eigentliche Impfzentrum. Dort werden die Personen durch ein leicht verständliches Farbleitsystem samt Beschilderung entweder in einen Wartebereich geleitet, direkt von einem Lotsen zur Registrierung geführt oder - falls es Fragen gibt - zu einem Arztgespräch geleitet. „Wir versuchen, die Termine so zu takten, dass der Wartebereich eigentlich nicht oder kaum genutzt werden muss“, so Lauer.

Nach diesen Formalitäten gelangt der Impfling in die sogenannte Impfgasse. „Wir gehen davon aus, dass eine Impfgasse mit zwölf Kabinen, zwei davon für in der Mobilität eingeschränkte Personen, ausreichen“, sagte Sapoutzis. Dennoch wurde noch ein weiterer Impfgang mit 19 Kabinen eingerichtet - für den Fall, dass zeitweise der Andrang zu groß werden sollte. Die Planung sieht vor, dass für jeweils drei Kabinen ein Arzt zuständig sein wird. Der Mediziner müsse übrigens auch nicht die Corona-Impfung selbst vornehmen, erklärte Schorr. Es genüge, wenn jemand eingewiesen wurde und eine dreijährige Ausbildung im medizinischen Bereich vorweisen kann. Nach der Impfung sollen sich die Geimpften noch 20 inuten in einem weiteren Wartebereich erholen, bevor sie entlassen werden.

Dauer des Imp-Vorgangs gegen Corona: 45 Minuten bis eine Stunde

„Zwischen 45 Minuten und einer Stunde soll der Impf-Vorgang dauern“, erklärte Krebs. Wenn das Land nach Weihnachten den Impfstoff ausliefern sollte - dafür gebe es einige Hinweise - könne noch in diesem Jahr mit der Impfung begonnen werden, stellte Schorr klar.

Dann werden im ehemaligen HP-Gebäude die Corona-Impfstoffe vorbereitet und von mobilen Teams auch in die Alten- und Pflegeheime gebracht, wo die Impfung der Bewohner stattfinden soll. Wer wann im Zentrum geimpft wird, wird voraussichtlich über das Einladungsmanagement des Landes mitgeteilt, das die Termine versenden wird. Personen, die geimpft werden wollen, müssen sich nicht um einen Termin bemühen.

Corona: Bis zu 80 Personen pro Schicht arbeiten im Bad Homburger Impzentrum

Insgesamt werden 70 bis 80 Personen pro Schicht im Impfzentrum arbeiten, die Hälfte davon mit einer medizinischen Ausbildung. Der Kreis geht davon aus, dass man bis zum Ende der Aktion insgesamt einen Personenstamm von 500 Menschen benötigen wird. Beim Kreis-Gesundheitsamt haben sich bereits 100 freiwillige Fachkräfte gemeldet, die sich an der Impfaktion beteiligen wollen.

„Nur um es klar zu stellen“, so Schorr abschließend. „Es besteht keine Impfpflicht, ebenso werden alle Kosten von der öffentlichen Hand übernommen.“ Gleichwohl sei es das klare Ziel, möglichst viele Menschen zu impfen, denn nur so könne man der Pandemie Herr werden. (Alexander Wächtershäuser)

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