Hochtaunus

Corona: Kreis sieht sich weiter gewappnet

  • Harald Konopatzki
    vonHarald Konopatzki
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Ausschussbericht nach wenigen Tagen überholt - Mehrere Fälle an Schulen

Die Pandemie-Lage ist gelinde gesagt dynamisch. So gab es am Montagabend im Haupt-, Finanz- und Digitalisierungsausschuss einen Zwischenbericht, der in Teilen schon wieder überholt ist. Der Kreis sei bislang relativ gut durch die Corona-Krise gekommen. Anlass zu höchster Disziplin sei aber trotzdem geboten, sagte Dr. Nikolaos Sapoutzis. Der Mediziner und Jurist gab, wie von den Grünen beantragt, für das Gesundheitsamt Auskunft über den Stand der Pandemiebewältigung im Kreis.

In seinem Bericht führte er auf, dass es zwischen einer und sieben Neuinfektionen pro Woche gebe - am Donnerstag standen 33 Neuinfektionen binnen sieben Tage zu Buche, zum Zeitpunkt des Berichts waren es 28 gewesen.

Seit dem Schulstart sind mittlerweile mehrere Fälle an verschiedenen Schulen bekanntgeworden, etwa an der Feldbergschule Oberursel und der Astrid-Lindgren-Schule in Usingen. Ein auf Mittwoch datierter Elternbrief der Christian-Wirth-Schule (CWS) informierte ebenfalls über einen Corona-Fall. Nachdem der Hochtaunuskreis am Mittwoch lediglich zwei Fälle an der Astrid-Lindgren-Schule in Usingen bestätigt hatte, bestätigte er gestern dann auch den CWS-Fall.

Auch bei einer kommunalen Parlamentssitzung im Kreis hatte es nach Informationen dieser Zeitung jüngst einen Corona-Fall gegeben, wobei das Gesundheitsamt kein Risiko für die Gäste sah.

Zwei Erkrankte lagen Sapoutzis' Kenntnis nach am Montag mit einer Corona-Infektion in der Klinik. Die Zahl der im Zusammenhang mit Covid-19 verstorbenen Patienten liegt seit Wochen unverändert bei sechs.

Direkte und zufällige Kontakte

Bei den Erkrankten müssten, so Sapoutzis, zwischen 10 und 70 Kontakte ermittelt und nachverfolgt werden. Am Montag war 150 Verdachtsfällen nachgegangen worden, wobei die Zahl der Reiserückkehrer aus Risikogebieten unter 100 gelegen habe. Das Gesundheitsamt sei mit seinen 32,9 Stellen - darunter auch zwei vom RKI abgeordnete Mitarbeiter - in der Lage, dies zu stemmen, so Sapoutzis.

Unterschieden werden müsse natürlich immer zwischen direkten Kontakten in Familie und Freundeskreis sowie indirekten, in der Regel zufälligen Kontakten, wobei immer auch die Dauer des "Face-to-Face-Kontakts" relevant sei. Hinweise auf mögliche Risikobegegnungen über die "Corona-App" habe es bislang im Hochtaunus "kaum" gegeben, konkrete Zahlen nannte Sapoutzis nicht.

Während direkte Kontaktpersonen in Quarantäne geschickt werden, beziehungsweise bei Symptomen getestet werden müssen, ergehe an ermittelte indirekte Kontakte die Empfehlung, sich besser für zwei Wochen zu isolieren, Kontakte zu meiden und möglichst im Homeoffice zu arbeiten.

Sapoutzis erläuterte das dreistufige Eskalationssystem mit unterschiedlichen Beschränkungen je nach Infektionslage. In Stufe 1 würden Einrichtungen wie Seniorenheime unter Quarantäne gestellt oder häusliche Isolation angeordnet. Stufe 2 sehe die Abstimmung mit Nachbarkommunen beziehungsweise Nachbarkreisen vor, ebenso großflächigere Beschränkungen und Kontaktsperren, orts- oder stadtteilbezogen, Schulen könnten geschlossen werden. Bei Stufe 3 reichen die Beschränkungen bis zum Verbot von Zusammenkünften und zur Einschränkung der nicht zwingend notwendigen Mobilität. In diesem Stadium müsse die Öffentlichkeit noch intensiver über das Infektionsgeschehen unterrichtet werden. Benachbarte Landkreise müssten sich auf ein gemeinsames Vorgehen verständigen. Die Ausrufung der drei Eskalationsstufen ist an die jeweilige Inzidenz (Covid-19-Erkrankung pro 100 000 Einwohner) gekoppelt. Besonders heikel werde es bei Inzidenzen zwischen 50 und 75 - wovon man im Hochtaunuskreis aber weit entfernt sei.

Die Gefahr, dass Rückkehrer aus Risikogebieten zu sogenannten Superspreadern wie in Garmisch werden könnten, hält Sapoutzis im Kreis für überschaubar. Was bei der Rückkehr aus solchen Regionen zu tun ist, insbesondere was Quarantänebestimmungen und Testungen anbelangt, sei inzwischen schließlich allgemein bekannt. Ausschließen könne man einen solchen Infektions-Hotspot nicht, hier seien die Gesundheitsämter auch auf Hinweise aus dem Umfeld der betroffenen Personen angewiesen. Solchen Hinweisen werde dann unverzüglich nachgegangen. 

Dennoch sieht Nikolaos Sapoutzis noch ein weiteres Problem auf das Gesundheitsamt und die Hausärzte zukommen: die herbstliche Grippewelle. Die Symptome einer "normalen Grippe" seien denen einer Covid-19-Erkrankung sehr ähnlich. Zwei Merkmale deuteten jedoch klar auf Corona hin: der Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn. as/nni/hko

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