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Corona und Krieg machen der Jugend Angst

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Coach im Programm "Starke Kids": Gunther Gräfe. © Schmah-Albert

Familienzentrum GANZ bietet mit Coach Gunther Gräfe das Programm "Starke Kids"

Neu-Anspach -Auf den ersten Blick scheint nach den coronabedingten Einschränkungen und Zwangspausen wieder "normales Leben" eingekehrt zu sein. Auch die Schulen sind zum Alltag zurückgekehrt. Bei sehr vielen Kindern und Jugendlichen wirken aber Isolation, Home-Schooling und eingeschränktes Freizeitangebot häufig noch schmerzlich nach. Zukunftsängste wurden durch den Krieg in der Ukraine mit den Auswirkungen auf die finanzielle Situation der Familien und die hohen Preissteigerungen noch verstärkt, hat das Familienzentrum GANZ e.V. beobachtet. Das Familienzentrum mit Sitz in Neu-Anspach ist seit mehr als 25 Jahren für seine Hilfestellung bei Familien in Not mit ambulanter Familienhilfe, hauswirtschaftlicher Unterstützung bei Menschen mit Pflegestufe und als Kindertagespflegeinitiative bekannt. Seit mehreren Jahren schon bietet der sozial orientierte und gemeinnützige Verein in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt ein persönlichkeitsstärkendes Coaching für Jugendliche an. Waren diese Coachings bisher nur über das Jugendamt möglich und wurden darüber finanziert, gibt es nun unabhängig vom Jugendamt ein weiteres, niedrigschwelliges Angebot, das durch Fördergelder und Spenden finanziert,

In dem Programm "Starke Kids" werden aktuell acht Kinder in Einzelcoachings gestärkt und in ihrer seelischen Entwicklung gefördert. Der Fokus des bisherigen Konzepts, an den sich "Starke Kids" anlehnt, lag bisher auf den 7. und 8. Klassen, aber der Bedarf bei jüngeren Kindern sei ebenfalls da, sei vielleicht sogar noch wichtiger, so die Erfahrung und auch die Rückmeldung aus den Schulen. Die Eltern, oft selbst überlastet und von Zukunftssorgen geplagt, könnten das alleine gar nicht auffangen.

Mit dieser Feststellung sei keinesfalls ein Vorwurf oder eine Schuldzuweisung verbunden, im Gegenteil habe man großes Verständnis dafür, dass Familien zumindest punktuell Unterstützung und Entlastung benötigten, betont Sabine Wagner vom Familienzentrum. "Wir sind darauf angewiesen, dass die Familien mit GANZ zusammenarbeiten, denn wir sind ja da, um zu helfen", so Wagner im Gespräch mit dieser Zeitung.

Stärkung der Persönlichkeit

Das Coaching "Starke Kids" wird mit dem NLP-Coach Gunther Gräfe aus Wehrheim durchgeführt, der seit vielen Jahren zahlreiche Jugendliche im Schülercoaching begleitet hat. Er ist ebenfalls bekannt als Jugendpfleger in Wehrheim und als musikalischer Leiter des Chors "Brothers&Sisters". Solche Coachings sind nicht zu verwechseln mit Nachhilfe, sondern sind rein persönlichkeitsstärkend. Jugendliche, die durch die Coronazeit mutlos geworden sind und die aus dem Loch "ich kann ja sowieso nichts machen" aus eigener Kraft nicht auftauchen können, werden dazu angeleitet, wieder die positiven Seiten auch bei sich selbst zu sehen. Sie lernen, wieder anzupacken und werden dazu angeregt, sich zu erinnern, was sie schon erreicht haben und sich auf ihre eigenen Stärken zu besinnen. Und werden wieder zu "starken Kids" gemacht.

In kleinen Schritten

zum großen Ziel

Es tue den Kindern und Jugendlichen gut, dass jemand ihnen hilft. Beim Coaching gehe es darum, dass die Kinder und Jugendlichen aufgrund von eigenen positiven Erfahrungen, die sie irgendwann mal, vielleicht auch in anderen Kontexten, gemacht haben, eigene Ideen entwickeln, um ihrem Ziel ein Stück näher zu kommen, erklärt Gräfe.

"Erstes Ziel ist es oftmals, überhaupt ein Ziel zu finden. Und dann den Weg dorthin in so kleine Schritte zu unterteilen, dass es Spaß macht, diesen Weg zu gehen. Als Coach ist es nicht meine Aufgabe, den Kids Vorgaben zu machen, sondern ihnen zu helfen, selbst herauszufinden, was sie brauchen, um ihr Ziel zu erreichen und das Herausgefundene dann auch motiviert einsetzen", so Gräfe und führt weiter aus: "Coaching ist vergleichbar mit einem universellen Werkzeugkasten, den der Coach seinen Coachees an die Hand gibt und ihnen hilft, passende ,Werkzeuge' zu finden und diese dann auch erfolgreich und mit Freude einzusetzen".

Die Kinder profitierten enorm davon, so die Beobachtung sowohl von den Kindern selbst als auch von den Eltern und Lehrkräften. "Das Konzept und die Coachings kamen sehr gut an, die Kapazitäten wurden binnen kürzester Zeit ausgeschöpft. Der Bedarf und der Wunsch der Jugendlichen nach Unterstützung sind da, können aber nur zu einem Bruchteil bedient werden und ,Starke Kids' muss nun sogar wegen fehlender Anschlussfinanzierung auslaufen", berichtet Wagner traurig. Man versuche, weitere Fördergelder zu bekommen, sei aber auch auf Sponsoren angewiesen, um die wertvolle Arbeit verlässlich fortführen und noch mehr Schülern helfen zu können.

"Durch die Förderung der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt war es uns möglich, eine zusätzliche Gruppe ins Leben zu rufen und Kids zu unterstützen, die es in der Pandemie nicht leicht hatten, aber die Finanzierung ist nur bis zu den Sommerferien gesichert und gerne würden wir das Coaching auch für Grundschüler anbieten, denn es hat sich herausgestellt, dass viele Kinder aufgefangen werden müssen", ruft das Familienzentrum nach Hilfe.

Wer das Familienzentrum hierbei unterstützen möchte, sei es durch Spenden oder auch personell oder aber auch, wer Bedarf an Unterstützung hat, wendet sich an Sabine Wagner (06081/962481) oder per Mail an ganz-ev@t-online.de

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